Stadtwerke-Leiter äußert sich zur Badria-Kritik 

"Wir können es nicht allen Recht machen!" 

Marius Regler, Stadtwerke-Leiter, nimmt Stellung zu den kritischen Stimmen zum Badria. 
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Marius Regler, Stadtwerke-Leiter, nimmt Stellung zu den kritischen Stimmen, die das Badria über sich ergehen lassen musste.  

Wasserburg - Viel Kritik von Seiten der Leser mussten die Stadtwerke als Betreiber des Badria einstecken. Das konnte Stadtwerke-Leiter Marius Regler natürlich so nicht stehen lassen. 

70er-Jahre-Hallenbad-Charme, kaltes Wasser, unattraktives Angebot - die Lesermeinungen zum Verlust-Geschäft Badria gingen auseinander. Mit der Kritik wechselten sich aber auch positive Aussagen ab - viele Besuchern kommen immer wieder gerne ins Badria. Wie reagiert Marius Regler als neuer Stadtwerke-Leiter auf die kritischen Stimmen? 


70er-Jahre-Charme: 

"Das Schwimmbad besitzt natürlich die Baustruktur der 70er-Jahre", beginnt Regler mit dem Vorwurf des 70er-Jahre-Charmes. "Ich persönlich bin der Meinung, optisch sei in den letzten Jahren viel gemacht worden, das Badria ist bunter und lebendiger. Vor allem zu der neuen modern und zeitgemäß gehaltenen Sauna mit ihren Lichtverhältnissen und der Großzügigkeit der Räume bekamen wir zu 99 Prozent positives Feedback. Es war uns hier auch ein Anliegen den Teilbereich in der Sauna-Hochsaison für die Gäste noch vor Weihnachten zu eröffnen.

Außerdem käme Regler immer wieder zu Ohren, die Besucher würden den 70er-Jahre-Charme bevorzugen und dem Badria nahelegen, bloß nichts zu ändern. "Die Geschmäcker sind verschieden, wir können es leider nicht allen Recht machen." 


Zu kaltes Wasser:

Was die zu kalten Wassertemperaturen anbelangt, so erklärt Regler: "Es gibt immer Leute, denen es zu kalt ist. Die Sportschwimmer, die im großen Innenbecken ihre Bahnen ziehen, bevorzugen das Wasser kühler, Mütter mit Kindern hingegen plantschen lieber im wärmeren Wasser. Für letztere gibt es den Gaudibrunnen und das 34-Grad-warme Warmwasser-Becken im Außenbereich. 

Außerdem bieten wir einmal in der Woche den Warmbadetag an. So versuchen wir, den Ansprüchen aller Besucher gerecht zu werden." Das große Innenbecken habe laut Regler regulär 29 Grad Wassertemperatur, am Warmbadetag erhöhe man auf 32 Grad. 

Das Warmwasser-Becken hat eine Temperatur von 34 Grad. 

Unattraktives Angebot:

Dass das Angebot im Badria unattraktiv sei, diese Ansicht vieler Leser könne Regler nicht teilen. Prinzipiell müsse man zwischen der Sauna und dem Bad unterscheiden: Die Sauna sei speziell für Liebhaber. Bereits vor einigen Jahren habe man sich entschieden, Kinder auszuschließen und einen vollständigen Ruhe- und Entspannungsbereich für die Gäste zu bieten. "Dass Kinder keinen Zutritt zur Sauna haben, da bin ich auch etwas zwiegespalten. Die Regelung ist aber nicht in Stein gemeißelt und kann durchaus wieder Thema werden", so Regler. 

Das Schwimmbad hingegen präsentiere sich in erster Linie als Familienbad. Regler dazu: "Das große Freibecken, das Außengelände, das Kinderschwimmbecken und die Rutschen - das alles fokussiert Familien mit Kindern bis 12 Jahre. Das ist auch unsere primäre Zielgruppe, für die das Badria schon immer ein Magnet war."

Die neue Saunalandschaft bietet Zeit zum Entspannen und ausruhen. 

Vorbild-Beispiele Konkurrenzbäder wie die Therme Erding:

Viele Kritiker waren der Meinung, das Badria solle sich "eine Scheibe von den Konkurrenzbädern wie der Therme Erding abschneiden". Marius Regler hat dazu eine klare Einstellung: Die Erdinger Therme habe eine ganz andere Größendimension und Preisklasse. Das sei gar nicht vergleichbar, da sich die Therme Erding groß und international darstelle und das Badria hingegen "klein und fein" sei. "In Erding gibt es Mega-Rutschen und eine Mega-Saunalandschaft. Wir haben Besucher, die vielmehr das kleine und intimere Badria bevorzugen und sagen, sie brauchen das große Angebot der Erdinger Therme gar nicht.

