"I glab i konn sogn, es is ganz guat ganga"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Büßerhaltung ist eher untypisch für Peter Peltzer (hier bei der Verabschiedung), obwohl er als Ministrant Grundlagen seiner Führungstätigkeit legte.

Wasserburg - So bewegt dürften ihn nur wenige Weggefährten in 41 Jahren Schuldienst erlebt haben: Mit belegter Stimme und einem "leisen Servus" verabschiedete sich Peter Peltzer. Ein Interview:

Herr Peltzer: 14-Stunden-Tage, Reisen durch ganz Bayern, immer vorne dran stehen, immer für die Realschule. Woher haben Sie die Motivation dafür genommen?

Lesen Sie auch:

Ob Sie das jetzt glauben oder nicht: Mir ist es immer um die Kinder gegangen. Ich bin der festen Überzeugung, dass denen die bayerische Realschule unschätzbare Chancen gibt. Realschulabgänger studieren zu fast 50 Prozent, nehmen Spitzenplätze in der Wirtschaft ein, sind Leistungsträger im Handwerk.

Das ist die fachliche Seite. Und die persönliche?

Ich stamme aus kleinen Verhältnissen, mein Vater ist früh gestorben. Meine Mutter hat mir damals viel Verantwortung übertragen. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Und so bin ich wohl recht zielstrebig meinen Weg gegangen. Als Ministrant habe ich gelernt, vor Publikum zu sprechen, eine wichtige Voraussetzung für alles, was später gekommen ist.

Sie waren ja einerseits loyaler Beamter, andererseits auch knallharter Verbandsvertreter.

Für mich war sehr wichtig, dass ich einen Platz gefunden habe, wo ich mit kritischer Loyalität arbeiten konnte. Denn echten Respekt habe ich nur vor Werten, nicht vor Personen. Da hatte ich immer Riesenglück. Denn dass man mit meiner Art auch erst fertig werden muss, das weiß ich schon.

Bei Ihrer Abschiedsfeier hat man ja auch überraschend etwas von Schwächen eines Peter Peltzer erfahren.

Ich habe verraten, dass meine Rechtschreibung manchen nicht genügt hat. Und dass ich den "Kasten", also den Computer, nicht geliebt habe, ist auch kein Geheimnis mehr. Es ist ja so: Wenn man als Schulleiter vor einer Schar Lehrer bestehen will, muss man immer so wirken, als wüsste man jede Antwort. Aber ich bin schon oft sehr unter Strom gestanden, auch wenn man das nicht gemerkt hat.

Was war denn in Ihrer Wasserburger Zeit das Wichtigste für Sie?

Das Arbeiten mit einer guten Mannschaft. Dass es mir gelungen ist, das Kollegium immer für eine schülerorientierte Pädagogik zu begeistern, für Neuerungen wie die Bläserklasse oder Französisch.

Sie haben jetzt ja noch ein paar Wochen Übergangszeit...

...mit vollem Kalender: zwei Schulleiter-Verabschiedungen und den ganzen Normalbetrieb zum Schulschluss halt. Am 3. September ist Schlüsselübergabe.

Und danach? Kommt da das große Loch?

Da habe ich überhaupt keine Angst. Zum einen habe ich viele Interessen, die einfach zu kurz gekommen sind: Natur, Sport. Letzten Winter war ich gerade drei Tage Skifahren. Ich bin froh, das jetzt machen zu können. Bei aller Wehmut eines Abschieds vom Arbeitsleben, in dem viele gute Beziehungen, ja fast Freundschaften entstanden sind: Das Positive von mehr Freiraum und Freizeit überwiegt eindeutig. Dass ich 2004 eine Krebserkrankung hatte, hat zu dieser Sicht sicher auch beigetragen, das war schon eine Mahnung. Man weiß nie, was kommt.

Im Herbst kommt dann die Weltreise?

Wir haben keinen großen Urlaub geplant. Zum einen haben wir ja einige Kurzreisen geschenkt bekommen und da schon viele Termine. Dann ist das Herbstfest in Rosenheim. Und überhaupt ist es bei uns so schön. I glab, i konn sogn, es is ganz guat ganga. Jetzt mecht i amoi richtig de Heimat genießen.

Interview: Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser