Erweiterung des Wasserburger Gewerbegebiets 

Neue Maschinenbau-Halle in Staudham: Kiebitz bestimmt Bauzeit 

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Der Kiebitz hat es sich im Staudhamer Feld gemütlich gemacht. Könnte er einem Bauprojekt in dem Gewerbegebiet im Weg stehen? 
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Wasserburg/Staudham - Das Gewerbegebiet im Staudhamer Feld soll vergrößert werden. Direkt an der B304 plant die Maschinenbaufirma Schechtl eine Produktionshalle zu errichten. Dort aber hat es sich der Kiebitz gemütlich gemacht. Ein Problem für das Bauprojekt? 

Neben der bestehenden Aldi-Filiale an der B304 soll sie enstehen, die neue Produktionshalle der Maschinenbaufirma Schechtl. Damit möchte die Edlinger Firma, die mittlerweile 115 Mitarbeiter beschäftigt, ihren Sitz nach Wasserburg ausbauen. 

Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann stellte den Stadträten am Donnerstagabend gemeinsam mit dem Planer des Projekts den Bebauungsplanes "Staudham" vor. "Die letzte Fassung ist die aktuellste vom 21. Dezember", erklärte Herrmann. 

Werner Garnter (SPD) befürwortete die frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung mit den Worten, es sei für die Stadt Wasserburg ein "Glücksfall, dass sich ein seriöses Unternehmen" vor Ort ansiedele und Arbeitsplätze schaffe. Er stehe deshalb voll und ganz hinter der Realisierung des Projekts in Staudham.

Die Prioritäten der neuen Produktionshalle liegen woanders als die der angrenzenden Discounter. Das gesamte Gebäude soll optisch dreigeteilt werden, die geplante Halle aus zwei "Schiffen mit je einer Spannweite von 21 Metern" bestehen. Die Gesamthöhe der Wände sind mit 12 Metern veranschlagt. Laut Planer werden diese 12 Meter Höhe für die Halle auch benötigt, obwohl man aus Kostengründen darauf achte, möglichst wenig Volumen zu planen. 

Staudhamer Kiebitz hat oberste Priorität

Somit sollte den Planungen nichts mehr im Wege stehen - möchte man meinen. Doch in unmittelbarer Nähe der geplanten Halle hat sich ein gefiederter Kollege niedergelassen. Der Kiebitz bebrütet die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen im Staudhamer Feld und soll durch das Bauvorhaben nicht vertrieben werden. 

Bürgermeister Michael Kölbl erklärte, man sei auf der Zielgeraden, was den Kiebitzausgleich anbelange. Auch von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim gebe es keine größeren Einwände bezüglich der vorgesehenen Planung, bestätigte Harald Niederlöhner vom gleichnamigen Landschaftsarchitekturbüro. "Natürlich ist das Vorhaben ein Eingriff in die Natur und den Lebensraum des kleinen Vogels", betonte der Landschaftsarchitekt. "Wir haben aber Ausgleichsflächen für den Kiebitz gefunden und sind daher guter Dinge, dass das Bauprojekt anlaufen kann und das Tier in seiner Freiheit nicht eingeschränkt wird." 

Baupausen für den Vogel vorgesehen 

Norbert Buortesch (Bürgerforum) unterstrich, er sei sehr froh und dankbar, dass der Flächennutzungsplan bereits im Vorfeld so viele Maßnahmen für den Kiebitz beinhalte und neue Ausgleichsflächen für die Tiere geschaffen werden. Christian Stadler von der Grünen Stadtratsfraktion regte zusätzlich an, im Laufe des Verfahrens zu überlegen, entsprechende Bäume zugunsten der Kiebitze zu pflanzen. 

Stadtbaumeisterin Herrmann machte in der Sitzung deutlich, man habe die Bauzeit absichtlich außerhalb der Brut- und Ruhezeit der Tiere angesetzt, um den Kiebitz auf keinen Fall in seiner Hochzeit stören zu müssen. Entsprechende Baupausen seien im Bebauungsplan bereits involviert. Niederlöhner ergänzte, der Kiebitz würde von Natur aus Abstand von hohen Gebäuden nehmen, die für ihn eine sogenannnte "Kulisse" bilden. Der Bau schrecke ihn sowieso ab, weswegen davon ausgegangen werden kann, dass er die neuen für ihn vorgesehenen Flächen annehmen werde.

Werbeanlagen mit zu großer Fernwirkung? 

Christian Stadler (Grüne Stadtratsfraktion) hatte noch ein zweites Anliegen. Er erachte es als wichtig, wenn zum einen die Gebäudehöhe reduziert werden könnte und zum anderen trieben ihn die Umstände der Werbeanlagen an einem solch massiven Baukörper um: "Ich fürchte die Fernwirkung könnte zu massiv ausfallen. Gibt es hier Möglichkeiten zur Reduzierung der Größe oder der Lage sowie der Anzahl der Werbeanlagen? Meiner Meinung nach sollte auch auf Leuchtreklame verzichtet werden." 

Herrmann erklärte, das Thema Werbeanlagen sei noch in Bewegung und werde sensibel betrachtet. Man könne durchaus Details wie die Gesamthöhe oder die Anzahl der Reklame im Bebauungsplan berücksichtigen

Bürgermeister Michael Kölbl betonte zum Abschluss der Diskussion, man habe durchaus die Motivation, produzierendes Gewerbe nach Wasserburg zu holen. Mit diesen Änderungen brachten die Räte den Bebauungsplan für die Firma Schechtl im Staudhamer Feld auf den Weg. Die frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung für das Projekt wurde einstimmig beschlossen.  

mb

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