Zudem wolle sich das Badria gezielt von der Therme abheben. "Wir definieren uns deutlich als Familienbad", stellt Regler klar. Das zeige sich nicht zuletzt an den Eintrittspreisen. "Für Familien mit Kindern gibt es im näheren Umkreis kein vergleichbares Angebot, mit dem sich das Badria messen könnte." 

"Schnickschnack" wie Duftsprays, Musik oder Palmen wie die Besucher in der Erdinger Therme vorfinden, sei in Wasserburg finanziell nicht umsetzbar. In der Saunalandschaft gebe es aber regelmäßige Eventtage mit verschiedenen Themen. Damit wolle man das Wellnessangebot zum Schwimmangebot und zur Gastro ergänzen. 

Das Schwimmbad ziele laut Regler auf Familien mit Kindern ab. 

Defizit-Ausgleich durch Preiserhöhung und Rückbauten? 

Regler verdeutlicht: "Pro Badriabesucher zahlen wir sechs Euro drauf. Die Eintrittspreise halten wir aber weiterhin moderat, eine Erhöhung ist nicht geplant. Im Saunabereich hingegen sind wir aufgrund des erweiterten Angebots gezwungen, die Preise etwas anzupassen." 

Was Rückbauten angeht, so erklärt der Werkleiter: "Das Außenbecken ist sanierungsbedürftig. Es macht aber keinen Sinn, es 1:1 zu sanieren. Der Wasserpilz ist mittlerweile nicht mehr zeitgemäß, das Freibecken selbst sehr groß, da könnte man einige Quadratmeter wegnehmen und minimieren. Im Gegenzug könnte man die Attraktivität mit neuen Düsen steigern. 

"Freilich, ein Sprungturm würde auf große Zustimmung stoßen, steht aber leider in keinem Verhältnis zu den Betriebskosten. Wir müssten nicht nur die Wassertiefe ändern sondern auch eine zusätzliche Badeaufsicht einzig und allein für den Turm einstellen. Deshalb habe ich im Stadtrat darum gebeten, von solchen Spielereien abzusehen", erläutert Regler.

Das Badria sei eine "Daseins-Vorsorge". Regler erklärt, man habe sich auf die Fahnen geschrieben, Kindern das Schwimmen zu lernen, da die Schwimmfähigkeit leider nicht mehr Standard sei. "Wir sind werktags beinahe den gesamten Vormittag ausgebucht mit Schulklassen. Damit verdienen wir zwar kein Geld aber es ist uns eine Herzensangelegenheit, den Kindern aus der Region beizubringen, sich selbständig über Wasser zu halten.

Im Innenbecken lernen Kinder das Schwimmen. 

 

Wohin geht die Badria-Reise? 

"Ziel ist das Badria langfristig auf jeden Fall zu erhalten - wir haben nicht umsonst die letzen Jahre 10 Millionen Euro in die Attraktivitätssteigerung investiert. Aktuell sind wir dabei Ideen zu entwickeln, die Kosten stetig im Auge zu behalten und genau zu kalkulieren. Im Moment zehren wir vom Eigenkapital der Stadtwerke und Zuschüssen der Stadt Wasserburg." 

Der Wirtschaftsplan 2018, der im Rahmen der Haushaltssitzung am 25. Januar offenbart wurde, offenbarte einen Verlust von 850.000 Euro für das Badria. "Das kann ich als Werkleiter so nicht stehen lassen und werde deshalb Gegenmaßnahmen ergreifen. Hier und da gibt es Stellschrauben, an denen wir drehen können. Wir wollen ein bezahlbares und attraktives Familienbad bleiben, das sich junge Familien leisten können", verspricht Regler. 

Der Erhalt werde zwar ein "Kraftakt", der Werkleiter wolle die Wirtschaftlichkeit des Bads aber "so gut es geht" steigern und erklärt abschließend: "Schwimmbäder kämpfen alle um die Existenz. Ich kenne auf Anhieb keines - außer der Therme Erding - das wirtschaftlich ist. Für das kleine Wasserburg mit seinen 12.000 Einwohnern ist ein jährlicher Badria-Besucheransturm von 200.000 großartig. Wir wollen auf lange Sicht ein Schwimmbad für die ganze Region bleiben." 

mb

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