Plätze für Urlauber im alten Gefängnis

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Karolina Kandora und Marta Skowronek (von links) erläutern ihren Vorschlag für einen "Kunst-Knast".

Wasserburg - Was tun mit dem ehemaligen Gefängnis auf der Burg? Architekturstudenten haben sich mit der Nutzbarkeit des Gebäudes befasst und Konzepte erarbeitet.

Ein ehemaliges Gefängnis in mittelalterlichen Gemäuern bietet jungen, kreativen Menschen im 21. Jahrhundert reichlich Raum für Fantasie. Architekturstudenten der Fachhochschule Rosenheim haben sich mit der künftigen Nutzbarkeit des ehemaligen Pfleghauses auf der Burg in Wasserburg befasst. Entstanden sind sieben interessante Konzepte vom Radfahrerhotel bis hin zum Künstleratelier, die nun im Rathaus zu besichtigen sind.

"Wasserburg ist eine gewaltige Stadt mit enormem historischen Kontext und einer eindrucksvollen Kompaktheit auf der Halbinsel", schwärmte Franz Robold, Professor für Innenarchitektur an der Fachhochschule Rosenheim bei der Ausstellungseröffnung im Rathausfoyer. Aus diesem mittelalterlichen Baubestand heraus besitze die Innstadt ein großes Potenzial, wenn moderne architektonische Planung mit den örtlichen Besonderheiten und baulichen Reizen harmoniere.

Im gerade zu Ende gegangenen Wintersemester hatten sich 17 Bachelor-Studierende seiner Fakultät mit dem alten Gefängnis im ehemaligen Pfleghaus auf der Burg befasst und sieben individuelle Nutzungskonzepte für das denkmalgeschütze Gebäude entwickelt.

Die angehenden Architekten standen dabei Herausforderungen, wie schiefen Wänden und unterschiedlichen Grundrissen der auf insgesamt vier Etagen verteilten Räume gegenüber. 26 Einzelzellen mit einer Größe von maximal 15 Quadratmetern und jeweils nur einem vergitterten Fenster machten neben Kreativität auch zweckmäßiges Denken im Sinne des Denkmalschutzes zum unabdingbaren Arbeitsinhalt. "Umso mehr freut es mich, dass Sie sich im Vorfeld intensiv mit der Historie und der allgemeinen Architektur in Wasserburg befasst haben. So darf ich heute eine großartige Ausstellung mit der hoffentlich ein oder anderen Anregung für unsere Stadt eröffnen", betonte Bürgermeister Michael Kölbl.

Die Studenten erläuterten den Gästen zunächst ihre Erkenntnisse zur Stadtgeschichte. Dabei gingen sie auch auf die Rolle des in Wasserburg seit dem 16. Jahrhundert bekannten Tourismus ein, welcher in der Mehrzahl der Projektentwürfe im Mittelpunkt stand.

Felix Bischoff etwa stellte sein zusammen mit einer Mitstudentin entwickeltes Konzept "In(n)trovertiert" vor, eine Herberge mit Ferienwohnungseinheit und flexibel anzubringenden Ablagemodulen je nach Bedarf des Gastes. "Durch unsere Recherchen zur Geschichte Wasserburgs und den Baustilen haben wir auch als Ortsfremde sehr schnell einen Bezug zur Stadt, den Einwohnern und ihren Gebäuden herstellen können. Und im Austausch innerhalb der Gruppe sind dann nach langer arbeitsreicher Planung mit Sicherheit sehr anschauliche Modelle entstanden."

Bürgermeister Michael Kölbl, Professor Franz Robold und Student Felix Bischoff mit seinem Modell für eine Zelle als Herbergszimmer.

Ein weiterer Entwurf mit dem Namen "bleibst" rückt den Gast in den Mittelpunkt und möchte ihm im spannenden Gefängnisambiente Platz für Ruhe, zur Anregung und zum Entdecken bieten. Das Konzept mit dem Namen "Karzer", der lateinischen Bezeichnung für Kerker, sieht eine Galerie mit Aussichtsplattform über die Altstadt im geräumigen Dachstuhl vor. Eine solche touristische Attraktion, die nach dazu als zusätzliches Markenzeichen Wasserburgs bunt illuminiert werden könnte, stellt auch das Modell "Sinneszelle" dar, welches dem Bedürfnis des Menschen nach Schlichtheit entsprechen möchte. Und während sich hinter dem Namen "INNzelle" eine Herberge inklusive dazugehörigem Café verbirgt, könnte der Entwurf für ein "Rad-Haus" ganz gezielt die für Wasserburg längst typischen Radtouristen als besondere Unterkunft anlocken. Karolina Kandora und Marta Skowronek präsentierten ihr Raumkonzept für einen "Kunst-Knast", der als Atelier für inspirationssuchende Künstler gedacht ist. "Durch die Verbindung der kleinen Zellen in den verschiedenen Stockwerken über Leitern entsteht dabei eine ganz eigene und neue Lebenswelt für den Bewohner."

Alois Juraschek von der Baubehörde im Landratsamt Rosenheim zeigte sich begeistert über die vorgestellten Projekte: "Sie stehen alle für eine höchstmögliche Wertschätzung der historischen Gebäude. Und nur dieser Weg kann letztlich der richtige für Wasserburg sein." Dem konnte Knut Stolte, Kreisheimatpfleger für Baudenkmäler, nur zustimmen und er erklärte, dass auch viele der in den Entwürfen vorgesehenen leichten Eingriffe an den Gebäudefassaden durchaus akzeptabel seien, weil sie die Objekte dadurch optisch sogar noch aufwerten könnten. Und auch für den derzeitigen Eigentümer des ehemaligen Pfleghauses, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bot die Projektpräsentation "grundsätzlich einige tolle und sehr wohl realistische Ideen." Allerdings müssten derartige Planungen für eine künftige Nutzung des Gebäudes selbstverständlich finanzierbar bleiben.

Die Ausstellung "Raum - Zelle" zum alten Wasserburger Burggefängnis ist noch bis einschließlich Freitag, 8. März 2013 jeweils montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr im Rathausfoyer zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

reg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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