Baudirektor beruhigt Bürger und kommunale Politiker

"Konkret ist zur B15neu noch gar nichts"

+
Bürgermeister Michael Kölbl lud zur Bürgerversammlung wegen der B15neu. Nicht nur Wasserburger durften kommen.
  • schließen

Wasserburg - Wann die Bagger anrollen für die B15neu wäre reine Kaffeesatz-Leserei, beruhigte Gilbert Peiker von der Autobahndirektion. Bei der Bürgerversammlung besänftigte er die Anwesenden.  

"Die Schublade ging auf und hervor kam der Verkehrswegeplan 2015", so Michael Kölbl etwas süffisant bei der Bürgerversammlung in Wasserburg.

Härter im Ton wurde er gleich im Anschluss seines Vorworts. "Ich muss schwere Kritik an der bayerischen Staatsregierung üben. Es gab vorab keine offizielle Information an uns Bürgermeister". 

Immer wieder mit Applaus belohnt wurden Diskussionsbeiträge von verschiedenen Bürgern und Politikern. Michael Kölbl regte sich auf, dass ohne vorherige Kommunikation durch die zuständigen Behörden die Trassenführung der B15neu geändert wurde. Die Stadt Wasserburg und viele andere Kommunen aus dem Umkreis hatten kürzlich durch Resolutionen und grundlegende Entscheidungen gegen die Planungen zur B15neu verabschiedet. Auch der Kreistag beschäftigte sich mit dem Thema und wird auch weiterhin dieses Projekt auf dem Sitzungsplan haben, versprach Landrat Wolfgang Berthaler.

Klartext gab es auch von Otto Lederer, der sich eindeutig für die Belange der betroffen Bürger gegen die B15neu aussprechen werde, hieß es am Dienstagabend. Unmissverständlich zeigten sich die anwesenden Politiker mit den Bürgern und Kommunen gemeinschaftlich.  

Das komplexe Thema wurde groß diskutiert, immer wieder die Alternative des Ausbaus der bestehenden B15 gefordert. 

Bürgerversammlung zur B15neu 

Die Bayerische Staatsregierung habe viele Projekte beim Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur angemeldet, was schlussendlich in den Verkehrswegeplan überhaupt mit aufgenommen werde, sei noch unklar, hieß es von Seiten der ausführenden Autobahndirektion.

Für manchen Gegner der B15neu fehlt bei den Planungen der Realitätssinn. Immer wieder kamen die FFH-Gebiete zur Sprache, die es auch bei der Trassenverschiebung gebe.   

"Konkret ist noch gar nichts"

Gilbert Peiker von der Autobahndirektion war gekommen, um die Bürger über den aktuellen Sachstand zur B15neu zu informieren.

Er erklärte in der Bürgerversammlung im Wasserburger Rathaussaal, dass der Verlauf stets von Norden nach Süden gehe und grundsätzlich die Ideen und Vorschläge der momentanen Trassenbildung noch nicht konkret seien. "Es war noch niemand vor Ort, um das Projekt in Ihrem Gebiet fest zu machen", heißt es vom leitenden Baudirektor.

Mehr als 470 Interessierte waren der Einladung gefolgt, um Unsicherheiten geklärt zu kriegen. Viele Bürgermeister von ebenfalls betroffenen Gemeinden waren anwesend, um Gemeinschaftssinn gegen die B15neu zu zeigen. Dabei waren sich die meisten einig, dass die Alternativen zu einer autobahnähnlichen B15neu noch zu wenig in das Blickfeld der zuständigen Behörden gerückt seien.

Daniela Ludwig mischte sich ebenfalls erwartungsvoll unters Publikum. Für sie sei es klar, dass sich viele Bürger und Politiker gegen die mehrspurige B15neu aussprechen. Sie werde das Anliegen unterstützen. 

Am Ende der Bürgerversammlung erhielt Ludwig eine Resolution durch Bürgermeister Michael Kölbl überreicht, die sie nun dem Bundesverkehrsministerium überbringen soll. Auch Otto Lederer bekam für die Staatsregierung, speziell das Innenministerium, zur Weitergabe ebenfalls ein Resolutionspapier.

Ein langsamer Prozess regt auf

Mit Fragen im Gepäck und Antworten beim Heimfahren nahm die Bürgerversammlung seinen Lauf. Zu Beginn war es zu einer Abstimmung gekommen: Bürgermeister Michael Kölbl bat um Handzeichen, wer sich dafür aussprach, dass auch Bürger von umliegenden Gemeinden Rederecht gebrauchen dürfen. Die Mehrheit war dafür, uns so kam es dazu, dass auch Soyener, Ramerberger und Rotter sowie Pfaffinger Fragen öffentlich machten.

