"Am Stoa": Fixer Teil des Sommers

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Organisator Rainer Gottwald zieht vor einer Kinovorstellung "Am Stoa" eine positive Bilanz der vergangenen 15 Jahre.

Wasserburg - Vom kleinen Kinoprojekt zum mehrwöchigen und überregional bekannten Freilufterlebnis: Seit mittlerweile 15 Jahren ist der "Stoa" auch ein Anziehungspunkt für Filmfans.

Der "Stoa" ist mittlerweile elementarer Bestandteil des Kino Utopia aus Wasserburg. Die Erfolgsbilanz fällt für Initiator Rainer Gottwald positiv aus, so dass es auch 2013 garantiert wieder ein neues Programm geben wird.

Es ist Samstagabend um kurz nach 20 Uhr und der Chef ist höchstpersönlich im Einsatz, um das allergrößte Chaos auf dem Parkplatz zu verhindern. Heute feiert die neue Komödie von Marcus H. Rosenmüller Vorpremiere und der Regisseur hat sich angekündigt.

Schon Wochen im Voraus hat der Betreiber des Kino Utopia, Rainer Gottwald, Werbung gemacht und Plakate bis weit in den Landkreis Erding hinein geklebt. Und tatsächlich: die Besucher strömen an diesem schönen Sommerabend aus allen Himmelsrichtungen herbei - an der Kasse wird man später insgesamt 1400 Eintrittskarten ausgegeben haben, die langen Schlangen vor dem Essens- und Getränkeverkauf lösen sich erst unmittelbar zu Filmbeginn auf. "So viele Menschen wie heute waren zuletzt vor sieben Jahren hier beim Open-Air-Kino am Stoa", erinnert sich Gottwald und verspürt ein inneres Glücksgefühl.

Der 43-jährige Familienvater hat das Kino Utopia 1994 von seinem Vorgänger übernommen und gemeinsam mit Bernhard Tröstl neu konzipiert und weiterentwickelt. Seit mehreren Jahren ist er alleine verantwortlich und kann dabei auf einen kleinen Mitarbeiterstamm bauen. Für ihn bedeutet das Zeigen von guten Filmen weit mehr als bloß den täglichen Broterwerb. "Es gibt wirklich nur sehr wenige bessere Dinge oder Lebensbereiche, die an das Kino heranreichen", schwärmt Rainer Gottwald. "Und ich darf es sogar meinen Beruf nennen."

Die Anfangszeiten des Open-Air-Kinos am Stoa sind durch sehr einfache Verhältnisse geprägt und der Großteil der technischen Ausrüstung zunächst ausgeliehen gewesen. Freunde haben Gottwald und Tröstl beim Aufbau, an der Kasse und dem Getränkeverkauf geholfen. "Natürlich war ein gewisses Risiko mit dabei, denn viele Kosten mussten bereits im Voraus ausgelegt werden. Aber wir wollten das eben einfach ausprobieren. Ich habe ganz zu Beginn auch mal verschlafen und die Leute warteten längst auf den Beginn des Films."

Im Laufe der Jahre habe er immer mehr technische Ausrüstungsgegenstände selbst erwerben und auch die Leinwand verbreitern können. Eine eingeschworene Gemeinschaft aus Angestellten und Helfern sorge für die notwendige Unterstützung.

Bisher seien zwei Spielzeiten dabei gewesen, an deren Ende er draufgezahlt habe. Als Faustregel gelte für die jeweils vier Wochen lang dauernde Freiluftzeit eine Zuschauerzahl von mindestens 5000, um alle Kosten decken zu können.

"Ich bin jetzt gerade schon wieder dabei, mir erste Gedanken über das Programm für das kommende Jahr zu machen", erzählt Rainer Gottwald. Er schaue sich Filme an, nehme Kontakt zu Regisseuren auf und erhalte Anfragen von Filmverleihen. Da sei es auch von Vorteil, dass er mittlerweile viele Filmemacher persönlich kenne, die das Kino am Stoa liebgewonnen hätten. Oberstes Ziel sei immer die Präsentation eines ausgewogenen interessanten Programms, um möglichst viele Besucher anzusprechen. "Die meisten Zuschauer stammen hier aus der direkten Umgebung sowie Mühldorf und Erding. Aber auch treue Fans und Stammgäste aus München kommen jedes Jahr hierher." Trotzdem werde man immer wieder von den Schwankungen bei den Besucherzahlen überrascht, welche zusätzlich zur Abhängigkeit vom Wetter einen steten Unsicherheitsfaktor bildeten.

"In diesem Jahr hatten wir - im Gegensatz zu 2010 und 2011 - wirklich ganz großes Glück und bis auf eine einzige wetterbedingt abgesagte Vorstellung konnten wir die anderen 28 Termine problemlos durchführen", freut sich der Kinobetreiber. Weit mehr als 6000 Besucher hätten das Freiluftkino in diesem Sommer zu einem großen Erfolg werden lassen. Auch das Nebenprogramm mit den Auftritten von Bands an vier Abenden möchte er auf jeden Fall beibehalten. Zudem sind die heuer erstmals angebotenen Grillspezialitäten von den Gästen gut angenommen worden, was für eine Wiederholung im kommenden Sommer spreche.

Große Veränderungen soll es ohnehin nicht geben, da sich das Konzept laut Rainer Gottwald in den vergangenen 15 Jahren erfolgreich etabliert habe. Der Zeitraum zwischen Mitte Juli und Mitte August bleibt unverändert, dafür werden kleine und kaum beworbene Filme 2013 wegfallen. "Lieber bieten wir dann stattdessen wöchentlich einen Wiederholungstag für besonders erfolgreiche Streifen oder Überraschungsfilme an". Stoa-Fans dürfen also gespannt sein, welches Programm sie im kommenden Jahr erwarten wird.

Ob die Technik bis zum kommenden Sommer bereits von analog auf digital umgerüstet sein werde, hänge von den finanziellen Möglichkeiten ab. Ab 2014 bliebe dann wegen der allgemeinen Umstellung auch kleinen Kinos gar keine andere Möglichkeit mehr als der Wechsel.

"Am schönsten ist es für mich am Stoa jedenfalls, wenn mehrere hundert Zuschauer da sind und für eine schöne Stimmung sorgen. Das genieße ich dann jedes Mal wieder aufs Neue und freue mich riesig über den tollen Zuspruch", gesteht Rainer Gottwald.

Georg Reinthaler (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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