Stadtwerke-Leiter zu den Beweggründen seiner Kündigung

Regler: „Wie viel Badria will und kann sich die Stadt Wasserburg künftig leisten?“

Stadtwerke-Leiter Marius Regler verantwortlich für Wasserburger Badria
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Marius Regler ist als Stadtwerke-Leiter in Wasserburg verantwortlich für das Badria.

Wasserburg - Die Stadtwerke mit dem stark defizitären Badria - sie sind seit Jahren die Sorgenkinder der Stadt. Nun nimmt auch noch der Chef der Stadtwerke seinen Hut. Einer der Gründe: „Für die Ansprüche an ein Unternehmen wie die Stadtwerke, die sich zunehmend im Wettbewerb stellen müssen, sind die Rahmenbedingungen schwierig.“

Insbesondere gilt dies für die Energiebereiche der Stadtwerke, die sich angesichts der Energiewende teilweise neu positionieren müssen, was mit Chancen aber auch Risiken verbunden ist“, so Marius Regler im Gespräch mit wasserburg24.de. Vor dieser Herausforderung stünden aktuell alle deutschen Energieversorger und dies erfordere eine bisher in der Versorgungs-Branche nicht gekannte Veränderungsdynamik. 


Weggang aus Wasserburg „nicht geplant“ gewesen

Die Entscheidung bei den Stadtwerken aufzuhören sei Regler „wahnsinnig schwer“ gefallen, wie er weiter erläutert. „Es sind tolle Mitarbeiter hier bei den Stadtwerken. Aber ich bin der Meinung, dass die Verantwortungsregelung zwischen Stadt und Stadtwerken aktuell eine schwierige Situation für einen Stadtwerke-Leiter darstellt, das Unternehmen zukunftsorientiert auszurichten.“


Reglers Weggang aus Wasserburg sei „nicht geplant“ gewesen. Er habe „unerwartet“ ein Angebot bekommen, bei dem die Rahmenbedingungen, ein Unternehmen zukunftsorientiert auszurichten deutlich besser seien. „Diese Ausrichtung ist hier in Wasserburg mit einem Eigenbetrieb ist relativ schwierig. Ich habe daher für mich entschieden, dass ich lieber in ein Unternehmen wechsle, das nicht als Eigenbetrieb ausgerichtet ist und kein Bad besitzt“, erklärt Regler seine Beweggründe. „Ich komme aus der Energiewirtschaft und glaube ich, dass ich da viel bewegen kann.

Stadtwerke-Leiter kündigt zum 31. Dezember 2020: Was das für das Badria bedeutet

Das Badria hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Dennoch könne ein Schwimmbad grundsätzlich nicht wirtschaftlich orientiert geführt werden, ist Regler überzeugt. Ausschlaggebend seien politischen Entscheidungen: „Ich finde es richtig und notwendig, dass es ein bezahlbares Familienbad in Wasserburg gibt - auch angesichts der Tatsache, dass Kinder das Schwimmen überhaupt lernen und Badeunfälle somit minimiert werden können.“

Trotzdem sieht er die Politik in der Pflicht, sich klarer zu äußern: „Wie viel Badria will und kann sich die Stadt Wasserburg in Zukunft leisten? Möchte die Stadt weiter ein so großes Freibecken wie jetzt, eher eine Verkleinerung oder womöglich gar kein Freibad mehr?“ Dazu müssten Strategien erarbeitet und bereits heute erste Weichen gestellt werden. Sonst führe man ein „Flickschusterwerk“, auf das man nur mehr reagieren denn agieren könne. Genau diese Strategie, wo was Bad in 15 Jahren stehen soll fehle Regler - auch wenn der Stadtrat hat sich dazu verpflichtet hat, eine Strategie aufzulegen. Von Seiten der Stadt seien Überlegungen zwar bereits am Laufen, konkrete Vorschläge müssten aber laut Regler immer vom Werkleiter kommen und vom Rat abgesegnet werden.

Dass der Stadtwerke-Leiter nun seinen Hut nimmt, macht die Sache für das ohnehin schon defizitäre und auf finanzielle Unterstützung angewiesene Badria nicht leichter. Durch die Corona-Krise brechen Besucherzahlen wie Umsätze gleichermaßen ein. Darüber hinaus stehen nach der umfangreichen Instandsetzung des Sauna-Bereichs auch im Bad selbst immer wieder Sanierungen ins Haus, am Rutschen-Turm und am Freibad nagen die Zahn der Zeit.

Das Badria hat einige Baustellen, was mitunter am Alter des Bads aber eben auch ein wenig an der politischen Situation liegt“, schließt Regler seine Erklärung. Bis 31. Dezember führt er die Geschäfte noch fort. Zum Ende des Jahres räumt der Stadtwerke-Leiter dann seinen Posten, nachdem er Mitte 2017 die Nachfolge von Gerhard Selig angetreten hatte, der in den Ruhestand gegangen war.

mb

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