Kontroverse Ansichten der Beteiligten zum Urteil in letzter Instanz

Wasserburger Altstadtbahn ist Geschichte - Was wird aus der alten Trasse am Inn-Ufer?

Archiv-Bild Altstadtbahn auf der Strecke am Inn-Ufer von Wasserburg
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Ein Archiv-Bild zeigt den Filzenexpress auf der Stadtstrecke am Inn-Ufer von Wasserburg.

Wasserburg - Die Altstadt bekommt in der Zukunft keinen Bahnanschluss. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht Leipzig am 5. November in letzter Distanz. Somit ist eine Reaktivierung der Altstadtbahn vom Ortsteil Reitmehring ins Herz der Innstadt endgültig passé. Wie fassen die Beteiligten die gerichtliche Entscheidung auf? Und was passiert mit der verwitterten Strecke?

„Es ist sehr schade, dass wir aus dieser jahrelangen Geschichte am Ende als Verlierer herausgehen“, kommentiert Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn das Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts. Das hatte noch am Abend des 5. Novembers entschieden, die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof vom Juli 2019 zurückzuweisen. Somit bleibt der Stilllegungsbescheid aufrecht erhalten. Dem Konsortium der Altstadtbahn sind ab sofort die Hände gebunden, die Richter am Bundesverwaltungsgericht entschieden in letzter Instanz.


„Wir können nur mehr appellieren, der Klageweg ist für uns passé“, fährt Moy im Gespräch mit wasserburg24.de fort. „Aber wir sehen das sportlich: Wir haben es geschafft, den Freistaat Bayern vor das Bundesverwaltungsgericht zu zerren und meiner Meinung nach haben die Verantwortlichen dort kein gutes Bild abgegeben. Es ist deutlich geworden, dass sie ihrer Pflicht als Eisenbahnbetreiber in keinster Weise nachgekommen sind. Man hätte in den Erhalt der Strecke entlang des Inns investieren müssen.“

Es gleicht einem Dornröschenschlaf, doch vorhanden sind die Gleise noch, die einst der Altstadtbahn Wasserburg den Weg zeigten.

Trotz abgewiesener Revision: Hoffnung auf Umdenken in der Verkehrspolitik schwelt weiter

Das Konsortium blickt auf einen langen Kampf zurück: 30 Jahre lang haben die Verantwortlichen gekämpft, die Wiederinbetriebnahme der Altstadtbahn sei eines der ersten Projekte bei ProBahn in Oberbayern gewesen. „Wir haben viel Zeit und auch Geld in die Sache gesteckt und jetzt ist es eben so wie es ist. Es war ein hohes Risiko gegen so einen mächtigen Gegner anzutreten, das war uns von Beginn an bewusst“, unterstreicht Moy.

Auch wenn Moy sich gewünscht hätte, dass die derzeitige Situation mit der Busanbindung von Reitmehring in die Altstadt verbessert würde durch die Reaktivierung der Altstadtbahn, er hofft noch immer auf ein Umdenken in der Wasserburger Verkehrspolitik: „Das Thema S-Bahn bis in die Altstadt ist vom Tisch. Aber für Pendler und Fahrgäste ist der Bustransfer kein Zustand. Doch das liegt allein in den Händen der Stadt, ob sie trotz des für sie positiv ausgefallenen Urteils künftig an der Lage etwas ändern wollen. Ich jedenfalls würde es mir wünschen.“

Sind unterschiedlicher Ansichten bezüglich der Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht zur Wasserburger Altstadtbahn: Bürgermeister Michael Kölbl (links) und Norbert Moy von ProBahn.

Bürgermeister: „Dass wir gewonnen haben, freut mich für die Stadt Wasserburg“

Für die verwitterte Trasse der ehemaligen Altstadtbahn bleibt nun also alles wie es die vergangenen 33 Jahre nach dem Dammrutsch im Jahr 1987 war - oder hegt die Stadt Wasserburg alternative Pläne? „Aktuell ist noch nichts konkretes geplant“ bekräftigt Bürgermeister Michael Kölbl gegenüber wasserburg24.de. Er sei in erster Linie froh, dass das jahrelange und teils nervenaufreibende Tauziehen um die Wiederbelebung der Bahntrasse nun ein Ende habe.

Mit dem Ergebnis des Hohen Gerichts sei er „sehr glücklich“: „Dass wir gewonnen haben, freut mich sehr für die Stadt Wasserburg. Das Bundesverwaltungsgericht hat uns mit diesem Urteil bestätigt, dass wir sehr korrekt und juristisch gut gearbeitet haben.“ Im Rahmen der Verhandlung sei festgestellt worden, dass die Strecke nun auch juristisch stillgelegt worden sei - was faktisch seit dem Dammrutsch schon der Fall sei - und die Stadt nun nicht mehr die Verpflichtung habe, diese Strecke zu betreiben.

Zukunftsmusik Radweg auf der alten Eisenbahnstadtstrecke am Inn-Ufer?

Der Freistaat Bayern prüfe ferner, ob Interesse an einer Erweiterung der Strecke über den Wasserburger Bahnhof hinaus bestehe. Diese Prüfung werde die Stadt nun abwarten, ehe das Thema neu beraten werde. Denn so einfach sei die Entwicklung gar nicht, wie Kölbl weiter erläutert: „Das Eisenbahnbaurecht ist ein kompliziertes Recht. Die Strecke mag stillgelegt sein, aber sie ist nach wie vor eisenbahnrechtlich gewidmet als Bahntrasse. Das Entwicklungsverfahren ist ähnlich komplex wie das Stilllegungsverfahren.“

Doch Kölbl macht keinen Hehl daraus, dass ihm durchaus vorschwebe, diese Trasse teilweise zu einem Radweg umzufunktionieren: „Das bietet sich förmlich an. Es handelt sich hier aber aktuell nur meine bürgermeisterlich persönlichen Überlegungen - da geht wegen dieser Widmung nichts von heute auf morgen. Dieser Thematik muss man sich peu à peu nähern und natürlich auch der Stadtrat entsprechend abstimmen“, wirft Kölbl abschließend einen vagen Blick in die Zukunft.

mb

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