Unwort des Abends: Bundesverkehrswegeplan?

Gilbert Peiker erläuterte, dass es noch nichts Konkretes für den Bereich der vorgesehenen neuen Straße gibt. Niemand sei bislang vor Ort gewesen, um hier bereits gezielt auf Grundstücksfang zu gehen.

Für Viele interessant war die Änderung der Trassenspur. In den 70er Jahren wurde ein Verlauf festgelegt, dieser hätte nun keine Zukunftsaussichten mehr, so Peiker. Viele Bereiche des Naturschutzgebiets hätten dies unter anderem nicht mehr zugelassen, eine Alternative musste her.

Dass diese Alternative nun ausgerechnet in Nähe des möglichen neuen Standorts für das Großkrankenhaus in Wasserburg verlaufen solle, regt Bürgermeister Michael Kölbl unter anderem auf.    

Klare Worte in deutlicher Tonlage fand der Rathauschef von Wasserburg.

Peiker bat um Geduld. "Es muss abgewartet werden, inwieweit der Deutsche Bundestag die Aufnahme dieses Projektes in den Bundesverkehrswegeplan 2015 befürwortet." Der Leitende Baudirektor nahm die Mahnfeuer-Aktion vieler Tausender Bürger nach eigenen Aussagen zur Kenntnis. Es sei eine legitimes Mittel, auf sich und sein Anliegen aufmerksam zu machen, hieß es von Peiker.

Erhaltung sei immer bei der Bewertung mit im Gespräch, bestätigte Peiker. Außerdem würde immer das Kosten-Nutzen-Verhältnis abgewogen, bevor Projekte in weitere Planungen gehen könnten.

Musik für die Ohren mancher Anwesender, denn es sei klar, dass es bei weitem keinen Nutzen gebe, der diese autobahnähnliche Straße befürworte. Dennoch würden jetzt weitere Kriterien geprüft, so Gilbert Peiker.

"Alles sei möglich, nichts sei jetzt schon klar"

Der Bundesverkehrswegeplan muss verabschiedet werden. Und hier sei es überhaupt nicht sicher, ob das Projekt B15neu hineinkomme, so Peiker. Natürlich würden die Alternativen durchaus diskutiert, und auch die überprüfte Raumordnungslinie gesichtet, doch derzeit geht es noch um keinerlei Gefahr für Grundstücksbesitzer oder Gemeindewohl, versuchte der Leitende Baudirektor zu beruhigen. "Es gibt noch keine Grundstücksbetroffenheit nach aktuellem Stand. Erst wenn das angedachte Projekt B15neu in Ihrem Abschnitt in den Verkehrswegeplan aufgenommen wird, gehen genaue Planungen weiter", versicherte Peiker. "Alternativen werden dann auch intensiv in Planungsschritte mit aufgenommen" hieß es abschließend.

Gegner lassen nicht locker

Die engagierten Gegner aus den Bürgerreihen zeigen sich weiter aktiv. "Aufhören und alles auf sich beruhen lassen, werden wir nicht", sind sich viele einig. Franz Schott, der viele Aktionen gegen das B15neu-Vorhaben mit organisiert hat, zeigte sich sehr erfreut darüber, dass sich so viele Bürger gemeinschaftlich gegen das Vorhaben stemmen. "Die Stimmung im Rathaussaal gegenüber dieser Schnellstraße war eindeutig ablehnend. Spürbar war die Landschafts- und Heimatverbundenheit der Bürgerinnen und Bürger. Somit stehen die Chancen, dieses Riesen-Verkehrsprojekt zu verhindern, gar nicht so schlecht".

Die Diskussion, die es im Rathaussaal noch vor der Übergabe der ausgereiften Resolution gab, wurde von Michael Kölbl gekonnt geleitet.

Immer wieder huschte das Stadtoberhaupt zu den redebedürftigen Bürgern und übergab das Mikrofon, dabei nahm er jeden einzelnen Betroffenen äußerst ernst und zeigte sich verbunden mit allen Anwesenden.

Aufmerksam werden die Betroffenen und Interessierten die nächsten Schritte der zuständigen Stellen verfolgen.

Und wohl immer wieder ihr Anliegen auf Alternativen zur autobahnähnlichen Straße B15neu öffentlich machen. Zuspruch und Unterstützung durch die örtliche und überörtliche Politik ist den Gegnern wohl sicher. Bei der Bürgerversammlung im Rathaussaal Wasserburg entstand immerhin der Eindruck, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser