Kampf gegen den Schwindel

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Cornelia Sinzinger (links) und Jana Hornhauer demonstrieren, wie die neue Diagnostik des Gleichgewichtsorgans im Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg funktioniert. Im Behandlungsstuhl: Chefarzt Professor Dr. Johannes Bufler.

Wasserburg - Die Welt scheint zu schwanken oder sich zu drehen: Dieses Schwindel-Gefühl kennt fast jeder Mensch.

Tritt Schwindel heftig, attackenartig und über eine längere Zeit auf, kann eine Erkrankung des Gehirns, des Herz-Kreislauf-Systems, aber auch des Gleichgewichtsorgans die Ursache sein. Die Neurologische Klinik am Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg hat die Diagnostik jetzt um eine in der Region einmalige Untersuchungsmöglichkeit erweitert.

"Nystagmografie" heißt die neue diagnostische Methode. Chefarzt Professor Dr. Johannes Bufler demonstriert, wie sie funktioniert. In der Rolle des Patienten nimmt er in einem bequem gepolsterten Liegestuhl im EEG-Raum der Neurologie Platz, setzt eine große lichtdichte Brille auf, um ihn wird es dunkel. Das linke und rechte Ohr wird danach von den medizinisch-technischen Assistentinnen Cornelia Sinzinger und Jana Hornhauer mit kaltem und warmen Wasser gespült - ein Reiz, der die Pupillen im Auge zu ruckartigen Reaktionen motiviert, die wiederum von einer Laserpistole gemessen, in einen Computer übertragen und dort als Diagramme abgebildet werden.

Aus den Ergebnissen ziehen Bufler und sein Team Schlussfolgerungen über die Funktionsweise des Gleichgewichtssystems. "Es stellt ein sehr komplex verschaltetes Netzwerk dar. Fällt ein Mitspieler in diesem System aus, wird der Gleichgewichtssinn gestört, sodass es zu unangenehmen Schwindelgefühlen kommen kann", erläutert der Chefarzt.

Das Gleichgewichtsorgan des Menschen sitzt im Innenohr. Hier befinden sich Bogengänge, die mit Flüssigkeiten gefüllt sind. Diese verändern je nach Körperhaltung ihre Lage. Die Strömungsanpassungen werden über die Nervenbahnen an das Gehirn weiter vermittelt. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Auge, das über Nervenbahnen ebenfalls mit dem Gleichgewichtssystem im Ohr verbunden ist, erläutert Bufler. Ein gesundes Auge besitzt ein erstaunliches Talent, berichtet er: Es kann ruckartige Bewegungen ausführen, die unter anderem garantieren, dass Menschen beim Blick aus dem Fenster eines fahrenden Zuges trotzdem Punkte fixieren können.

Diese Fähigkeit, der Nystagmus, hat auch dem neuen diagnostischen Verfahren in Wasserburg den Namen gegeben. Ist die ruckartige Augenmotorik gestört, wirkt sich das negativ auf den Gleichgewichtssinn aus, berichtet Bufler. Gegenstände scheinen zu schwanken, Räume sich zu drehen. Vor allem ältere Menschen, bei denen eine Störung des Gleichgewichtsorgans häufiger vorkommt als bei jüngeren, fühlen sich durch solche Schwindelanfälle stark beeinträchtigt, weiß der Chefarzt aus Erfahrung. "Betroffene trauen sich nicht mehr aus dem Haus, isolieren sich, neigen zu Stürzen."

Eine genaue Diagnostik ist notwendig, um abzuklären, welche Ursache hinter dem Schwindel steckt. Oft ist ein krankhafter Nystagmus der Übeltäter, besser gesagt eine Störung der eigentlich gesunden ruckartigen Augenbewegung. In der Regel wird diese Frage mit einer Untersuchung beantwortet, die die Pupillenreflexe auf Warm- oder Kaltreize per Elektroden aufnimmt, berichtet Bufler. Doch dabei kommt es nach seinen Angaben automatisch auch zu unnötigen Muskelreaktionen, die die Ergebnisse verwässern können. Die Messung per Laser ermögliche nun eine spezialisierte, fein ausjustierte Diagnostik, freut sich der Chefarzt.

400 bis 500 Patienten sprechen in der Neurologie des Inn-Salzach-Klinikums jährlich mit Schwindelbeschwerden vor. Ist die Ursache geklärt, wobei die neue Methode eine wichtige Rolle spielt, kann eine individuelle Therapie beginnen. Und der Betroffene wieder fest auf dem Boden verankert werden.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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