Hitzige Debatte im Stadtrat 

Stirbt der Einzelhandel durch Aldi-Vergrößerung in Staudham? 

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Die Aldi-Filiale im Staudhamer Feld soll vergrößert werden. 
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Wasserburg/Staudham - Aldi möchte seine Filiale im Staudhamer Feld bei Reitmehring vergrößern. Dieser Antrag lag dem Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung Ende September vor. Die Meinungen der Räte gingen bei der Diskussion auseinander. 

Bedrohen Fachmarktzentren außerorts den Einzelhandel in den Innenstädten? 

Um 207 weitere Quadratmeter Verkaufsfläche soll die Fläche des Discounters im Staudhamer Feld direkt neben der B304 auf insgesamt 1.198 Quadratmeter vergrößert werden. 

Der Bauausschuss hat sich im Sommer 2016 erstmals mit der Angelegenheit befasst und damals eine Änderung des Bebauungsplans in eine Sondergebietsausweisung vorgeschlagen. Die Regierung von Oberbayern gab im Juni 2017 grünes Licht für die Vergrößerung, da das Vorhaben am Standort des Staudhamer Felds der erforderlichen Raumordnung entspreche. Auch für die Planer des ISEK sei die geplante Verkaufsflächenerweiterung aus städtebaulicher Sicht verträglich

Standpunkte der Stadtratsmitglieder: 

Nicht alle Ratsmitglieder jedoch waren mit der Idee der Filialerweiterung einverstanden. Norbert Buortesch vom Bürgerforum war strikt gegen den Antrag. Für ihn stehe Reitmehring und die Entwicklung dessen Ortskerns im Vordergrund. "In Reitmehring sitzen wir eh schon auf einem toten Pferd, wenn Aldi auch noch vergrößert, erreichen wir nie eine Dorfmitte mit diversen Einkaufsmögichkeiten." 

Auch Lorenz Huber (Bürgerforum) war der Meinung, der Aldi im Staudhamer Feld sei "groß genug, da braucht's wirklich keine Erweiterung". 

Edith Stürmlinger kann die Beweggründe ihrer Bürgerforums-Kollegen "gut verstehen." Dennoch ist sie der Meinung, dass die Filialvergrößerung nicht direkt mit der Problematik des fehlenden Ortskerns in Reitmehring zusammenhänge. "Viele Bürger nutzen ebenso andere Läden und kaufen nicht bei Aldi", so der Standpunkt Stürmlingers. 

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) sieht die Vergrößerung der Aldi-Filiale ebenfalls positiv: "Indem wir Nahversorgung schaffen, kaufen viele auch in Staudham vor Ort ein." 

Friederike Kayser-Büker (SPD) warf ein, dass man genau hinsehen müsse, ob Aldi nur eine Flächenerweiterung oder auch eine Vergrößerung des Sortiments beabsichtige. 

Andreas Aß (CSU) sieht als Betreiber der Wasserburger Markthallen am Marienplatz die Gefahr der wachsenden Konkurrenz und wettert gegen den Antrag: "Natürlich ist es in der Altstadt problematisch. Natürlich ist es einfach, den Discounter zu besuchen. Natürlich sterben die Einzelhandelsgeschäfte in naher Zukunft. Natürlich hat aber der Kunde das Recht hinzufahren und einzukaufen wo er möchte, das stehe ich ihm freilich zu." Er stelle sich die Frage, wie es mit Wasserburg weitergehe und habe schlicht und ergreifend Angst um seine Existenz. "Wir müssen uns eingestehen, dass es für uns kleine Läden immer schwieriger wird. Ich mag mir keine Altstadt vorstellen, in der vielleicht in wenigen Jahren schon 50 Prozent des Einzelhandels stirbt. Die Altstadt lebt doch vom Handel." ISEK sage ja bereits "Horror-Szenarien" voraus, Aß wolle keine Verwandlung Wasserburgs in eine reine Café-Stadt

Josef Baumann von den Freien Wählern Reitmehring/Wasserburg (FWRW) sieht im Bereich des Staudhamer Felds ein "Riesen-Problem" was den Verkehr betrifft. "Wenn die Discounter wachsen, gibt's noch mehr Verkehr - da werden sich die Reitmehringer umschauen, wenn das Verkehrsproblem nicht bald gelöst wird."

Am Ende der Diskussion ging der Antrag Aldis auf Vergrößerung der Verkaufsfläche auf knapp 1.200 Quadratmeter mit fünf Gegenstimmen durch. Die Aldi-Filiale im Staudhamer Feld darf sich vergrößern. 

mb

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