Neues Konzept für Wasserburger Stadtbus 

Busspur auf den Gleisen der Altstadtbahn - wirklich nur "Zukunftsmusik"?

+
Eine Bustrasse auf den alten Gleisen der Altstadtbahn - was nach Zukunftsmusik klingt, könnte durchaus planbar sein. 

Wasserburg - Der Stadtbus vom Burgerfeld über die Altstadt zur Burgau und nach Reitmehring soll ausgebaut und optimiert werden. Zur Auswahl standen neben verschiedenen Stunden-Takten auch eine Zukunftsvision, die eine Bustrasse entlang des Inns an der ehemaligen Altstadtbahntrasse vorsah. 

Weil die Konzession für den Stadtbus 2020 ausläuft, wurde das ÖPNV-System in Wasserburg analysiert. Anja Witzel von der Firma Planmobil stellte den Nahverkehrsplan in der Sitzung des Rats am 24. Oktober vor. Der Stadtrat entschied sich am Ende einer eineinhalbstündigen Debatte aus insgesamt vier vorgestellten Varianten einstimmig für die Einführung des Halbstunden-Takts - allerdings ist die Betriebsaufnahme erst ab Mai 2022 möglich. Somit setzte sich am Ende Variante zwei durch. 


Vier Varianten für den künftigen Stadtbus

Die Varianten eins und zwei waren sich sehr ähnlich: Die erste Variante aber legte den Fokus auf einen optimalen Anschluss mit dem 15-45-Takt, während die zweite Version den Halbstundentakt beinhaltete. Beide garantieren eine Anbindung an den Bahnhof in Reitmehring sowie eine verbesserte Anbindung von Reitmehring Süd nach Attel im Zweistundentakt und eine Beschleunigung der Linien 9416 nach Attel und 9415 ins Burgerfeld.  

Die dritte Variante stellte einen Halbstundentakt durch Überlagerung dar - Witzel riet jedoch Abstand zu nehmen, da die Takte unterschiedlich seien: Abschnittsweise würde der Bus im Halbstundentakt fahren, sich aber mit den Ein-Stundentakt-Linien überschneiden. 


Die Planungsvarianten 1 bis 4 im Überblick: Die rote Linie zeichnet jeweils die Buslinie ein. 

Die letzte Variante spielte "Zukunftsmusik": Im Halbstundentakt oder im 15-45-Takt würden die Busse entlang des Inns auf den ehemaligen Gleisen der stillgelegten Altstadtbahn auf einer neu zu erbauenden Bustrasse fahren. Dies ermögliche eine sehr gute Anbindung Gabersees und des neuen Klinikums, das sich aktuell im Bau befindet, Witzel zufolge aber auch jedoch erst realisierbar, wenn das Planfestsellungsverfahren zur Beseitigung des Bahnübergangs Reitmehring an der B304 genehmigt und gebaut werde. 

An diesem Punkt schaltete sich der Fraktionssprecher der Grünen, Christian Stadler, ein, dem vor allem der Umsteigezwang in Reitmehring und die lange Wartezeiten am Bahnhof sauer aufstoßen: "Ich plädiere dafür, unseren Beschluss zur Stilllegung der Altstadtbahn zu revidieren. Wir sollten uns nicht länger hinter Gutachten verstecken, die heute ohnehin überholt sind - genau wie die Kostenanalyse. Eine bessere Erschließung des neuen Klinikums durch das Gelände durch und eine neue Ausfahrt zur B304 nur für Busse sind unseres Erachtens nach wünschenswert." Ansonsten habe ihn der Halbstundentakt überzeugt.

CSU-Sprecher: "Salami-Taktik an Verbesserungen" 

Markus Bauer (CSU): "Ich glaube, wir müssen auch für die Zukunft immer wieder neu planen. Ich sehe hier nur eine Salami-Taktik an Verbesserungen. Natürlich gefällt die Variante vier den Grünen nicht, aber wir müssen in die Zukunft denken und das Beste für die Stadt herausholen. Bauer appellierte mit dem neuen Konzept an einer Verbesserung der Situation für Rollstuhlfahrer und und Kinderwagen: "Es kann nicht sein, dass die Busfahrer den dritten Kinderwagen nicht mehr mitnehmen." 

Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler Reitmehring Wasserburg) brach eine Lanze für Reitmehring: "Staudam hat sich für viele Reitmehringer zum Einkaufszentrum entwickelt und einige haben auch die Familien-Gräber auf dem Edlinger Friedhof, die sie pflegen müssen. Es gibt viele, die wirklich dankbar wären, würden sie diese Strecke mit dem Bus zurücklegen könnten

Expertin Anja Witzel aber erwiderte, das wäre teuer, denn dafür würde man ein zusätzliches Fahrzeug benötigen. Ein Umlauf mit Staudham und zurück durch die Stadt zum Burgerfeld wird dann nicht mehr funktionieren.

Für Wolfgang Janeczka (SPD), zeigte sich sehr zufrieden mit Variante zwei, diese entspreche dem Kerngedanken eines ersten Antrags der SPD. Ein kleiner Wermutstropfen sei allerdings, dass es noch zweieinhalb Jahre bis zur Realisierung dauere. Er wies abschließend darauf hin, dass man bei der Vergabe den vom Stadtrat beschlossenen Klimanotstand beachten solle.

Fraktionskollegin Dr. Christine Mayerhofer warf daraufhin in den Raum, ob es nicht möglich wäre E-Busse einzuführen. Hier aber legte Bürgermeister Michael Kölbl ein Veto ein: "In Burghausen hat man das schon einmal versucht - doch bei uns sehe ich Schwierigkeiten. Die aktuelle E-Busse sind für den dauerhaften Einsatz unbrauchbar - es wäre freilich schön, aber E-Busse für den täglichen Bedarf sind aktuell noch ein Versuch." Zudem gebe es zu wenig Stromtankstellen für Busse

Friederike Kayser-Büker (SPD) fragte sich, ob es keinen Plan gebe, den neuen Klinik-Komplex in Gabersee gut in den Takt einzubinden. "Es muss doch machbar sein, das Krankenhaus barrierefrei an die Buslinien anzuschließen. Ich appelliere zudem an die Vorbildfunktion der Busfahrer. Deren Verhalten sollte sich dringend verbessern." Sie habe bereits oft telefonierende Fahrer gesehen, die dann unfreundliches Verhalten an den Tag gelegt hätten. 

Analyse zeigt: Stadtbus wird gut angenommen 

Allgemein werde der Stadtbus von 60 Prozent der Nutzern täglich angenommen und von 23 Prozent mehrmals pro Woche. Das zeige die Auswertung einer Analyse an zwei Tagen im Mai 2019. Täglich fahren rund 1000 Fahrgäste mit dem Stadtbus.

Abschließend wurde von Witzel die Idee noch in den Raum geworfen, zwei neue Haltestellen am Rathaus/Marienplatz sowie am Roten Turm zu errichten. Dafür soll die Bushaltestelle am Max-Emanuel-Platz wegfallen. 

mb

Kommentare