Die Zwickmühle der Psychiatrie

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V.l.n.r.: Landrat Josef Neiderhell, Dr. Theodor Danzl, MdB Daniela Ludwig, Bezirksrat Sebastian Friesinger

Wasserburg - Daniela Ludwig und Josef Neiderhell haben das Inn-Salzach-Klinkum besucht. Sie informierten sich über die problematische Situation in der Psychatrie informiert:

Psychiatrische Erkrankungen sind in den vergangenen zehn Jahren drastisch angestiegen. "1992 hatten wir noch 3.000 stationäre Aufnahmen im Jahr, 2011 waren es schon 8.000", berichtete der Geschäftsführer des Inn-Salzach-Klinikums Dr. Theodor Danzl bei einer Diskussion mit CSU-Ortsvorsitzenden aus dem nördlichen Landkreis Rosenheim, Landrat Josef Neiderhell und der Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig. Fast jeder vierte Patient im Klinikum leidet an Depressionen, fast 18 Prozent leiden an schizophrenen Erkrankungen. Problematisch ist bei diesen Voraussetzungen nach Ansicht von Danzl das neue Entgeltsystem in der Psychiatrie. "Das System wurde auf neue Beine gestellt. Kurz gesagt hat es die Folgen: wir behandeln immer mehr Patienten immer kürzer mit immer weniger Personal.Eigentlich müssten wir einem Patienten nach 25 Minuten Therapie sagen: es tut uns leid, die Zeit ist abgelaufen."

Pro Patient und Tag bekommt das Klinikum 245 Euro, inklusive Personal, Therapie und Medikamente. Bei 1.500 Mitarbeitern machen die Lohnkosten 80 Prozent aus. "Die Ausgaben der Krankenkassen sind gedeckelt worden", so Danzl. "Wenn es jetzt Lohnerhöhungen gibt, was wir unseren ausgezeichneten Mitarbeitern vergönnen, haben wir ein Problem." Zudem sei es Mode geworden, mit Psychiatrie Geld zu verdienen. "Psychosomatische Kliniken sind in unserer Region aus dem Boden geschossen. Sie bekommen jetzt fast den gleichen Tagessatz wie wir, bieten aber keine personalintensive Akutversorgung wie wir. Wir fordern: die Vollversorgung muss besser honoriert werden."

Daniela Ludwig ist wegen der Folgen der neuen Krankenhausfinanzierung bereits mit den Kliniken in Stadt und Landkreis Rosenheim im Gespräch. Bei der Diskussion in Wasserburg warb sie um Verständnis für die schwierige Situation im Gesundheitsbereich. "Wir müssen Gesetze machen, die bundesweit Gültigkeit haben - von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Bayern. Dabei sind die Strukturen in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Manch eine Fehlentwicklung ist deshalb für den Gesetzgeber nicht vorhersehbar." Insbesondere im Krankenhauswesen habe es Fehlanreize gegeben, sagte die heimische Wahlkreisabgeordnete. "Der Weg in die Spezialisierung hat sich negativ auf die Krankenhaus-Vollversorgung ausgewirkt. Doch die Gespräche dazu laufen bereits, und ich denke, wir sind auf einem guten Weg." Erschreckend für die Teilnehmer an der Gesprächsrunde im Inn-Salzach-Klinikum war der große Anteil der Patienten mit Suchterkrankungen. Jeder vierte Patient wird mit dieser Diagnose im Klinikum behandelt. Insbesondere beim Alkohol nimmt nach Danzls Angaben der Grad der Abhärtung zu.

"Normalerweise sagt man, bei 1,2 bis 1,4 Promille zeigt der Körper Abwehrreaktionen wie Erbrechen. Doch wir hatten inzwischen schon eine Patientin, die noch mit 4,7 Promille zu Fuß ins Klinikum wankte." Das so genannte Koma-Saufen bei Jugendlichen bezeichnete Danzl als Katastrophe. "Bei jedem Vollrausch gehen Millionen von Gehirnzellen kaputt. Die Jugendlichen zerstören ihren Körper, bevor er voll entwickelt ist." Danzl appellierte an die CSU-Politiker, bei einem Alkoholproblem im Freundes- oder Familienkreis nicht wegzuschauen. "Ein Alkoholiker versucht, seine Sucht zu verstecken. Je mehr Leute ihn darauf ansprechen, umso weniger ist das möglich. Und umso früher wird er sich freiwillig in Behandlung begeben." Wenn die Familie und ein Berufsleben noch intakt sind, hat ein Alkoholiker noch gute Chancen, aus dem Teufelskreis heraus zukommen.

Pressemitteilung Bürgerbüro Daniela Ludwig

Quelle: rosenheim24.de

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