Gerichtsprozess: Junge Männer sexuell genötigt

Suizid-Gedanken nach mutmaßlicher Vergewaltigung durch Landwirt

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Landkreis Rosenheim - Wird der 37-jährige Landwirt aus dem Wasserburger Umland beim zweiten Prozesstag am Montag doch ein Geständnis vor Gericht ablegen? Am Mittag sagte das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer aus:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Einem Landwirt aus dem Wasserburger Raum werden mehrere Fälle sexuelle Nötigung und ein Fall von Vergewaltigung vorgeworfen.
  • Der Angeklagte wurde wegen eines Sexualdeliktes vor etlichen Jahren in Tuntenhausen schon einmal zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
  • Am ersten Prozesstag waren vier Zeugen mutmaßliche Opfer. Sie erzählten über die mutmaßlichen Taten, die der Angeklagte laut verlesener Erklärung nicht als solche einräumt.
  • Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs legte dem Angeklagten am ersten Prozesstag nahe, ein Geständnis abzulegen.
  • Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer erlitt psychiche Probleme, darunter auch Suizidgedanken. Er brach sein Studium an der FH ab.

UPDATE 18.30 Uhr

Nicht nur die mutmaßlichen Opfer waren in den bisherigen Prozesstagen in den Zeugenstand getreten. Mehrere Familienmitglieder und Bekannte des Angeklagten machten ebenfalls eine Aussage. So wurde am Montagabend unter anderem noch die Schwester des Angeklagten gehört. Sie erzählte vom scheinbaren Abend des Tatdatums und dass ihr Bruder auch bei dem Familientreffen gewesen sei. Wann er gegangen sei, könne sie nicht mehr sagen. Von Gerüchten, dass ihr Bruder schon öfter junge Männer genötigt haben solle, habe sie nichts gewusst.

Interessant schien für die Anwesenden Richter und Schöffen die scheinbare Tatsache, dass die Familienmitglieder sowie nächsten Bekannten scheinbar nichts von der Vorstrafe wegen eines anderen, früheren Sexualdelikts des jetzt wieder auf der Anklagebank sitzenden Mannes gewusst haben wollen.

Nach den gehörten Zeugen am Montag hat der vorsitzende Richter Erich Fuchs angeordnet, dass die Mutter des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers, am dritten Verhandlungstag, dem kommenden Donnerstag, mit dem Wagen, in dem die Tat passiert sein soll, vor Gericht erscheinen möge. Man wolle das Fahrzeug in Augenschein nehmen, so Erich Fuchs. Die Verteidiger des Angeklagten fragte Fuchs, ob die Beweisaufnahme grundsätzlich abgeschlossen werden könne. Dies wollten die Rechtsanwälte jedoch nicht bestätigen. Man müsse sich erst beraten, so ein Anwalt des Angeklagten. Der zuständige psychiatrische Gutachter wird am Donnerstag sein Gutachten näher erläutern. 

Mit einem Urteil könne dann vermutlich am kommenden Montag gerechnet werden.

UPDATE 17.25 Uhr

Zahlreiche Zeugen wurden am zweiten Prozesstag gehört. Darunter auch die Schwester sowie die Freundin des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer vom Mai 2013. 

Die Schwester des jungen Mannes erklärte, dass sie durchaus mitbekommen habe, wie sehr der Vorfall ihren Bruder psychisch zu schaffen gemacht hatte. Ihr Bruder wollte den Vorfall nicht zur Anzeige bringen, weil es ihm sehr unangenehm gewesen sei und er nicht so sehr die Öffentlichkeit auf ihn und den Vorfall aufmerksam machen wollte. Sie habe ihrem Bruder und der Mutter jedoch geraten, Anzeige zur erstatten. Doch dies hat die Familie schlussendlich nicht gemacht.

Als Ihr Bruder im vergangenen Jahr, also rund zwei Jahre nach dem Vorfall von der Vorlesung der Fachhochschule, verschwand, und ihre Mutter sie darüber informierte, sei sie umgehend gleich nach Rosenheim gefahren und habe mitgesucht. Die Schwester wirkt im Zeugenstand nach etlichen Minuten der klaren und strukturierten Aussage bei einigen Antworten plötzlich tieftraurig. Sie erklärt, wie froh sie gewesen sei, dass ihr Bruder dann wohlbehalten aufgetaucht sei.

