Inn ist für Wasserburg von großer Bedeutung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Fluss, die Stadt und Flussbaumeister a.D. Herbert Rödig bei der Wissensvermittlung um den Inn.

Wasserburg - Wasserburg wäre nicht so entstanden, hätte der Inn hier nicht eine Schleife gezogen. Wissenswertes und Geheimnisvolles über den Fluss vermittelte nun Herbert Rödig.

Ein Fluss, ein Mann und geballtes Fachwissen: Im Rahmen einer Exkursion des Heimatvereins berichtete der langjährige Flussbaumeister und einzigartige Kenner der Flusslandschaft in und um Wasserburg über Fluss- und Baukundliches am Inn.

Start des Spaziergangs war am ehemaligen Eisenbahntunnel in der Altstadt, wobei Rödig zunächst den 517 Kilometer langen Verlauf des Inns erläuterte. Mit dem Ursprung am Malojapass durchläuft der in der Folge wasserreichste Fluss Süddeutschlands zuerst die Seenlandschaft um St. Moritz und das Engadin, bevor er in Österreich seine dominante Größe mit hohen Wassermengen und seine starke Strömung erreicht. In Wasserburg hat der Inn bereits 358 Kilometer hinter sich. Die Kilometrierung wird inzwischen gegen die Flussrichtung, also von der Mündung in die Donau zurück bis zum Ursprung, vorgenommen. Früher bemaßte man ab der Landesgrenze zu Österreich.

Das Flussbett werde durch Flinsschichten noch aus der letzten Eiszeit vor rund 17.000 Jahren abgedichtet, so Rödig, der als Flussbaumeister oft genug mit dieser Schicht zu tun hatte. Darunter seien gespannte Wasserschichten auszumachen, weshalb auch in Wasserburg noch heute einige Artheserbrunnen Wasser zu Tage bringen.

Mit Blick auf die Staustufe berichtete Rödig, dass der Bau der Wasserkraftwerke am Inn ab dem Jahr 1925 hauptsächlich auf die Energieversorgung für die frühere Aluminiumhütte in Töging zurückzuführen sei.

Nach dem Standortwechsel zum Ferstlhaus erinnerte Rödig an die frühere Archenverbauung, also die Holzbefestigung des Ufers von Höhe der Burg bis unterhalb der Brücke, die mindestens von 1588 bis 1925 Bestand hatte. Von Menschenhand wurden die Pfähle mit einem unvorstellbaren Arbeitsaufwand in den Untergrund getrieben.

Bereits 1925 hatte man die ersten Überlegungen zur Hochwasserfreilegung der Stadt angestellt. Diese wurde seinerzeit weitestgehend unter Schonung des Landschaftsbildes in der jetzt bestehenden Ausführung angedacht. Der jetzige Hochwasserschutz ist nach den Pegelhöhen des Hochwassers 1899 berechnet, dem man aktuell noch ein Freibord von bis zu einem Meter draufgesattelt hat.

Dass die jetzige Hochwasserfreilegung erst 1985 gebaut werden konnte, lag unter anderem auch an schwierigen Grundstücksverhandlungen, so Rödig. Die derzeitige Hochwasserschutzmauer stehe teilweise auf in zwölf Metern Tiefe gegründeten Bohrpfählen, außerdem werde der Schutzdeich durch Spundwände in unterschiedlicher Tiefe und Lehmschichten im Untergrund verstärkt. Problematisch seien auch die bestehenden Grundwasserverhältnisse gewesen, zumal man die teilweise holzgegründeten Bodenplatten der bestehenden Häuser in der Altstadt nicht trocken legen hätte können.

Der erste Pegel in der Stadt mit 421,16 Metern über Normalnull wurde 1926 fixiert und musste seinerzeit zweimal am Tag abgelesen werden. Im Hochwasserfall ist der Pegel bedingt durch die Fliehkraft strömungsaußenseitig (Innleite) rund 80 Zentimeter höher als entlang der Altstadt.

Um eine Auswaschung und damit Abrutschungen auf der Prallhangseite (Innleite) zu vermeiden, wurde bereits 1899 bis 1905 eine Uferverbauung angelegt, seinerzeit noch in Buhnenbauweise. Erst 1964 ergänzte diese eine längsseitige Flusssteinverbauung. Infolgedessen siedelte sich im Laufe der letzten sechs Jahrzehnte auch eine üppige Bewaldung an, während die Innleite noch um 1940 mit steil abfallenden Wänden "dem Grand Canyon glich", so Rödig.

Interessant war auch, dass der Inn vor rund 1000 Jahren noch im Bereich nördlich des Marienplatzes verlief, dass früher die 60 Meter lange und rund zehn Meter breite Mitterinsel auf Höhe Näbauer noch den Schwung der Innschiffe bremste und dass die Innfähre ins Blaufeld, die am 1. August 1988 eingestellt wurde, 1853 die königliche Genehmigung zum Betrieb erhielt. Bereits damals musste das Fährseil höher gespannt werden, wegen der "in Aussicht stehenden Dampfschifffahrt".

Geheimnisvoll bleibt der Postdüker, der von Höhe Näbauer auf sechs Metern Tiefe unter dem Inn zum Blaufeld führt. Sicher ist, dass er während der NS-Zeit gebaut wurde und für das Fernmeldekabel von der Reichskanzlei Berlin zur Reichskanzlei Berchtesgaden genutzt wurde. Im Dunklen liegt aber die Entstehung selbst und auch das Schicksal derer, die in Handarbeit den 60 Zentimeter breiten und 1,6 Meter hohen Stollen, der nach wie vor begehbar ist, in den Flinsuntergrund getrieben haben.

tro/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser