„Fischerstüberl“ in Attel kämpft für Mitarbeiter

Angst vor der Abschiebung - Pakistani Sarwar Muhmmad möchte bleiben: „Hier ist doch nun meine Heimat“

Sarwar Muhmmad und die Wirtin vom Fischerstüberl in Attel in der Küche
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Sarwar Muhmmad ist seit 2019 fest bei Martina Fischer, der Wirtin vom Fischerstüberl in Attel, angestellt.

„Wir möchten, dass Sarwar bleibt“. Dieser Satz ziert eine Petition, die Martina Fischer ins Leben gerufen hat. Ihrem Mitarbeiter, der im Raum Wasserburg seit Jahren integriert ist, droht die Abschiebung. Die Wirtsleute vom „Fischerstüberl“ wollen das mit aller Macht verhindern und haben schon eine Plan in der Hinterhand. 

Wasserburg/Attel - Idyllisch gelegen ist das Restaurant „Fischerstüberl“ in Attel an der B15 bei Wasserburg. Seit über 60 Jahren gibt es den Familienbetrieb, seit 2019 ist Sarwar Muhmmad fester Bestandteil der Küche. Der Pakistani kam vor mehr als fünf Jahren nach Deutschland, hat sich hier integriert, verliebt, eine feste Arbeitsstelle gefunden und wohnt in einer WG in Edling.


Nun aber droht ihm die Abschiebung. „Eine Katastrophe“, unterstreicht Wirtin Martina Fischer, die Sarwar vor eineinhalb Jahren mit dem Job als Küchenhilfe eine Perspektive im Raum Wasserburg gegeben hat. „Sarwar arbeitet für zwei, hilft, wo er gebraucht wird oder wo Not am Mann ist. Wenn ich ihn verliere, muss ich zwei neue Mitarbeiter einstellen“, unterstreicht Fischer auch in Hinblick auf die schwierige Situation des Fachkräftemangels in der Gastronomie. Denn fleißige Spüler zu finden, das sei gar nicht so einfach. 

Das Fischerstüberl in Attel.

Deadline für Passabgabe bis 18. Februar - danach kann jederzeit die Abschiebung folgen

Drum sorgt das Schreiben der Behörden an Sarwar mit der Aufforderung, seinen Pass bis 18. Februar abzugeben, für große Aufregung im Team des „Fischerstüberls“. Denn Sarwar droht danach jederzeit die Abschiebung in sein Heimatland Pakistan, weil er kein politisch Verfolgter sei. 

Diese Nachricht löste bei ihm große Furcht aus, denn in Pakistan müsse er jeden Tag in Ungewissheit leben, erzählt er uns mit gesenktem Kopf und weit aufgerissenen Augen. Darin spiegelt sich die blanke Angst wider, fort aus seiner neuen Heimat zu müssen, alles, was er hier in Bayern aufgebaut hat, zurückzulassen - jetzt nachdem er so erfolgreich Fuß gefasst. „Auch meine deutsche Freundin ist sehr sehr traurig über diese Nachricht“, flüstert Sarwar fast lautlos mit hängenden Schultern. „Hier ist doch nun meine Heimat.“

Hilfe von der Härtefallkommission im Landtag?

Das Grundproblem, so mutmaßt Fischers Sohn Matthias Eggerl, liege nicht direkt bei den Abschiebebehörden oder der Ausländerbehörde des Landratsamts, sondern an höherer Stelle der Politik. „Die Verfahren dauern viel zu lange. Engagierte Flüchtlinge, die sich auch integrieren wollen haben sich nach wenigen Jahren hier selbstständig eine Bleibeperspektive geschaffen. Und plötzlich sollen sie zurück? Dabei wissen die Behörden doch gar nicht, was für ein Mensch hinter dem Einzelschicksal steht.“

Hier müsse sich mithilfe einer Gesetzesänderung etwas ändern, sind sich die Wirtsleute einig und wollen sich mit ihrem Problem um Sarwars Abschiebung an die Härtefallkommission im Landtag wenden. Auch deshalb haben sie eine Online-Petition ins Leben gerufen. Das Ziel: Zeit gewinnen, um weiterzukämpfen und im Idealfall erreichen, dass Sarwar immerhin eine Duldung A mit Arbeitserlaubnis bekommt. Die Petition ist seit Sonntag, 24. Januar, aktiv und hat bereits über 2200 Unterschriften gesammelt, wurde auf Facebook 150 Mal geteilt.

Fischer ist überwältigt, welche Welle der Solidarität die Aktion losgetreten hat: „Ich hätte nie gedacht, dass die Resonanz so positiv ist. Wir haben auch Unterstützung von Helferkreisen und Hilfsorganisationen erhalten. Wir wollen so viele Unterschriften wie möglich sammeln, um die Bedeutung unseres Vorhabens zu unterstreichen. Ob es am Ende etwas bewirkt, wissen wir nicht. Aber fest steht: Kampflos geben wir uns nicht geschlagen.“

mb

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