Sonderausstellung und das Drumherum

Werke von Willi Ernst im Wasserburger Umland

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Willi Ernst verewigte sich mit zahlreichen Werken auch im Wasserburger Umland

Wasserburg - Anlässlich der aktuellen Sonderausstellung "Willi Ernst" stellt das Museum einige Arbeiten des Bildhauers in der Region vor.

Einige Werke von Willi Ernst sind nicht unmittelbar in der Stadt zu finden. Das Umland prägte der Wasserburger Künstler ebenso. Der überaus produktive Künstler war auch im Wasserburger Umland tätig.

Der 1909 in Wasserburg geborene Willi Ernst studierte an der Akademie der Künste in

München und kehrte nach dem Einsatz im Zweiten Weltkrieg und einigen Jahren in Oberammergau wieder in seine Heimatstadt zurück. Er arbeitete als freier Bildhauer und

war im Nebenamt als Museumsleiter tätig. Für die Stadt schuf er zahlreiche Brunnen, Skulpturen und Reliefs. Aber auch im Wasserburger Umland kann man seinen Arbeiten

begegnen. Darunter befinden sich Gedächtnistafeln sowie künstlerisch gestaltete Grabmäler und Erinnerungsstätten für Kriegsgefallene. Letztere wurden in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Friedhöfen vieler Gemeinden errichtet. Sie enthalten

häufig die Namen der Gefallenen beider Weltkriege und fügen sich durch eine christliche

Formensprache in das Umfeld von Friedhöfen und Kirchen ein. Willi Ernst, der Mitglied in

einem Krieger- und Veteranenverein war, schuf unter anderem Gedächtnisstätten in Rieden, Lengmoos und Eiselfing.

Das Priestergrab in Rott

Im Jahr 1959 gestaltete Willi Ernst ein Priestergrab für die Gemeinde Rott am Inn. Es

besteht aus drei steinernen Tafeln, die durch Bronzestreben verbunden sind. In die mittlere, größte Tafel ist ein Relief gearbeitet. Es zeigt das Lamm Gottes aus dessen Wunde Blut in einen Kelch fließt. Im Hintergrund ist ein Kreuz zu sehen.

Das Lamm symbolisiert Jesus Christus und deutet gemeinsam mit den Sprüchen auf dessen Auferstehung hin. Auch auf die Bedeutung der verstorbenen Priester,

die über viele Jahre Menschen in ihrem Glauben an die Auferstehung Christi bestärkt haben, macht das Relief aufmerksam. In die beiden kleineren Tafeln sind ihre Namen und

Lebensdaten gearbeitet. Die Bronzestreben links und rechts der mittleren Tafeln sind an den oberen Enden zu Kreuzen geformt. Ein Gipsmodell des Reliefs auf der mittleren Tafel wurde 2013 gemeinsam mit anderen Modellen und Entwürfen aus dem Nachlass des

Künstlers dem Museum übereignet.

Die Gedächtnisstätte in Rieden

Einem weiteren Werk von Willi Ernst kann man in der Pfarrkirche St. Peter in Rieden begegnen. Es handelt sich um eine Erinnerungsstätte für aus der Gemeinde stammende

Gefallene beider Weltkriege. Ihre Namen sind in Tafeln aus Eichenholz gearbeitet, an deren oberen Enden zwei Kreuze platziert sind. Zwischen den Tafeln ist ein großes Kreuz

aus dem gleichen Material angebracht, in dessen Mitte sich ein silberfarbenes Herz

befindet. Am oberen Ende steigt eine Flamme aus ihm auf. Das Herz ist von goldenen

Strahlen umrahmt. Zwei Engel schweben rechts und links neben dem Kreuz. In den

Händen halten sie je eine Hälfte einer Getreidegarbe, welche sich in der Mitte aufteilt und

somit das Herz umrahmt. Auch die Engel und die Getreidegarbe sind aus Holz gearbeitet.

