Angstpatienten: Zahnärzte reagieren darauf

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Mund weit auf! Viele Patienten haben große Angst vorm Zahnarzt. Etliche Zahnarztpraxen reagieren mit speziellen Angeboten darauf
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Wasserburg – Ängste sind natürlich. Doch wenn Angst einer wichtigen Sache, beispielsweise einem Termin beim Zahnarzt entgegensteht, kann es zum Problem werden. Wie gehen Zahnärzte mit Angstpatienten um?

„Ich bin froh, dass ich ziemlich stabile Zähne habe, denn ein Zahnarztbesuch ist für mich der reinste Horror“. Paul erklärt sich die Angst vorm Zahnarzt mit einer Kindheitserinnerung. „Mein Onkel hat mich immer damit geärgert, indem er mir schlimme Geschichten über den Zahnarzt vor Ort erzählt hat. Darum bin ich nur immer im äußersten Notfall zum Zahnarzt geschleppt worden als Kind und es war immer schrecklich“, so Paul.

Der mittlerweile 34-Jährige berichtet, wie seine Mutter mit ihm sogar noch mit 17 Jahren zu einem Kinderzahnarzt fahren musste, weil der schon immer Pauls Angst am besten weggebracht hatte. „Ich habe mit 5 Jahren ebenso meinen Lachsaft bekommen, wie auch noch mit 17“ gesteht Paul. Genauso sei es heute noch. „Wenn ich unbedingt zum Zahnarzt muss, dann wird das immer ein Spezialtermin“ heißt es von dem 34-jährigen Industriekaufmann im Gespräch mit wasserburg24.de.

Seit er erwachsen sei und definitiv kein Kandidat mehr für den Kinderzahnarzt, habe er sich in der Region auf die Suche nach einem Zahnarzt mit Spezialisierung auf Angstpatienten begeben. „Drei Zahnärzte hatte ich in den letzten 15 Jahren und bei meinem aktuellen fühle ich mich sehr gut aufgehoben“ zeigt sich Paul zufrieden. Dieser arbeite mit Lachgas und es sei für ihn anders auch keinerlei Alternative möglich, so der 34-Jährige. Er möchte gar nicht mutiger sein, aber eine Selbsthilfegruppe würde er trotzdem gerne finden, bei der Angstpatienten sich nicht gegenseitig auslachen, sondern das Problem des Anderen aus eigener Erfahrung kennen. In psychologischer Betreuung sei er bereits seit längerer Zeit wegen seiner Angst, die zum Problem wurde. 

Lydia auf der Flucht

Paul ist kein Einzelfall im Wasserburger Land. Der 27-jährigen Lydia passiert es immer noch regelmäßig, dass sie einen Zahnarzt nur für wenige Minuten sieht, bevor sie schnell die Flucht aus dem Behandlungszimmer ergreift. „Diese vielen Geräte machen mir Angst, und diese grelle Lampe macht die Sache nicht viel besser“, erzählt Lydia. Sie war bereits bei mehr als acht Zahnärzten, bislang sagt ihr keiner besonders zu. „Alle waren verständnisvoll und haben mich beruhigen wollen, aber ich mach meinen Mund nicht auf“, so die 27-Jährige gegenüber wasserburg24.de.

Lediglich ein Zahn musste ihr bislang gerissen werden, es hätte wohl keine fünf Minuten in der Praxis gedauert, aber: „Ich hab trotz starker Zahnschmerzen gewartet, bis ein Termin in einer Zahnklinik frei wurde, damit mir der Zahn unter Vollnarkose gezogen werden konnte“ gibt Lydia zu. Es sei kein Weisheitszahn gewesen, denn diese seien bei ihr gar nicht angelegt im Kiefer, hatten ihr die Ärzte nach dem Narkosetermin erklärt. „Übrigens habe ich eine anerkannte unüberwindbare Angstreaktion vor Zahnärztlichen Behandlungen, meine Krankenkasse übernimmt deshalb die zusätzlichen Kosten, die entstehen“, berichtet Lydia abschließend.

Zahl der Angstpatienten nimmt zu

Immer mehr Patienten hätten große Angst vor dem Zahnarzt, heißt es von der Zahnärztlichen Vereinigung auf Nachfrage. Ungefähr fünf Millionen Menschen in Deutschland zeigen sich extrem ängstlich vor dem Zahnmediziner. Dieser seit ungefähr fünf Jahren zunehmende Vermerk in den Patientenakten lassen den Dienst der Zahnärzte nicht leichter werden, sondern würden ein besonderes Maß an Geduld, Menschlichkeit und Zeit einfordern. Auch im Landkreis Rosenheim gibt es einige Zahnärzte, die sich teilweise auf Angstpatienten eingestellt haben, teils sogar darauf spezialisierten. So werden neben Hypnose und autogenen Trainingsmethoden vor Behandlungen auch spezielle Medikamente zur Einnahme vor einem Termin bereitgestellt.

In Rosenheim soll in einer Zahnarztpraxis mit Lachgas gearbeitet werden, in Wasserburg sei es möglich, durch einen speziellen Saft ein vorübergehendes „Mir-Egal-Gefühl“ zu erlangen, berichten Patienten. „Dies ist jedoch nur in besonderen Fällen und nach vorausgegangenen ausführlichen Patientengesprächen möglich“, erklärt eine Zahnarzthelferin aus Wasserburg. In der Altstadt herumgefragt, geben etliche Bürger gute Tipps und Empfehlungen über Praxen. Viele sehen ihren persönlichen Zahnarzt als den Verständnisvollsten. „Ich habe immer wieder ein ungutes Gefühl vor dem Zahnarztbesuch, aber die lustigen Dinge, die von der Decke im Behandlungszimmer baumeln, bringen mich dann wirklich immer in Urlaubsstimmung“ heißt es von Alexandra aus Wasserburg. Angstpatienten scheint es in und um Wasserburg etliche zu geben, immer mehr Zahnärzte reagieren darauf.

Quelle: rosenheim24.de

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