Der junge Mann, der scheinbar im Mai 2013 Vergewaltigungsopfer wurde, war nach seiner kurzzeitigen Suizidabsicht einige Wochen in einem Klinikum. Er hat sein Studium an der Fachhochschule nicht wieder aufgenommen, sondern macht mittlerweile eine andere Ausbildung. "Musik hat eine reinigende Wirkung für mich", erzählt der junge Mann gegenüber dem Richter. Er könne durch die Musik den Vorfall besser verarbeiten, Medikamente nehme er nicht, so der Mann weiter. 

Als ein psychischer Anker bezeichnet das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer seine Freundin. Sie sei da gewesen als es ihm schlecht ging. Er habe sie nach dem Vorfall kennengelernt und ihr nicht sofort davon erzählt. Eine angespannte Situation habe es gegeben, weil seine Freundin ihn überredet hatte, auf eine Party zu gehen. Hier sei auch der Angeklagte gewesen und habe beide beobachtet. "Dann wollte mein Freund schnell wieder nach Hause, warum wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht", so die Freundin bei ihrer Zeugenaussage. Mittlerweile gehe es ihrem Freund psychisch wieder besser, findet sie.

Ein 16-jähriger Jugendlicher wird in den Zeugenstand gerufen. Er erzählt dass er auch im Mai 2013 auf dem Fest gewesen sei, gemeinsam mit seinem Vater. Er könne sich erinnern, dass der Angeklagte ihn beobachtet hatte und fiel wegen seiner Größe auf. "Ich bin mir sicher, dass der Angeklagte auf diesem Fest war", so der damals 14-Jährige. Dies nahmen insbesondere die beiden Schöffen interessiert zur Kenntnis, denn einige Zeugen wollten nicht genau wissen beziehungsweise verneinten, dass der 37-jährige Angeklagte bei der Festivität vor Ort gewesen wäre. Der Jugendliche soll mehrere Monate nach der Festivität selbst von dem Angeklagten sexuell bedrängt worden wäre. Doch es sei zu keinen direkten sexuellen Handlungen gekommen, so der Jugendliche.

Eine weitere Zeugin sagte aus, dass der Angeklagte am mutmaßlichen Tattag bei einer Familienzusammenkunft gewesen sei. Sie verwickelte sich in leicht widersprüchlichen Aussagen, worauf sie der vorsitzende Richter, Erich Fuchs darauf hinwies, dass sie auch vereidigt werden könnte.

Der Bruder des Angeklagten konnte dem Gericht bestätigen, dass sowohl er und auch der Bruder zum Fest eingeladen waren. Man habe jedoch nicht hingehen können wegen dem Familientreffen. Zeitlich allerdings konnte sich der Bruder bei seiner Zeugenaussage nicht mehr ganz genau daran erinnern, wann sein Bruder das Treffen verlassen habe.

Es werden trotz fortgeschrittener Abendstunde noch weitere Zeugen in den Sitzungssaal gerufen. Für den Prozess ist außerdem ein dritter Verhandlungstag angesetzt.

UPDATE, 14.30 Uhr

Der Vorfall, der nach einem Fest im Mai 2013 passiert sein soll, scheint tiefe Spuren bei dem jungen Mann hinterlassen zu haben. Albträume und Schlafstörungen plagten ihn seitdem. Dennoch fing der junge Mann ein Studium an der Fachhochschule Rosenheim an und studierte vier Semester lang. Seine Freundin sei psychische Stütze für ihn gewesen, erzählt der Mann.

Fachlich habe er keine Probleme während der Studienzeit in Rosenheim gehabt, doch seelisch und psychisch sei es ihm schlecht gegangen und immer schlechter. Ein erneutes Aufeinandertreffen in einer Kirche anlässlich eines Gottesdienstes mit dem Angeklagten habe ihn derart aus der Spur gebracht, dass sich sein persönlicher psychischer Zustand sehr verschlechtert habe nach dieser Messe, in der er musizierte an diesem Tag.

Während der Vorlesung plötzlich weg 

Weil er plötzlich keinen Ausweg mehr gesehen habe und mit der Situation, der Erinnerung an den Vorfall im Mai 2013 nicht mehr fertig werden konnte, verließ er im Juni 2015 die Vorlesung seiner Fachhochschule und verschwand. Die Polizei wurde eingeschaltet, es wurde nach dem jungen Mann gesucht. Im Zeugenstand gab er zu, dass er zunächst vorhatte, sich umzubringen. Doch diese Gedanken ließ er schlussendlich hinter sich.

Nach stundenlangem Fußmarsch kam er schließlich zuhause an und wurde von der Polizei aus Eigenschutzgründen in eine Klinik eingeliefert. Hier blieb er einige Wochen, ein Polizist wollte durch Befragungen der Familie eine Erklärung für den Suizidwunsch im Jahr 2015 finden und erhielt von der Familie zunächst die Info, dass der junge Mann zwei Jahre vorher vergewaltigt sein soll. Aufgrund dieser Erstinfo befragten Polizisten - zunächst sogar noch während der Behandlung des jungen Mannes in dem Klinikum - den Mann und erfuhren zunehmend mehr Details über den scheinbaren sexuellen Vorfall. So kamen die polizeilichen Ermittlungen in Gang und es wurden weitere mutmaßliche Opfer ermittelt. 

UPDATE, 13.20 Uhr:

Die Öffentlichkeit musste während der Aussage des Opfers draußen bleiben.

Die Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers gilt als wichtiger Punkt für die Verhandlungen im Prozess gegen den Landwirt, der einige junge Männer sexuell genötigt und einen jungen Mann vergewaltigt haben soll. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit erzählte der Mann dem Richter, dass er den Angeklagten lediglich vom Sehen kannte. Zu einem ersten kurzen Aufeinandertreffen sei es gekommen, als er ungefähr 16 Jahre alt gewesen sei. Damals sei er bei einer Faschingsveranstaltung mit anderen Jugendlichen an einem Tisch gesessen, der Angeklagte habe sich zu der Runde gesetzt und auffallend über sexuelle Themen gesprochen. Man habe sich in der Runde bereits zugeflüstert, was er denn eigentlich wolle. 

Der Angeklagte sei dann vom Tisch aufgestanden und die Runde hätte alleine weiter geratscht. Es sei an oder nach dieser Veranstaltung zu keinem weiteren Aufeinandertreffen des Angeklagten mit ihm persönlich gekommen, erinnert sich der junge Mann. Er verneint außerdem, dass er an Fasching 2013 den Angeklagten nach Hause gefahren habe. An Fasching 2013 sei er nicht in die genannte Eventlocation gefahren, sondern zuhause geblieben. Dies könnten seine Eltern sicherlich bezeugen, so der junge Mann.

Er erzählte über seinen beruflichen Werdegang nach der Schulzeit und seine Familie und Freunde. Er sei schon immer ein zurückhaltender und schüchterner Mensch gewesen, so der Zeuge. Nach dem Abitur habe er zunächst ein Studium in München begonnen, dies jedoch nach einem Semester abgebrochen. Im Elterlichen Betrieb arbeitete er immer wieder gerne mit Freude an der Tätigkeit mit, erzählte der Zeuge dem Richter. 

Richter Erich Fuchs zeigte sich sehr einfühlend und äußerst interessiert an der Lebensgeschichte des scheinbaren Opfers. Der Zeuge erklärte, dass es 2013 bei einem von der Kirche veranstalteten Helferfest auf den Angeklagten getroffen sei. Er wollte heimfahren und der Angeklagte habe ihn gefragt, ob er mitfahren dürfe und ob ihn der Zeuge heimfahren würde. Dazu habe er sich bereiterklärt, so der junge Mann. Der Angeklagte habe ihm zunächst einen anderen Wohnort genannt und auch zu Abkürzungen geraten. 