Willi Ernst fertigte zur Dokumentation seiner Werke Fotos an und bewahrte diese auf. Auf

dem Foto der Gedächtnisstätte in Rieden ist zwischen den Engeln und den Namenstafeln

der Spruch: „Wir sind Garben und Garben müssen sinken. Wir sinken in unseres Herrgotts

Arme und dann ist unser Leben reich gewesen.“ an die Wand geschrieben. Heute ist der

Spruch nicht mehr sichtbar. Die Getreideähren als Symbol des Werdens, Vergehens und

Auferstehens, können im Zusammenhang mit dem Spruch für die zu Gott heimgekehrten

Gefallenen stehen. Das Herz mit der Flamme kann die Gnade Gottes für den Menschen symbolisieren, die sich durch das Kreuz offenbart.

Die Gedächtnisstätte in Lengmoos

Auf dem Friedhof von Lengmoos befindet sich ebenfalls eine von Willi Ernst gestaltete Gedächtnisstätte, die an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert. Von einem Bogen geschützt thront eine Madonna mit Jesuskind über den Namen der Gefallenen. Diese sind mit dunkelrot gestalteter Schrift in den Stein unter der Madonna gearbeitet. Über ihrem

Kopf befindet sich ein reifenförmiger Heiligenschein. Sie trägt ein langes Gewand und hält

den Jesusknaben mit beiden Händen. Das Kind hat die Hände erhoben, wobei die rechte

zum Segensgestus geformt ist. Am unteren Ende des Throns sind kurz unter den Füßen

der Madonna in goldener Schrift die Worte „MARIA, REGINA PACIS“ zu lesen. Der auf Deutsch übersetzt lautende Schriftzug „Maria, Königin des Friedens“ kann auch einen

Hinweis auf die Gefallenen des Krieges bedeuten, denen die Gedächtnisstätte gewidmet

ist. Während der Gesichtsausdruck der Madonna keine Gefühlsregung zeigt, geben die

kindlich-milden Züge des Jesusknabens dem Kunstwerk eine freundliche und zuversichtliche Wirkung. Willi Ernst verwendete die Madonna mit Kind in einer deutlich kleineren Version noch einmal für eine Hausnische in der Wasserburger Ledererzeile.

Die Bronzeplastik für die Gedächtnisstätte in Eiselfing

Im Jahr 1952 arbeitete Willi Ernst an einer Bronzeplastik, die in der Mitte einer

Gedächtnisstätte auf dem Friedhof in Eiselfing aufgestellt wurde. Sie wurde zwischen den

Namenstafeln angebracht, über ihr befindet sich ein Bogen mit einem Relief. Willi Ernst hat

in die Dokumentation seiner Werke nur die Plastik aufgenommen. Deshalb ist anzunehmen, dass sowohl das Relief als auch die Tafeln von anderen Künstlern geschaffen wurden. Die dunkle Bronzeplastik stellt den auferstandenen Jesus Christus dar.

Hinter seinem Kopf befindet sich eine Strahlenkrone. Er ist mit einem langen Umhang und

dem Lendentuch bekleidet. Auf dem Oberkörper, den Füßen und Händen sind die Wundmale der Kreuzigung angedeutet. Die rechte Hand ist zum Segensgestus erhoben, in der linken trägt er die Auferstehungsfahne. Sie symbolisiert sein am Kreuz geopfertes Leben ebenso wie seinen Sieg über den Tod. Das Gesicht verrät keine Gefühlsregung, sein Blick ist geradeaus gerichtet.

Bei den beschriebenen Werken handelt es sich um Auftragsarbeiten, bei denen bewusst eine christliche Bildsprache gewünscht wurde. Dies gilt für den Großteil von Ernsts Arbeiten. Stets wählte er dafür realistische und klare Formen, die dem Betrachter das Verständnis sofort ermöglichen. Mehr über Willi Ernst kann man noch bis zum 18. Oktober 2015 in der Sonderausstellung „Willi Ernst. Ein Wasserburger Künstler“ erfahren.

Juliane Günther Museum Wasserburg

Quelle: rosenheim24.de

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