Bewegt sich die Altstadtbahn?

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Wasserburg - Ein Ortstermin auf 4,2 Kilometern: Dazu lud die ProBahn Ortsgruppe am Samstag alle ein, die sich ein Bild vom Zustand der Altstadtbahn machen wollten.

Zu einem „bewegten Ortstermin auf 4,2 Kilometern“ lud die PRO BAHN Ortsgruppe Wasserburg am Samstag ein. Vertreter von Politik und Presse sowie die interessierte Öffentlichkeit konnten sich dabei ein Bild vom tatsächlichen Zustand der Altstadtbahn machen.

Begehung der alten Bahnstrecke von ProBahn

Dabei wurde klar: Eine Reaktivierung der Strecke ist möglich, bedeutet aber noch viel Arbeit für das Konsortium, das die Bahnlinie übernehmen möchte. Wasserburg – Bei eher ungemütlichem Wetter machten sich die fast 80 Teilnehmer der Streckenwanderung vom Reitmehringer Bahnhof aus auf den Weg entlang der Schienen in die Altstadt. Dabei waren die Abgeordneten Maria Noichl (MdL) und Ewald Schurer (MdB) von der SPD, Claudia Stamm (MdL) von den Grünen, sowie Wasserburgs Erster Bürgermeister Michael Kölbl und mehrere Stadtratsmitglieder. Die Vertreter des Konsortiums Andreas Braun (Fa. Bayernbahn), Walter Neumayer (Fa. Innrail) und Norbert Moy (PRO BAHN Oberbayern) erklärten bei den einzelnen Stationen der Wanderung, wie sie sich die Sanierung der Strecke vorstellen. Dieses Konsortium, dem auch noch die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) aus Bonn angehört, möchte die Altstadtbahn übernehmen und geht von Sanierungskosten in Höhe von maximal 1,5 Millionen Euro aus.

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Altstadtstrecke für nur 1,5 Millionen

Dies wurde bereits bei einer Veranstaltung Anfang März in Wasserburg erläutert (wir berichteten). Die erste Station war das Ende des betriebsfähigen Abschnitts am Werkszaun der Familie Meggle. Im Werksgelände muss im Falle einer Reaktivierung der bestehende Bahnübergang instand gesetzt werden. Ein weiteres Problem ist die momentane Einzäunung des Werkes quer über die Strecke. Den unbefugten Zutritt zum Werksgelände könnten in Zukunft aber auch Zäune längs der Eisenbahn verhindern. Die nächste Station war der zurückgebaute Bahnübergang über die Megglestraße. Die Bayernbahn gibt die maximalen Kosten für die Wiederherstellung der technischen Sicherung mit ca. 220.000 € für den Fall an, dass der Übergang komplett neu gebaut werden müsste.

In einem vergleichsweise guten Zustand präsentiert sich die knapp einen Kilometer lange Gerade bis zum ehemaligen Gaberseer Schwimmbad, die ein Gefälle von fast 3 % aufweist. Laut Angaben des Innrail-Vertreters weist das Gleis bis dorthin keinen einzigen Lagefehler auf. Die Arbeiten zur Wiederherstellung beschränken sich deshalb hier nur auf den Freischnitt und das Richten des Gleises mittels Stopfmaschine. Im darauf folgenden kurvenreichen Abschnitt bis zum Dammrutsch muss zusätzlich noch der Schotter gesäubert und ergänzt werden. Weiterhin liegen hier noch ca. 260 Holzschwellen, die zu erneuern sind.

Größtes Probelm: Dammrutsch

Das größte Problem stellt natürlich der Dammrutsch selbst dar. Hier kalkuliert das Konsortium mit Sanierungskosten von bis zu 700.000 €. Ein neuer Damm soll entstehen, wobei das Auffüllmaterial aufgrund der schwierigen Lage im FFH-Gebiet und der beschränkten Zufahrtsmöglichkeiten für LKW vorzugsweise über die Schiene angeliefert würde. Hierzu bieten sich spezielle sogenannte Materialförder- und Silowägen an, mit denen ein ganzer Zug über die Stirnseite entladen werden kann. Solche Züge werden in der modernen Bauzuglogistik eingesetzt, in der die Bayernbahn auch tätig ist. Der Abschnitt vom Dammrutsch bis zum Innstauwerk ist so stark eingewachsen, dass hier nach dem Freischnitt wohl eine umfassende Sanierung des Oberbaus erforderlich ist, wobei Schienen, Schwellen und Schotter aber weiter verwendet werden. Auch die Entwässerungsbauwerke und Stützmauern sind nach 26 Jahren ohne Wartung noch in einem erstaunlich guten Zustand, obwohl eine gründliche Säuberung dringend angebracht ist. Der letzte Streckenabschnitt ist sehr viel besser in Schuss, obwohl man ihn nicht mehr sieht: Hier hat der Betreiber des Innstauwerks die Gleise säuberlich mit Planen und Kies abgedeckt, so dass sie nur freizulegen sind.

Allerdings fehlen auf gut 200 m Länge noch die Gleise als Folge des Jahrhunderthochwassers 2005. Der hier herrliche Blick auf Burg und Rote Brücke begeisterte vor allem die Auswärtigen, denn „solch eine schöne Strecke findet sich in ganz Bayern nicht mehr“ äußerte ein Münchner. Eine nette Unterbrechung verursachte der Weinbergspielplatz des Kindergartens „Gänseblümchen“, denn ein zwangsläufiger Fotostopp am frisch errichteten „Bahnhof Weinberg“ musste wohl sein. Der Altstadtbahnhof selbst wurde mit der Errichtung des Busbahnhofes zwar verkürzt. Allerdings wurden bei dessen Planung immer ein Gleis und ein Bahnsteig für die Altstadtbahn berücksichtigt. Die Bayernbahn möchte trotz des geringen Platzangebots einen minimalen Bahnhof mit zwei Weichen wiederaufbauen, so dass auch Sonderzüge die Altstadt erreichen können. Ihren Ausklang fand die Streckenwanderung danach bei einer Einkehr im Wasserburger Biomarkt. Nun muss sich bei den laufenden Übernahmeverhandlungen zeigen, ob die Wanderung beim Stadtrat so starken Eindruck hinterlassen hat, dass er dem Konsortium bei der Wiederinbetriebnahme der Strecke entgegenkommt.

Pressemeldung Pro Bahn e.V.

Quelle: rosenheim24.de

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