In Waldstück gelockt

Danach sei er vom Angeklagten in ein Waldstück gelockt worden, erinnert sich der junge Mann im Zeugenstand. Der Angeklagte soll ihn aufgefordert haben, in dem Waldstück das Auto abzustellen und sich auszuziehen. Er fühlte sich extrem überrascht und kannte sich vor Ort nicht aus. Weil der Angeklagte oft an seine ausgebeulte Hosentasche gegriffen haben soll, habe er geglaubt, dass sich ein Messer darin befinden hätte können.

Er habe sein Oberteil angezogen, der Angeklagte habe ihn angesehen und ihn weiter aufgefordert, die Hose auszuziehen. Er sei immer noch auf dem Fahrersitz gesessen, der Angeklagte immer noch auf dem Beifahrersitz."Ich hatte Todesangst", beschreibt der Zeuge

Er selbst sei 2013 sehr schmächtig gewesen, bei 1,80 Metern wog er nicht einmal 70 Kilogramm. Der Angeklagte wirkte sehr kräftig und sei sehr groß (Anmerkung der Redaktion: Der Angeklagte ist 1,97 Meter). Immer wieder habe der Angeklagte gesagt, dass er jetzt etwas gegen seine Verklemmtheit tun werde und warum er eigentlich so verklemmt sei. 

Nachdem er nackt ausgezogen war, habe der Angeklagte zunächst versucht, sexuelle Handlungen am Penis vorzunehmen. Nach einigen Minuten habe sich der Angeklagte ebenfalls nackt ausgezogen. "Dann hat er meine Hand genommen und ich musste an ihm herummachen, er hat großen Druck ausgeübt", so der Zeuge. Er habe immer versucht, die Hand des Angeklagten wegzuschlagen, erinnert sich der Zeuge vor Gericht. Er habe Angst gehabt. Alle Handlungen hätten sich angefühlt, als hätte es eine Ewigkeit gedauert. 

Es soll Analverkehr gegeben haben

Der Angeklagte habe ihn in forschem Ton aufgefordert, auf den Beifahrersitz zu kommen, habe ihn auch gezerrt. In Todesangst hatte er dies dann gemacht. Dann habe der Angeklagte sich über ihn gebeugt, zunächst ihn kniend oral befriedigen wollen, anschließend habe der Angeklagte die Beine genommen und über dessen Schulter gelegt. "Dann hat er mich in den Sitz gedrückt", so der junge Mann. Er habe sich sogar gewürgt gefühlt. Danach soll es zum Analverkehr gekommen sein. "Das war sehr schmerzhaft", so der Zeuge. Immer wieder habe er gesagt, dass er dies nicht möchte und den Angeklagten gebeten, er solle aufhören. 

Nach der scheinbaren Vergewaltigung soll der Angeklagte ausgestiegen sein und sich selbst vor dem Auto befriedigt haben. Schlussendlich sei er wieder eingestiegen und habe die Forderung ausgesprochen, dass er jetzt nach Hause gefahren werden möchte. Danach soll der Angeklagte ihm sogar einen Zettel mit seiner Telefonnummer zugesteckt haben und eine Fortsetzung angekündigt/angeboten haben. Während der sexuellen Handlungen im Auto habe er sich selbst immer körperlich unterlegen gefühlt und er habe eine körperliche Gegenwehr irgendwann als sinnlos empfunden, hat jedoch stets mitgeteilt, dass er die Handlungen nicht möchte. Nachdem er den Angeklagten nach Hause gebracht hatte, fuhr er heim. Er habe geweint und hätte sich dann zu Hause gewaschen, berichtet der Zeuge dem Gericht. Zunächst habe er einige Zeit niemandem davon erzählt. Später habe er sich seiner Mama und Schwester sowie seiner Freundin anvertraut. Eine Therapie wegen der Vorfälle habe er bis auf Weiteres nicht beginnen wollen.

Auch von einer Anzeige, die ihm von der Familie geraten wurde, habe er abgesehen. "Es ist mir peinlich", so das mutmaßliche Opfer vor Gericht. Der Angeklagte selbst schaut oft zum Zeugen während dessen Aussage. Teils wirkte er unruhig, teils gelassen. 

UPDATE, 12.20 Uhr, Zeugenaussage des Opfers

Zu Prozessbeginn wunderte sich der Vorsitzende Richter Erich Fuchs, weil neben einem der Rechtsanwälte des Angeklagten eine Frau Platz nahm. Es würde sich um eine Hilfskraft handeln, die unterstützend für die Herren Rechtsanwälte wirken solle in Bezug auf die korrekte Fragestellung. Insbesondere bei der Zeugenaussage des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers, erklärte ein Rechtsanwalt. Der Richter zeigte sich verständnislos, der Anwalt stellte daraufhin einen offiziellen Antrag. Aus diesem Grund zogen sich Schöffen und Richter zur Beratung zurück. Nach der Unterbrechung erklärte Erich Fuchs, dass die Hilfskraft, die ihren Arbeitsalltag in der Forensik als Expertin habe, zwar während der Verhandlungspausen unterstützend mit den Rechtsanwälten sprechen könne, sich aber nicht in unmittelbarer Nähe der Rechtsanwälte aufhalten solle. Fuchs bat sie, sich im weiter hinten im Gerichtssaal, jedoch noch vor den Zuschauerbereich zu setzen.

Öffentlichkeit muss draußen bleiben

Zügig danach kam es zu einem Antrag der Rechtsanwältin aus der Nebenklage, die das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer, einen mittlerweile 23-jährigen Mann aus dem Wasserburger Umland vertritt. Sie stellte Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit sowie Ausschluss der Presse während der Zeugenvernehmung ihres Mandanten. Es würden besondere Umstände erklärt und intime Situationen sowie viele Details aus dem familiären und persönlichen Umfeld. Daher seien die Interessen ihres Mandanten zu schützen. 

Auch hierüber musste Richter Erich Fuchs mit Richterkollege und Schöffen eine Beratung vornehmen. Er ordnete an, während der Zeugenaussage des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers die Zuhörerschaft auszuschließen. Die Pressevertreter durften zwar dabeibleiben, Richter Erich Fuchs bat jedoch um eine besonders zurückhaltende Beschreibung und Veröffentlichung bestimmter Aussagen des Zeugen. 

Ergänzung des Angeklagten

Er stellte den Rechtsanwälten des Angeklagten die Frage, ob man eine Erklärung des Angeklagten habe. Nach Ende des ersten Prozesstages hatte Fuchs dem Angeklagten ein Geständnis nahe gelegt, um das mutmaßliche Opfer mit einer weiteren Aussage - nun auch vor Gericht und in Anwesenheit des Angeklagten - nicht weiter zu belasten. Die Anwälte teilten mit, es gebe eine Ergänzung zur Erklärung, die bereits am ersten Verhandlungstag verlesen wurde. Am vergangenen Montag hieß es in der Erklärung, dass es am Tag beziehungsweise Abend der Tat, die derzeit angegeben war, nach Aussage des Angeklagten zu keinem Zusammentreffen gekommen sei. 

In der Ergänzung nun heißt es vom Angeklagten, es habe ein Zusammentreffen mit dem Zeugen E. stattgefunden, jedoch sei dies bereits im Fasching 2013 gewesen. Damals habe Zeuge E., der nun Nebenkläger und mutmaßliches Vergewaltigungsopfer ist, den Angeklagten nach einer Veranstaltung nach Hause gefahren. Man habe sich bei einem Zwischenstopp der Fahrt jeweils versucht, selbst zu befriedigen, heißt es in der Erklärung, die von einem der Rechtsanwälte verlesen wurde.

Polizist bestätigt Aussagen seines Kollegen

Nach der Verlesung kam es zu der Aussage eines Beamten der Kriminalpolizei Rosenheim, der den Angeklagten mit Kollegen vernommen hatte und auch bei der Vorführung des Angeklagten vor dem Ermittlungsrichter mit anwesend war. Er bestätigte Aussagen, die bereits am ersten Prozesstag sein Kollege vor Gericht erzählt hatte. Demnach soll der Angeklagte bei einer Vernehmung zugegeben haben, dass es zu sexuellen Handlungen mit dem Nebenkläger gekommen sei. An ein genaues Datum eines Zusammentreffens soll sich der Angeklagte damals nicht erinnert haben, so der Beamte der Kriminalpolizei im Zeugenstand.

