Handel kam mit blauem Auge davon

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Viel reduzierte Ware wartet auf den Erlösungskauf
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Wasserburg - Eigentlich ist er schon längst ausgestorben - und dennoch weit verbreitet. Der Winterschlussverkauf geht auch an Wasserburg nicht vorüber. Hat das bislang versteckte Winterwetter den Geschäften geschadet?

Eine Woche gibt es noch satte Rabatte auf Winterware. Die Regelung des WSV existiert grundsätzlich nicht mehr.

Doch die Geschäfte rühren mit reduzierten Preisen die Werbetrommel. Die Frühlingsware wartet bereits. Erst muss jedoch nicht verkauftes Zeug an den Kunden gebracht werden, damit Ladenhüter nicht im Lager verstauben.

Viele Kunden warten tatsächlich ab, bis die Preise in den Keller gehen, wenn es um geplante Anschaffungen geht. Eine Mutter erklärt, dass voreiliger Kauf einfach nichts bringe, jeder schaue heutzutage auf seinen Geldbeutel. Und wenn der Winter mau sei, mache es keinen Sinn, sich komplett einzudecken. Vor allem Kinder brauchen jedes Jahr neue Sachen, die im Jahr darauf nicht mehr passen.

Auf Vorrat zu kaufen, könne für Familien nicht gelten.

Schaufenster mit Prozentzeichen überladen

Dicke Prozente sollen den Wasserburgern weiter Laune machen, Winterware einzukaufen. Günstige Preise locken. Spülte der bislang magere Winter wirklich nichts in die Kassen der Saisonabteilungen? Beim Schlendern durch die Einkaufsstraßen der Halbinsel fällt auf, dass die Läden noch auf viele Kunden hoffen.

Doch Trauer-Stimmung ist nicht angesagt. „Wir haben heuer die Erfahrung gemacht, dass die Winter-Saison schon gut begonnen hatte“, so der Leiter der Sportabteilung beim Gewandhaus Gruber in Wasserburg. Vor allem seien hochpreisige Artikel von den Kunden gewählt worden, heißt es weiter.

Bei der Winterware wurde am Preis gedreht

Zubehör für den Alpinen Skibereich wurde also von den echten Wintersportlern, die es auch in höher gelegene Skigebiete zieht, erstanden. Und das oft schon im Laufe des Novembers.

Die Familien hingegen, die nur für den spontanen Skiausflug einen Kauf tätigen würden, wären nicht in die Gänge gekommen.

Auch der Schlittschuhverkauf blieb aus. Hier hat der Wettergott nicht mitgespielt.

Mehrere Bezugsquellen von Schlittschuhen und Schlitten meldeten auf Anfrage nur geringe Verkaufszahlen. „Es ist für die Wasserburger erst einen Schlittschuh wert, wenn beispielsweise der Penzinger See zugefroren ist. Eine Eishalle gibt es ja nicht in nächster Nähe. Somit bleiben die Schlittschuhe in den Regalen“, meinte der Verkäufer eines weiteren Ladens.

Einschnitte gab es auch im Bereich Langlauf. „Die Wasserburger sind Freizeitlangläufer. Die wollen in der nächsten Umgebung zum Langlaufen gehen und nicht bis nach Ruhpolding oder Winkelmoos fahren“, sind sich viele Inhaber der ansässigen Sportläden einig.

Langlaufski gehören somit nicht zum Verkaufsschlager in dieser Saison.

Die Auswahl an Ski ist noch riesig

Im Allgemeinen bleibt zu bemerken, dass dieser Winter nicht so einschneidend für die Einzelhändler ist, als der in den Jahren 1989 und 1990. Hier hatte Petrus sich gar nicht auf Schneeflocken und kalte Temperaturen eingestellt.

Weil damals Schneekanonen nur unzureichend zum Einsatz kamen, waren Wintersportler praktisch sehr eingeschränkt.

Das Mittelmaß ist weg

Erstaunlich: Die mittlere Preisklasse verschwindet zunehmend aus den Augen.

Auch in Wasserburg fällt auf, dass entweder preislich hohe Artikel gekauft werden, oder aber in der unteren Preis-Schiene. „Die Leute werden entweder reicher oder dann eben oft auch ärmer“, heißt es von einem Verkäufer eines Wasserburger Geschäfts.

Jacken waren beliebt

Die Winterjacken sowie Mützen und Schals bleiben wichtige Accessoires während der Wintermonate.

Jacken müssen sein - warme Pullis wollen nur wenige

Hier gab es vor allem Käufe von Modebewussten oder Logikkäufern, die sich schon frühzeitig auf den Winter einstellen wollten, klingt es einstimmig aus den Geschäften der Einkaufsstadt.

Für Outdoor-Textilien war es kalt genug.

An warmen Winterpullis hätten jedoch viele Kunden gespart, berichtet eine Verkäuferin.

Mehr Frequenz erwünscht

Die Kaufbereitschaft fehlt noch. Der Kunde der kommt, kaufe oftmals mehrere Teile.

Doch die Frequenz an Einkäufern sei nicht übermäßig hoch, erklärt Ulrich Wassermann, Filialleiter des Gewandhauses Gruber.

„Vor einigen Jahren kamen mehrere Kunden, die ein oder zwei Stück kauften. Jetzt ist es anders herum.

Es kommt einer und der kauft viel auf einmal“. Vom Umsatz her sei es keine große Änderung, aber die Masse an Kunden fehle noch.

Sandalen warten schon

Auch bei den Schuhen steht noch Winterware in den Regalen.

Sandalen stehen in den Startlöchern

Während schon Frühlingsschuhe, ja teils sogar Sandalen darauf warten, eingeräumt zu werden, bleiben die Winterboots oftmals im Laden zurück.

Irmgard Drexl vom Schuhhaus Scheidacher hat festgestellt, dass viele bereits zum Winterbeginn warme Schuhe gekauft haben. Männer hingegen seien reine Bedarfskäufer. Hier müsse es erst mal nass in die Schuh gehen, bevor andere Sohlen aufgezogen würden.

Wer ausreichend Fläche hat, ist im Vorteil

Einige Läden haben nur geringe Lager, hier wird es schwierig, die Regale saisonal zu halten.

Wenn es im Februar nochmals kräftig Winter werden sollte, hoffen die Einzelhändler auf nachträglich kräftigen Kaufrausch. Verzweifeln tun die Geschäfte jedoch nicht.

Es gehe allen gleich, das sei das Beruhigende, so eine Inhaberin eines Ladens der Wasserburger Innenstadt. Und wer bedacht einkaufe, sei klar im Vorteil, damit Ladenhüter erst gar nicht entstehen könnten.

Quelle: rosenheim24.de

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