Gedenken an Wasserburger NS-Opfer

60 Stelen am Heisererplatz: "Kunstwerk, Denkmal und Gedenkort zugleich"

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So sollen die Stelen am Heisererplatz einmal aussehen. 

Wasserburg - 60 Stelen sollen künftig den Heisererplatz in der Altstadt schmücken. Hintergrund war ein Gestaltungswettbewerb eines Denkmals für die 'Wasserburger Opfer' des Nationalsozialismus. Nun wurde der Sieger bekanntgegeben. 

In der jüngsten Sitzung des Stadtrats wurde die Auswahlentscheidung offiziell bekanntgeben: Fünf Projekte kamen insgesamt in die engere Auswahl. Dagmar Korintenberg und Wolf Kipper, zwei Künstler aus Stuttgart, machten schließlich das Rennen. 


Stadtarchiv-Leiter Matthias Haupt, der den Gestaltungswettbewerb von Beginn an begleitete, erklärte im Sitzungssaal, man habe sich für dieses Werk entschieden, da es "Kunstwerk, Denkmal und Gedenkort zugleich" sei und als filigranes und leichtes Zeitdokument angesehen werden könne.

Der Grundgedanke hinter dem Projekt der beiden Stuttgarter sei es gewesen, an all jene Wasserburger zu erinnern, die Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes geworden seien. Laut Meinung der Jury repräsentieren die 60 Stelen die Opfergruppen am besten. 


Die Stelen am Heisererplatz sollen 2020 verwirklicht werden. 

Auf der Rasenfläche des Heisererplatzes entsteht 2020 nun ein Denkmal, das aus 60 Stelen mit trapezförmigem Querschnitt besteht. In unterschiedlichen Höhen verdichten sich diese in loser Anordnung und beschreiben so einen ovalen Raum. Zentral platzierte Sitzgelegenheiten im Inneren bieten die Möglichkeit zum Verweilen, zur stillen Einkehr und sich eingehender zu den Opfergruppen und Geschehnissen zu informieren. 

Die Stelen sind gekennzeichnet durch zwei unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheiten. Auf der nach innen gerichteten, breiten Seite werden die Namen und Daten der "Euthanasie"-Opfer sowie einführende Informationstexte angebracht. Auf der dem Park zugewandten, schmalen Seite der Trapezform ist die Oberfläche spiegelpoliert. Diese reflektiert fragmentarisch die Umgebung, das heutige Wasserburg. Beim Näherkommen des Besuchers mischt sich zudem ein Ausschnitt seines Spiegelbildes in die Ansicht. Eingerahmt wird diese Spiegelfläche von den dunklen Seiten des sich öffnenden Trapezes.

Der Lageplan am Heiserer Platz – zwischen den beiden Kriegerdenkmälern:

Der Lageplan des Gedenkorts. 

Das Gedenken zeigt zwei Aspekte. Einmal das stille und in sich gekehrte Andenken an die historischen Personen und Schicksale. Zum anderen ist es auch Teil einer reflektierten Erinnerungskultur, historische Geschehnisse nicht nur als Ereignis der Vergangenheit zu betrachten, sondern als geschichtliches Wissen in den heutigen Alltag zu integrieren.

So soll dieses Denkmal Raum zum Gedenken bieten und durch die optische Einbeziehung des heutigen Wasserburg einen aktuellen Bezugspunkt für die Besucher schaffen.

Im Gegensatz zum statischen Aufbau der beiden bestehenden Denkmäler des Parks, die sich auf feste Personengruppen beziehen, ist dieses Denkmal in seinem Aufbau bewusst offen gehalten. Jede einzelne Stele kann Kontaktpunkt mit dem Denkmal sein. Auf der Mehrzahl der innen liegenden Stelen sind die Namen der "Euthanasie"-Opfer zu lesen, andere zeigen ihre dunkel behandelte Rückseite als eine Art Leerstelle. Diese namenlosen Stelen bieten Raum für weitere Namen, die im Laufe der Forschung noch hinzu kommen können und stehen auch sinnbildlich für die unzähligen nicht genannten Opfer und Opfergruppen. 

Am Heisererplatz soll das Denkmal entstehen. 

Hintergrund: 

Auf Antrag der Grünen beschäftigte sich die Stadt seit 2014 mit einem Denkmal, das an die dunklen Jahre des Nationalsozialismus erinnern soll. Etwa 700 Namen von Menschen sind bekannt, die von den Nazis im Zuge des Euthanasie-Programms umgebracht wurden. 

Im Mai 2018 wurde ein Gestaltungswettbewerb ins Leben gerufen - unter der organisatorischen Führung von Stadtarchiv-Leiter Matthias Haupt. Von Seiten der Stadt Wasserburg saßen neben Bürgermeister Michael Kölbl auch  Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann in der Jury sowie die Ratsmitglieder Marlene Hof-Hippke, Steffi König, Wolfgang und Stadtrat Lorenz Huber. 

Die Ergebnisse des Gestaltungswettbewerbs werden übrigens am Dienstag, 16. April, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Wasserburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Gezeigt und erläutert werden die Entwürfe und Modelle der fünf prämierten Künstler und Arbeitsgemeinschaften.

Viele der Kriegsopfer waren in Attel und Gabersee untergebracht, kamen aus der ganzen Region. Ein spezieller Ort - am Heisererplatz - soll von nun an an alle erinnern, die von den Nazis ermordet wurden. Darin involviert sind auch die Zwangsarbeiter, die während des Dritten Reichs Leid erfuhren. 

Das Denkmal wird insgesamt rund 70.000 Euro kosten. Davon kommen 10.000 Euro vom Bezirk Oberbayern sowie jeweils 5.000 Euro von der Stiftung Attl und dem Innsalzach-Klinikum. 50.000 zahlt die Stadt Wasserburg.

mb

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