Mit drei Promille ausgerastet

Wasserburg - Knapp drei Promille ließen einen 48-jährigen Natursteinfacharbeiter aus Grasleben seine gute Kinderstube vergessen und die Beherrschung über seine Körperreflexe verlieren.

Im Juni des vergangenen Jahres randalierte er gegen 20.35 Uhr auf der Terrasse des Restaurants "Ponterosso" in Wasserburg und zertrümmerte dabei zwei Gartenstühle und zwei Vasen. Eine Tischplatte wurde zerkratzt.

Nun musste er sich vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen Sachbeschädigung in Tateinheit mit zwei tatmehrheitlichen Fällen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

Dem Ausraster vorausgegangen war ein Streit des arbeitslosen Mannes mit seiner Lebensgefährtin, die ihn, nach einem Streit am Vormittag, aus der gemeinsamen Wohnung geworfen hatte. Nachdem ihm ein Platz im Obdachlosenheim wegen seines festen Wohnsitzes verweigert worden sei, habe er sich zum Inndamm begeben und mit dem Trinken begonnen, sagte der Angeklagte. Dabei habe er Bier, Wein und verschiedenste Schnäpse zu sich genommen bis "plötzlich die Lichter ausgegangen seien".

Laut Zeugenaussagen hatte sich der zum Tatzeitpunkt stark angetrunkene Angeklagte im Anschluss zum "Ponterosso" begeben und dort einen Schnaps getrunken. Als er einen weiteren bestellen wollte, hatte der Kellner jedoch abgewunken und ihn gebeten, das Lokal zu verlassen. Daraufhin wurde der 48-Jährige anscheinend so wütend, dass er auf der Terrasse randalierte und damit einen Schaden von 400 Euro verursachte.

Die hinzugerufene Polizeistreife fand den Mann bei ihrem Eintreffen dann, vom Lokal etwas entfernt, friedlich am Boden liegend. Daraufhin habe man beschlossen, ihn zum Ausnüchtern nach Hause zu bringen, sagten die Beamten vor Gericht. Der Versuch, den Angeklagten, der eingekotet und uriniert hatte, wieder bei seiner Lebensgefährtin abzugeben, sei jedoch gescheitert. Während einer der beiden Polizisten mit der Frau verhandelt hatte, zwickte der stark aufgebrachte Angeklagten den, mit ihm im Wagen wartenden Ordnungshüter in den Arm und fügte ihm dabei eine leichte Schürfwunde zu.

Schließlich beschlossen die Beamten, den Angeklagten in das Inn-Salzach-Klinikum zu bringen. Auf der Fahrt dorthin lieferte sich der Mann dann noch ein Handgemenge mit dem zweiten Beamten, der sich dabei eine kleine Schnittwunde am Arm zugezogen hatte.

Die Alkoholprobe einige Stunden nach dem Tatzeitpunkt ergab einen Wert von 2,48 Promille. Laut Sachverständigen könne man von einem Alkoholwert von knapp drei Promille zur Tatzeit und somit von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgehen.

Vor Gericht bedauerte der Angeklagte sein Verhalten und entschuldigte sich bei den Geschädigten. Er selbst habe an die Geschehnisse keinerlei Erinnerung mehr. Allerdings habe er nach dem Vorfall beschlossen, seinem Leben eine Wende zu geben. Er sei umgezogen, bemühe sich um Arbeit und habe bereits eine Alkoholtherapie angefangen.

Das Gericht verhängte aufgrund seiner Vorstrafen und seiner zum Tatzeitpunkt offenen Bewährung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung, und eine ambulante Alkoholtherapie. In der Urteilsbegründung verwies das Gericht darauf, dass es sich bei dem Urteil um die allerletzte Chance handle. Der Angeklagte habe mit einer zehnjährigen Alkoholabstinenz schon einmal bewiesen, dass er es schaffen könne. Zudem habe er nach einem Probearbeiten einen Arbeitsplatz in Aussicht. Dann könne er versuchen, sein Leben, in den Griff zu bekommen und Schadenswiedergutmachung leisten.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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