In Wasserburg und Rosenheim 

So dreist verhalten sich Falschparker auf Behindertenparkplätzen

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Behindertenparkplätze in den Städten werden des Öfteren von Falschparkern belegt. Das ärgert und stellt in erster Linie Betroffene mitunter vor ernsthafte Probleme. 
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Wasserburg/Rosenheim - Rücksichtslose Belegung von Behindertenparkplätzen, verbale Angriffe und Beleidigungen von Seiten der Falschparker, Uneinsichtigkeit - Ist die Situation um die Behindertenparkplätze in den Innenstädten wirklich so dramatisch? 

Zuständig für die Überwachung des ruhenden Verkehrs sind die städtische Verkehrsüberwachung und mitunter auch die jeweiligen örtlichen Polizeiinspektionen. In Wasserburg gebe es bis auf Sonntag täglich Kontrollen, erklärt Gaby Biebl von der Verkehrsüberwachung in der Innstadt. Sie war selbst über 20 Jahre Parksündern auf der Spur und weiß wovon sie redet: "Im Schnitt verwarnen und erwischen wir auf den Stellplätzen für Behinderte täglich einen Falschparker."

Auch die Rosenheimer Kollegen der Verkehrsüberwachung sind von Montag bis Samstag unterwegs - unter anderem um die Sonderparkplätze für ihren eigentlichen Zweck freizuhalten, teilt die Stadtverwaltung Rosenheim der Redaktion schriftlich mit. 

Beleidigungen und verbale Angriffe auf behinderte Menschen

Ein betroffener Herr hat sich vor Weihnachten bei wasserburg24.de gemeldet. Er ist 47 Jahre, zu 100 Prozent schwerbehindert, seh- und gehbehindert sowie dialysepflichtig. Er bedauert die Situation der belegten Behindertenparkplätze im öffentlichen Verkehrsraum und schildert die Problematik im Namen aller behinderten Menschen in der Region an konkreten Beispielen, die ihm vermehrt aufgefallen seien: 

  •  In der Wasserburger Ledererzeile auf Höhe des Müllermarktes beispielsweise sind drei Behindertenparkplätze vorhanden - oft seien diese Stellplätze laut dem Betroffenen von Autos ohne entsprechendem Ausweis belegt
  • Er spricht auch die Situation an der RoMed Klinik in Rosenheim an, erklärt, es sei nur selten ein Behindertenparkplatz frei, es würden nicht berechtigte Fahrzeuge ohne entsprechenden Ausweis dort parken und den Platz für wirklich Betroffene blockieren.
  • In der Rosenheimer Innenstadt sei es für ihn und seine Frau schlicht "nicht möglich", die extra für behinderte Menschen reservierten Parkplätze zu nutzen. Es sei für ihn "sehr schwierig" wichtige Arzttermine einzuhalten, wenn er vor der Klinik keinen Parkplatz finde. 
Die drei Parkplätze für Menschen mit Behinderung in der Wasserburger Ledererzeile - selten seien sie von "wirklich behinderten Menschen" belegt. 

Ihm komme es so vor, als würden die Falschparker lieber Knöllchen zahlen, als längere Zeit nach einem freien Parkplatz suchen zu müssen. Nachdem der betroffene Herr bereits des Öfteren die Falschparker zur Rede gestellt habe, sei er nicht nur einmal verbal angegriffen und beleidigt worden. Er habe bereits viele böse Kommentare ertragen müssen, für die er nur noch ungläubiges Kopfschütteln übrig hatte. 

"Ich weiß nicht, ob diese Leute sich einen Spaß daraus machen oder ob sie wirklich so einfältig sind, aber ich glaube es geht nicht nur mir als Menschen mit Handicap so. Ich wünsche mir für alle gesunden Menschen, dass sie niemals in die Lage kommen müssen um auf so einen Parkplatz angewiesen zu sein", erklärt er der Redaktion abschließend. 

Im Ernstfall kommt der Abschleppdienst 

Darstellungen, die Gaby Biebl von der städtischen Verkehrsüberwachung durchaus nachvollziehen kann. Auch den Wasserburger Politessen laufen rücksichtslose Menschen immer wieder über den Weg: "Viele nehmen die Strafe gleichgültig in Kauf. Andere wiederum sind der Meinung, sie stünden berechtigterweise auf dem Behindertenparkplatz weil sie beispielsweise einen Einkauf in der Apotheke erledigen müssen oder die Frau im dritten Monat schwanger ist." 

Und es kommt noch ungeheuerlicher, wie Gaby Biebl weiter erzählt: "Einige planen sogar extra mehrere hundert Euro im Monat für die Strafen ein, parken absichtlich auf den Behindertenparkplätzen und zahlen fleißig die Bußgelder. So sparen sie sich zehn Minuten Fußweg anstatt sich dem Park-Such-Verkehr in der Stadt auszusetzen." 

"Fallen den Kollegen der Verkehrsüberwachung Falschparker auf - sei es in Wasserburg oder Rosenheim - werden diese mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 35 Euro belegt", erklärt die Rosenheimer Stadtverwaltung auf Nachfrage von wasserburg24.de schriftlich. Bei stark frequentierten Behindertenparkplätzen und längerer Parkdauer werde auch eine Abschleppung der verbotswidrig geparkten Fahrzeuge angeordnet. Im Jahr 2017 seien bislang 20 Fahrzeuge von Behindertenparkplätzen im Rosenheimer Stadtgebiet abgeschleppt worden. 

Eine Übersicht über alle Behindertenparkplätze in der Rosenheimer Innenstadt. 

Gaby Biebl von der Wasserburger Verkehrsüberwachung konstatiert nüchtern: "Leider können wir auf Dauer nichts gegen rücksichtslose oder gar aggressive Falschparker unternehmen. Besondere Strafen für Wiederholungstäter sind gesetzlich nicht vorgesehen. Mehr als kontrollieren und verwarnen geht nicht."

"Wir können den betroffenen Menschen mit Handicap nur raten, im Fall von belegten Behindertenparkplätzen, sich kostenfrei auf andere freie Parkplätze oder an den rechten Fahrbahnrand zu stellen", klärt Biebl auf. "Mit dem entsprechenden Ausweis hinter der Frontscheibe dürfen sie dort stehen bleiben, solange es sich nicht um den Bereich eines Halteverbots oder eine Feuerwehranfahrtszone handelt." 

Die Verkehrsüberwachung hält den Kontrolldruck sowohl in Wasserburg als auch in Rosenheim permanent hoch und ahndet Verstöße konsequent. Wie die Situation für behinderte Autofahrer auf Dauer verbessert werden könnte? "Am Ende steht immer das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung. Wenn das vorhanden wäre, würde so mancher Ärger im Keim erstickt werden", lautet die abschließende Antwort der Rosenheimer Stadtverwaltung. 

Parken auf Behindertenparkplätzen - Ihre Meinung! 

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mb

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