Gezielte Unordnung auf dem Feld

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Unter der Erde freuen sich die Bodenlebewesen über Wurzelnahrung
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Wasserburg / Landkreis – Ein kräftiges Durcheinander herrscht in der ländlichen Idylle. Viele Felder in der Region wirken nicht ansehnlich, andere toll gepflegt. Was steckt dahinter?

Sonnenschein, schöne Landschaften in der Region, es macht Spaß, die Augen weit aufzumachen um das Umland zu betrachten.

Vielen Bürgern fällt da so manches heranwachsende Grün auf, das die Felder ziert. Mehr noch: Einige sind mit niedergedrückten Halmen bedeckt.

Aussagen wie „warum wird dieses Gestrüpp nicht umgeackert“ verlauten bei vielen Spaziergängern.

Zugegeben, es sieht oftmals nicht sehr schön aus, wenn fruchtlose Reste wie „Altlasten“ auf den Böden zu sehen sind.

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes in Rosenheim Josef Bodmaier erklärt, dass es einen wichtigen Grund hat, Felder nicht als Ackerland zu überwintern: „Es wird ganz bewusst so gemacht. Beispielsweise gibt es ein spezielles Mulchsaatverfahren in Hanglagen. Dies dient dem Erosionsschutz. Bei Starkregen soll so verhindert werden, dass der Boden nicht runterschwimmt“.

Zudem gäbe es auch bei den Wurzeln der Pflanzen viele Nährstoffe, die dem unterirdischen Leben gut täten, so der Kreisobmann.

Dies gelte auch für abgemähte Elemente. Die Nährstoffe der Wurzeln versorgen den Boden.

Maisstoppeln hingegen müssten nicht unbedingt auf dem Feld zu sehen sein, heißt es weiter.

Steigerung der Wertschöpfung

Für Zwischenfruchtanbau gibt es viele Gründe: Zwischenfrüchte lohnen sich auf unterschiedlichste Art und Weise.

Grünroggen, Raps, Lupinen, Wicke. Jede Saat hat ihren speziellen Vorteil. Fürs Bodenleben sei es besonders wichtig.

So bringe man Substanz in den Boden, berichtet Bodmaier.

Der Kreisobmann erklärt, dass das Bodenleben eigentlich die meiste Zeit bedeckt sein solle, Sonne sei nicht das optimalste für den Erdboden. „Wenn man in der Natur schaut, es ist stets grün. Somit wäre es verkehrt, lange Zeit reinen Ackerboden zu lassen“, so Bodmaier.

Winterzwischenfrüchte sind für die Arbeit in der Landwirtschaft extrem wichtig.

Durch den Anbau spezieller Sorten wird Nahrung für Bodenlebewesen geschaffen, die den Gehalt des Ackers lebendig machen.

Die Nährstoffe bleiben im Bodenverlauf und gewähren gute Bewirtschaftung der Fläche.

Winterrübsen sind beliebte Zwischenfrüchte für die kalten Monate. Auch die Winterwicke wird gerne gesät. Hier stellt sich jedoch oft ein Durchwachsen in der Folgefrucht heraus.

Körnerraps könne ebenso bereits jetzt schon angebaut sein. Dieser zeigt sich aktuell herzhaft grün, blüht im Mai dann oftmals schon in sattem Gelb.

Die Saat einer Zwischenfrucht bringe eine komplexe Wirkung in unterschiedlicher Weise, sind sich die Landwirte sicher.

Einerseits könne ein Mehrertrag der Folgekultur erzielt, außerdem eine Verhinderung von Pflanzenerkrankungen aufgrund gesundem, satten Boden angenommen werden.

Anblick wird oft fehlinterpretiert

Für alle, die nicht vom Fach sind, bleibt es oftmals unerklärlich, warum unordentlich wirkende Felder nicht bearbeitet werden. Deutlich schöner wäre der Blickfang mit frischen Farben.

Damit wieder satte Farben durch prächtige Aussaat entstehen können, sind Zwischenfrüchte oder Stehenlassen der abgemähten Reste zwecks Wurzel-Nutzung großer Vorteil für die Bodenkultur und nicht als Nachlässigkeit durch die Landwirte zu werten.

Quelle: rosenheim24.de

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