WFV-Mitglied und Betroffener zu Verkehr in Wasserburger Altstadt

Funktionierendes System ändern? Für Klobeck "unverantwortlich"

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Die Herrengasse, in der auch das Geschäft von Christoph Klobeck liegt. Seiner Meinung nach gibt es in Wasserburg kein Verkehrsproblem. 
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Wasserburg - Die Verkehrsberuhigung in der Altstadt ist seit der hitzigen Debatte im Stadtrat in aller Munde. Christoph Klobeck vom gleichnamigen Traditionsgeschäft und Mitglied beim Wirtschafts-Förderungs-Verband (WFV) nimmt Stellung zu dem umstrittenen Thema.

Er ist aktives WFV-Mitglied, das früher selbst im Vorstand des WFV war, seine Familie betreibt das gleichnamige Traditionsgeschäft in der Herrengasse: Christoph Klobeck, dessen Familienbetrieb am Ende der Herrengasse liegt, wäre direkt von der "Pfosten-Lösung" in der Schustergasse betroffen. 

Mit einem offen Brief nimmt er nun Stellung zur Verkehrssituation in der Altstadt und zur jüngsten Stadtratssitzung, bei der der WFV kritisiert worden war. Zuletzt hat sich WFV-Vorstand Moritz Hasselt bereits im Namen des Verbands der Kritik aus dem Rathaus gestellt.

"Mich hat es geärgert, wie einzelne Räte in der Sitzung Ende Juli auf den WFV losgegangen sind, das wollte ich nicht unkommentiert stehen lassen", erläutert Klobeck gegenüber wasserburg24.de seine Beweggründe, warum er die Stellungnahme verfasst hat. 

Für Vorschläge musste WFV öffentlich Kritik einstecken 

"Mit großer Verwunderung lese ich die Kritik von einigen Stadträten am WFV. Die Bürgerversammlung, bei der die Pfosten-Variante vorgestellt wurde, ist gerade einmal vier Wochen her. Der Bürgermeister hatte bei der Präsentation um Vorschläge oder Feedback zu dieser Variante gebeten. Das hat der WFV getan und musste dafür jetzt öffentlich Kritik einstecken."

Klobeck erläutet weiter: "In der hitzigen Diskussion um die Verkehrsberuhigung und den beiden Unterschriftenaktionen wurde dem WFV immer wieder, Kompromisslosigkeit‘ und ,Gutsherrenart‘ vorgeworfen. In den vergangenen Wochen hat sich nun ein Teil des WFV-Vorstands sowie zwei Fördermitglieder - ich war auch dabei - mit einer der Initiatorinnen sowie zwei weiteren Befürwortern der Hofstatt-Sperrung getroffen und das Thema diskutiert." 

Bisheriges Konzept funktioniere - bis auf drei Stunden in der Woche

Nachdem man beim ersten Treffen zwar noch keine Einigung erzielt, jedoch ruhig und sachlich miteinander gesprochen habe, sei im WFV intern diskutiert worden, inwieweit man der anderen Seite entgegenkommen könne. Laut Klobeck sei dies eine "ganz normale Art und Weise ist, wie man einen Kompromiss erreicht". "Dass dieses Vorgehen nicht in 48 Stunden umzusetzen ist, dürfte jedem klar sein. Zudem waren sich beide Seiten darüber einig, dass die Pfosten-Lösung das größere Übel wäre. Meiner Meinung nach wäre hier ein Konzept verändert worden, dass bis auf drei Stunden in der Woche absolut reibungslos läuft." 

Nach einem weiteren Treffen des WFV-Vorstands und ein paar Mitgliedern habe der WFV nach Rücksprache mit den betroffenen Gewerbetreibenden folgenden Kompromiss vorgeschlagen:

  1. Sperrung der Hofstatt am Samstag von 12 bis 24 Uhr: "Nur samstags, weil zwischen 11 und 14 Uhr die einzig hochfrequentierte Zeit mit Fußgängern und gleichzeitig Verkehr ist. Um 12 Uhr sind in der Regel Paketdienste und sonstige Lieferfahrzeuge durch. Außerdem kann sich jeder gerne mal mit den Gemüsehändlern auf dem Bauernmarkt unterhalten, was die von einer Durchfahrtssperre ab 9 Uhr halten würden", sagt Klobeck. "Zugleich hätte der WFV den musikalischen Samstag im kommenden Jahr zeitlich ein wenig nach hinten verlegt damit es nur eine Stunde die Überschneidung mit Musik und Verkehr gibt." Eine Sperrung am Sonntag sehe er als nicht notwendig an, "weil an diesem Tag sowieso so gut wie kein Auto durchfährt – außer vormittags die der Gottesdienstbesucher". 
  2. Umkehr der Einbahnregelung Gerbelgasse: Damit in dieser Zeit Anwohner und Bürger, die auf das Fahrzeug angewiesen sind, noch in die Nähe von ihrer Wohnung, kommen können. 
  3. Kurzzeitparkplätze in der Ledererzeile und Färbergasse: Damit man vielleicht auf das Reinfahren in die Hofstatt verzichtet. 

Klobeck: "Der Vorschlag wäre für eine Testphase von zum Beispiel sechs Monaten gewesen. Dieser Kompromiss wurde vom WFV eingereicht, da die Gegenseite mit dem Vorschlag einverstanden war und diesen sogar selbst unterzeichnete. Warum diese Befürwortung per Mail an den Bürgermeister nochmal zurückgezogen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis."

Die Einfahrt zur Hofstatt: Christoph Klobeck zufolge gebe es im Altstadtkern kein Verkehrsproblem. 

"Vier Tage Vorlauf für einen Teil des Stadtrates zu wenig?"

Der Unternehmer weiter: "Warum von Seiten des Stadtrats dann Vorwürfe wie Erpressung, Blockierer, Pipifax-Vorschlag kommen, kann ich nicht nachvollziehen. Es hatte keinen taktischen Hintergrund, weshalb das Schreiben erst am Montag vor der Sitzung am Donnerstag zugestellt wurde. Scheinbar sind vier Tage Vorlauf für einen Teil des Stadtrates zu wenig. Ein Kompromiss muss erst ausgearbeitet werden - dass so etwas drei Wochen dauern kann, ist, denke ich, ganz normal. Zudem wurde einigen Stadträten, die man auf der Straße traf oder die man näher kennt, bereits eine Woche vorher über den Kompromiss informiert. Weshalb dies in der Sitzung nicht erwähnt wurde, verstehe ich auch nicht."

Klobeck geht auch auf die von Sophia Jokisch (Linke Stadtratsfraktion) angesprochene Situation in Murnau ein: "Ich weiß nicht ob Frau Jokisch jemals in Murnau am Staffelsee war, die Situation von Murnau und Wasserburg kann man in keiner Weise vergleichen. Es gibt eine gut funktionierende Fußgängerzone, das ist richtig. Hierbei ist der alles entscheidende Faktor aber, dass Kunden und Betreiber quasi jedes Geschäft von der Rückseite mit dem Auto erreichen können. Das größte Geschäft ,Mode Echter‘ hat auf der Rückseite einen kundeneigenen Parkplatz mit zirka 45 Stellplätzen. Ein Blick auf Google Maps erklärt die Situation. Lieferverkehr und Kunden erreichen die Geschäfte von der Rückseite, inwieweit das in Wasserburg möglich sein soll würde mich interessieren."

Der Unternehmer betont zum Schluss: "Aufgrund der ehrenamtlichen Aktivitäten des WFV - vom Frühlingsfest über Wasserburg Gutscheine bis hin zu musikalischen Samstagen, dem Christkindlmarkt, der Eislaufbahn und dem Weinfest - möchte ich als aktives Fördermitglied, das nicht im Vorstand sitzt, den ein oder anderen Stadtrat fragen, ob er angesichts der zweistündigen Attacke nicht glaubt, sich ein wenig im Ton vergriffen zu haben. Ich kann mich als Mitglied nur beim Vorstand des WFV bedanken, dass sie die Interessen der Wasserburger Gewerbetreibenden und deren Angestellten vertreten. Zudem kann ich über das Verhalten einiger Räte nur den Kopf schütteln."

Abschließend unterstreicht Klobeck, dass es seiner Ansicht nach "kein Verkehrsproblem im Stadtkern von Wasserburg" gebe, "lediglich drei Stunden am Samstag in der Hofstatt sind problematisch. Für diese drei Stunden ein gut funktionierendes System, wie es aktuell läuft, komplett umzukrempeln, wäre unverantwortlich."

Pressemitteilung Wirtschafts-Förderungs-Verband Wasserburg/mb

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