Verliert Wasserburg bald sein Kultcafé?

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Central-Pächter Bernhard Tröstl mit seiner Lebensgefährtin Melanie Correll und den gemeinsamen Kindern Emma, Aurelia und Apollonia
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Wasserburg – Ist das Café Central bald Geschichte? Die Wasserburger diskutieren fleißig über den möglichen Wegfall der Lokalität. Warum steht die Zukunft des Centrals auf der Kippe?

Wasserburg ohne Café Central? Möglicherweise ist das so. Doch nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Tatsache ist: Ende April hören die aktuellen Pächter auf. Tradition verbindet. Vor 30 Jahren hat Liane Bauer das Café in der Herrengasse aufgebaut, vor zehn Jahren übernahm Bernhard Tröstl. Aus einem überwiegenden Tagescafé entwickelte sich der Betrieb zu einem abendlichen Treffpunkt für Stammpublikum.

Viele Wasserburger finden es schrecklich, wenn das Central von der Liste der eingesessenen Cafés wegfallen würde. „Es gehört seit drei Jahrzehnten zum Stadtleben, wir wollen, dass das auch so bleibt“, wettern eingefleischte Central-Besucher. Sogar eine Unterschriftenliste wurde aufgesetzt, um das Central am Leben zu erhalten. Diese soll bald der Hauseigentümerfamilie Kapfhammer überreicht werden.

Die Situation ist angespannt, das Mitarbeiterteam des Cafés an der Herrengasse bangt um ihre Jobs.

Warum ist Ende April 2015 vielleicht Schluss mit dem Café?

Der Faktor Lärm

Einzelne Anwohner bemängeln, dass sie sich wegen der Lautstärke im Innenhof zu später Stunde in ihrer Ruhe gestört fühlen. „Während der WM hab ich das absolut akzeptiert, aber es geht auch jetzt noch weiter, dass die rauchenden Central-Besucher im Innenhof laut sind. Die sollten sich mal überlegen, ob sie sich nicht nach der Zigarettenpause im Freien wieder drinnen in den Räumen des Café-Central unterhalten können“ heißt es von Josef. Er wohnt über dem Café, dennoch mahne er nicht das bestehende Café an, sondern lediglich das Konzept. „Ich bin selbst gerne hier und trinke im Central mein Bierchen“ gesteht Josef. „Das Café soll nicht ganz verschwinden, sondern die Besucher einfach sensibler mit dem Thema Nachtruhe für Anwohner umgehen“ erklärt der Wasserburger.

Stammgäste zeigen sich bestürzt

Andere Gäste, die gerade im Innenhof Platz nehmen, äußern vehement den Wunsch, dass alles so bleiben solle, wie es jetzt ist. Kathi erzählt, dass sie schon seit vielen Jahrzehnten Stammgast im Central sei, und bis vor zehn Jahren hier sogar gearbeitet hätte. „Das Central ist mein Wohnzimmer. Hier fühle ich mich wohl und treffe immer Bekannte“, schwärmt Kathie. Außerdem sei das Café Central eines der wenigen Lokalitäten der Altstadt, an denen öffentlich in geselliger Runde Fußball geschaut werden könne. Auch Christian pocht darauf, das Central nicht „aussterben“ zu lassen: „Wir brauchen das Central, es war irgendwie doch schon immer hier, nicht vorstellbar, wenn es diesen Treffpunkt nach so vielen Jahren nicht mehr geben würde“.

Das sagt die Hausbesitzerin

"Wegfallen soll das Central auch gar nicht", heißt es von der Hauseigentümerin, Richarda Kapfhammer.

„Es ist nicht in unserem Sinne, dem Café Central den Gar aus zu machen“, so Kapfhammer. Vielmehr brauche es ein anderes Konzept, das alle zufrieden stimmen lasse. Der Pachtvertrag sei automatisch nach zehn Jahren ausgelaufen, der aktuelle Pächter Bernhard Tröstl habe sich nicht darum gekümmert, rechtzeitig um eine mögliche Pachtverlängerung zu bitten. „Es wäre möglich gewesen, den Pachtvertrag um weitere fünf Jahre zu verlängern“ erklärt Kapfhammer.

Karl und Richarda Kapfhammer gehört das Haus, in dem das Café Central eingebettet ist, auch die Wohnungen oberhalb des Cafés zählen die Kapfhammers zu ihrem Eigentum. „Die Belange unserer Hausbewohner sind wichtig, doch dies ist nicht der Grund, warum es für Bernhard Tröstl keine Möglichkeit mehr für ein Weiterführen des Cafés in unserem Haus gibt“. Es habe vor allem an Kommunikation gefehlt, so die Hausbesitzerin. Eine Zukunft für das Café Central sei aber nicht ausgeschlossen, so Kapfhammer.

„Bis vor einigen Jahren war es vorwiegend ein Tagescafé, warum kann das nicht wieder so sein“ fragt sich die Hauseigentümerin. „Das ist nicht wirtschaftlich für diesen abgelegenen Standort“, erklären Bernhard Tröstl und seine Lebensgefährtin Melanie Correll auf Nachfrage. Das Café Central habe sich seine Stammgäste auf den Abend gezogen, heißt es vom Betreiber. Dennoch schließt das Central seit einigen Wochen bereits um 1 Uhr nachts, um den Anwohnern entgegenzukommen.

Und nun?

Fest steht, dass es momentan einen NEUEN Pachtvertrag gibt. Der zehn-Jahres-Vertrag läuft Ende August aus, der neue Vertrag läuft von September bis April. Ende April 2015 geben die jetzigen Central-Betreiber Bernhard Tröstl und Melanie Correll den Betrieb auf, erklären, dass sie sich ohnehin beruflich neu orientieren wollen. „Dass wir nun einige Monate länger Zeit haben, den laufenden Betrieb aufzulösen, ist gut“, so Tröstl. Niemals sei es zu schaffen gewesen, kurzfristig bis Ende August alle Verträge mit Lieferanten und dergleichen zu kündigen.

Gäbe es einen Nachfolger?

Das Team habe von der Schließung des Centrals in einer Mitarbeiterbesprechung erfahren. Viele seien traurig darüber, dass nun der eigene Job auf dem Spiel stehe, heißt es von Bernhard Tröstl. Doch eventuell würde sich eine Nachfolge unter den bisherigen Mitarbeitern herauskristallisieren, munkelt Tröstl. „Es wäre möglich, dass sich einige unserer Mitarbeiter überlegen würden, das Café weiterzuführen, doch es muss sich natürlich auch rechnen, darum ist der Abendbetrieb unabdingbar“, so der Pächter weiter.

Bürger diskutieren fleißig mit

Die Wasserburger, die sich aktiv in die Diskussion einbringen, schlagen Schallschutzfenster oder weitere bauliche Maßnahmen vor, um der Lärmbelästigung durch Besucher im Innenhof entgegen zu wirken. Doch es bleibt dabei, dass Anwohner, die eventuell Fenster öffnen, um zu lüften, nicht nur Sauerstoff in ihre Wohnung ließen, sondern auch Zigarettenrauch und die Geräusche, die einem möglicherweise Nachtruhe rauben könnten. „Einige Bewohner waren deshalb schon beim Bürgermeister“, berichtet Richarda Kapfhammer. Dies bestätigte Stadtoberhaupt Michael Kölbl: „Es waren einige Anwohner, die oberhalb des Café Central leben, bei uns in der Stadtverwaltung und haben ihre Situation erklärt“, so Kölbl. Er habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass die Lärmbelästigung im Innenhof eine private Angelegenheit sei, weil sich das Areal nicht auf öffentlicher Fläche befinde. Im Bereich der Herrengasse könne auf öffentlichem Grund durch die Besucher des Centrals keine direkten Lärmbelästigungen nachgewiesen werden. Der Bürgermeister ist also für die momentanen Belange der Bürger wegen fehlender Nachtruhe nicht zuständig.

Was hält Michael Kölbl persönlich vom Café Central?

„Das Central gibt es schon seit Jahrzehnten in Wasserburg und hat sich als beliebter Treffpunkt entwickelt“, so Kölbl. Der Rathauschef kennt das Café Central selbst als Gast und sogar als Anwohner: „Ich habe selbst einmal vier Jahre oberhalb des Cafés gewohnt, das ist aber schon 24 Jahre her“ erklärt das Stadtoberhaupt.

Quelle: rosenheim24.de

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