Finanzamt wird saniert

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Wasserburg - Das Finanzamt in der Stadt wird endlich saniert! Denn vor allem vom Dach geht eine große Gefahr aus, die auch den täglichen Betrieb behindert:

Das unter Denkmalschutz stehende Finanzamt Wasserburg am Inn wird saniert. Denn keiner steigt dem Staat mehr aufs Dach. Keine Flunkerei, sondern eine Tatsache. Es konnte kein Dachdecker gefunden werden, der das marode Finanzamts-Dach betritt und die brüchigen Dachplatten austauschen würde. Lange 100 Jahre kam der Staat mit den alten Platten aus, doch jetzt wurde es langsam richtig gefährlich: Jeder Windstoß nahm Dachschindel mit nach unten – der nackte Dachstuhl war an manchen Stellen schon zu erkennen. Gefährlich also für jeden Bürger, der unten stand. Ungut für die Büro- und Lagerräume die im Dachgeschoß integriert waren. 2009 kam bereits der neue Anstrich der Außenfront – außerdem wurden die historischen Fenster saniert. Jetzt also geht es um den Deckel des Amtsgebäudes. Und da wird nun Stück für Stück abgetragen und wieder komplett gemacht. Neue Schwalbenschwänze müssen hin, eine Dämmung unter den noch rüstigen Dachstuhl des 1912 erbauten ehrwürdigen Haus. In Zuge dessen wird das Dachgeschoss in einen großen Büroraum ausgebaut. Die Kosten belaufen sich auf einige Hunderttausend Euro. Doch nach einem ganzen Jahrhundert wird die Erneuerung nach gründlicher Prüfung sicherlich nicht unter Steuergeldverschwendung geführt. Was gemacht werden muss – wird nun gemacht – für dieses ehrenwerte Wasserburger Haus.

Zur Geschichte des Finanzamts Wasserburg am Inn: Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte eine Einteilung der Pflegeämter durch das Herzogtum. Die wichtigste landesherrliche Einnahme bildete das Getreide, das im Herzogkasten gesammelt und aufbewahrt wurde. Der Kastner (später Finanzbeamte) saß, wie auch die anderen äußeren Beamten, auf der Burg zu Wasserburg. Bis 1503 befand sich auf der Burg das Rentmeisteramt. Es umfasste das Gebiet der Stadt Wasserburg, des Amts Edling, der Pflegen Kling, Wildenwart, Ölkofen, der Städte und Pflegen Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel. 1471 legte die Infrastruktur den Aufgabenbereich des Wasserburger Rentmeisters fest. Diese Rentmeisterordnung wurde später für ganz Bayern als Geschäftsanweisung übernommen. Danach zählten die Kastner, Mautner, Ungelter und Gerichtsschreiber zu den Unterbeamten. Der Rentmeister war der eigentliche Finanzbeamte und Leiter.

Am 1. Oktober 1919 wurden die bayerischen Rentämter in die Reichsfinanzverwaltung überführt. Sie hießen in der Folge Finanzämter. Der Bezirk des Finanzamts umfasste bis 30. Juni 1973 den Landkreis Wasserburg am Inn mit der Stadt Wasserburg, 4 Markt- und 22 Landgemeinden mit einer Gesamtfläche von 651 Quadratkilometern und 53.670 Einwohnern. Durch die Neugliederungsverordnung vom 27. Dezember 1971 wurde der Landkreis Wasserburg am Inn aufgelöst und den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf, Erding und Ebersberg zugeteilt. Daraufhin wurde auch das eigenständige Finanzamt Wasserburg ab dem 1. Juli 1973 aufgelöst.

Sanierung des Finanzamts

Der Amtsbezirk wurde entsprechend der Landkreis-Neugliederung in die Finanzämter der neu gespaltenen Landkreise integriert. Das Finanzministerium hat daraufhin Wasserburg zur Außenstelle berufen. Denn Personal und Akten konnten nicht in Rosenheim direkt untergebracht werden. Von seinen Anfängen im 13. Jahrhundert bis zum Jahre 1912 war das bayerische Rentamt Wasserburg in einem Gebäude der Burg zu Wasserburg untergebracht. 1911 begann dann der Bau des dringend notwendigen Amtsgebäudes vom Land Bayern an der Rosenheimer Straße 16, rechts des Inns. Dieses noch heute genutzte Amtsgebäude wurde am 1. Juli 1912 bezogen. Die Herstellungskosten betrugen damals 104.022 Mark. Es steht unter Denkmalschutz, was eine Sanierung und Pflege nicht immer vereinfacht. Auch weiterhin wird dieses Gebäude als Finanzamts-Außenstelle erhalten.

Regina Mittermair

Quelle: rosenheim24.de

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