Nun soll das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer eine Zeugenaussage machen. Die Rechtsanwältin bat darum, neben ihrem Mandanten Platz nehmen zu dürfen. Dies gestattete der Vorsitzende Richter Erich Fuchs. Er bat sogleich die Öffentlichkeit, den Sitzungssaal vorübergehend zu verlassen. Die Sitzung gilt aktuell als nicht öffentlich.

Der Vorbericht:

Die Anklagepunkte lesen sich eindeutig. In mehreren Fällen soll ein 37-jähriger Landwirt im Zuge von Veranstaltungen im Altlandkreis Wasserburg Jugendliche und junge Männer sexuell genötigt haben. Er wurde wegen eines Falls vor etlichen Jahren schon einmal zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, ebenfalls wegen eines Sexualdeliktes, das sich in Tuntenhausen zugetragen haben soll.

In den Fällen, die nun vor Gericht gekommen waren, liegen die Orte in direkter Nachbarschaft und im Wirkungskreis des Angeklagten. Bei einem Fall spricht die Staatsanwaltschaft sogar von Vergewaltigung. In einer Erklärung ließ der Angeklagte durch seinen Rechtsanwalt verlesen, dass er die Vergewaltigung und ein Zusammentreffen mit dem mutmaßlichen Opfer abstreitet. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs hat nach Ende des ersten Prozesstages dem Angeklagten nahegelegt, doch ein Geständnis abzulegen. Dies würde dazu beitragen, dass das Opfer nicht im Zeugenstand vor Gericht aussagen müsse. "Wir haben gesehen, wie sehr es ein Opfer emotional mitgenommen hat, dass es hat aussagen müssen", so Erich Fuchs.

Was wird dem Landwirt zur Last gelegt?

Mehrere Fälle sexuelle Nötigung, ein Fall von Vergewaltigung. Die Ermittlungen kamen ins Rollen, weil im Jahr 2015 das Vergewaltigungsopfer als vermisst gemeldet wurde und nach Auffinden zum Eigenschutz in eine Klinik gebracht worden war. Danach kam es zu polizeilichen Ermittlungen und zu Verläufen der Aussagen. Immer mehr Details wurden dabei festgestellt und weitere mutmaßliche Opfer personalisiert.

Im Falle der mutmaßlichen Vergewaltigung wird beschrieben, wie fest der Angeklagte scheinbar zugestoßen hatte, als er seinen Penis in den After des Opfers eingeführt haben soll und damit dem Opfer große Schmerzen angetan hatte.

Am ersten Prozesstag waren vier Zeugen mutmaßliche Opfer. Sie erzählten über die scheinbaren Handlungen, die der Angeklagte laut verlesener Erklärung nicht als solche einräumt. Sie seien in Einvernehmen vonstatten gegangen.

Ein Opfer kämpfte bei der Zeugenaussage sehr mit den Tränen und fühlte sich sichtlich unwohl im Zeugenstand, weil der Angeklagte so nah saß.

Die Männer erzählten die Situationen, die teils schon etliche Jahre zurückliegen und vor allem durch einen Fall, der sich 2013 zugetragen haben soll nach ausführlichen Ermittlungen der Polizei nun zum Prozess kommen. Die vier Zeugen erläuterten, wie, wann und wo es zu den scheinbaren Handlungen kam. Am zweiten Prozesstag sollen weitere Zeugen Licht ins Dunkel bringen in den Fällen.

Ob es bereits am Montag zu einem Urteil kommen wird, ist unwahrscheinlich. Zahlreiche Zeugenaussagen werden den Prozess gut ausfüllen. Ein dritter Verhandlungstag ist noch für diese Woche angesetzt. Am Montag wird vom Prozesstag berichtet.

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