Viele Schaufenster in der Altstadt gähnen aktuell vor Leere

„Ladensterben ist immer ein kleines Alarmsignal - auch in Wasserburg"

Leere Schaufenster in Wasserburger Altstadt für WFV-Vorstand Moritz Hasselt noch kein Grund zur Sorge
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Viele Schaufenster in der Wasserburger Altstadt - wie hier der ehemalige Schuhladen am Marienplatz - stehen derzeit leer. Für WFV-Vorstand Moritz Hasselt ist dieser akute Leerstand jedoch noch kein Grund zur Sorge.

Wasserburg - In rund einem Dutzend Läden sind die Lichter bereits aus oder gehen in den nächsten Wochen aus. Gefühlt an jedem Eck und End stechen leere Ladenflächen ins Auge, wie ein Spaziergang durch die Altstadt offenbart. Was steckt dahinter? WFV-Vorstand Moritz Hasselt hat Antworten auf brennende Fragen.

„Wir haben aktuell einige leer stehende Läden, dahinter stecken aber die unterschiedlichsten Gründe: Einige Betreiber hören altersbedingt auf und haben haben keinen Nachfolger, zwei bis drei hat auch der Corona-Lockdown einen letzten Dolchstoß verpasst.“ Für Hasselt, den Vorstand des Wirtschaftlichen Förderungsverband Wasserburg (WFV), sind die leerstehenden Läden und Geschäfte noch kein Grund zur Besorgnis, wie er im Gespräch mit wasserburg24.de betont: „Das ist immer mal wieder eine kurze Phase, in der auffällt, wie viele Schaufenster dunkel und leer sind - aber das geht auch wieder vorbei. Ladensterben ist immer eine schwierige Sache und ein kleines Alarmsignal - auch in Wasserburg. Allerdings werden wieder neue Geschäfte nachkommen.“


So eröffnet das Café Schranne am Marienplatz ab September wieder Tür und Tor dank einer neuen jungen Pächterin, nachdem die Vorgängerin nicht zuletzt wegen Corona aufgeben musste. In der Ledererzeile gibt es im ehemaligen „Dreierlei“ demnächst einen Plattenladen. Es finde häufig ein „fliegender Wechsel“ statt. „In Wasserburg ist die Lage noch nicht so dramatisch wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Wir jammern hier auf hohem Niveau“, unterstreicht Hasselt, muss aber gleichzeitig zugeben: „Der Corona-Lockdown hat nicht dazu beigetragen, dass es dem Einzelhandel besser geht - im Gegenteil, es werden noch einige Geschäfte folgen, die sich nicht mehr länger über Wasser halten können und häufig trifft es jene, die vor Corona bereits kämpfen mussten.“

Dieser Laden in der Schustergasse in Wasserburg steht schon seit einiger Zeit leer.

Leerstand in Wasserburgs Läden: Steigende Kosten und Mieten tragender Aspekt

Er betont aber auch, dass der akute Leerstand kein „Wasserburg-spezifisches Problem“ sei: Steigende Kosten wie im Unterhalt sowie immer höhere Mieten seien seit Jahren ein Gesichtspunkt, wieso Läden immer wieder aufgegeben werden - auch in anderen Städten in der Region. Fachleute mahnen sogar, im Herbst drohe in Folge der Corona-Krise eine verschleppte Insolvenz-Welle. Wir haben uns kürzlich erkundigt, ob dies auch für den Einzelhandel in der Region ein Szenario ist.

„Es ist nicht zu leugnen, dass viele Objekte in Wasserburg in privater Münchner Hand sind. Wenn der jeweilige Besitzer bei uns mit Münchner Preisen auffährt, sind die Räume nun mal unter diesen Umständen nicht vermietbar. Das regelt sich jedoch normalerweise von selbst: Die betreffenden Läden und auch Wohnungen stehen dann eben umso länger leer - bis der Eigentümer möglicherweise die Preislatte herunter schraubt“, spannt Hasselt den Bogen zurück in die Innstadt.

Wenn sich langfristig beim Problem Ladensterben etwas ändern soll, ist aber auch die Politik gefragt, ist Hasselt überzeugt. „Wird der Einzelhandel nicht entlastet, gibt es auch keine Besserung auf lange Sicht. Wenn eine Stadt mit einer attraktiven Einzelhandelsstruktur punkten möchte, dann muss auch etwas dafür getan werden und Veränderungen zugelassen werden.“ Ein großes Problem in den Augen des WFV-Vorstands sei nach wie vor das Online-Shopping, das das „klassische Einkaufsverhalten der Kunden“ beeinflusst. „Wenn sich nichts ändert, verdrängen die großen Konzerne und Internet-Shops über kurz oder lang die kleinen Geschäfte und Läden", wirft Hasselt abschließend einen eher kritischen Blick in die Zukunft.

mb

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