Kein Eis mehr nach dem Marktsonntag?

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Wasserburg - Das unbeständige Wetter macht den Besitzern der Eisdielen zu schaffen. Die Eisbottiche sind voll, die Kassen leer. Missstimmung kommt aber nicht auf.

Die Wasserburger Eisdielen haben mit dem unbeständigen Wetter zu kämpfen. Zwar waren die Sommermonate sonnig, doch der aktuelle Regen lässt manchen Eiscafé-Besitzer verzweifeln: Volle Eisbottiche, aber leere Kassen. Nur selten verirrt sich ein Gast bei der trüben Wolkendecke in die Eisdiele. Wohlwissend, dass es hier auch Espresso und Latte gibt. Am kommenden Sonntag ist Michaelimarkt in Wasserburg, dann soll noch mal der Eiskonsum steigen.

Wenn Sandro Tabacchi die Tische wischt am frühen Morgen vor seinem Café, dann blickt er oft Richtung Himmel und hofft auf einen guten Tag. Der jetzige Besitzer des „Venezia“ ist bereits als dritte Generation hier in Wasserburg und fühlt sich sehr wohl in der Innstadt. Vor genau 50 Jahren hatte sein Opa, nachfolgend dann auch sein Papa, die Wasserburger mit den Cremigkeiten verwöhnt. Dieses Jahr kratzt er jedoch am Existenzminimum: „Das Frühjahr war schrecklich kalt, auch an Pfingsten hat niemand Eis essen wollen, lieber eine heiße Suppe bei den kalten Temperaturen. Da haben wir echt draufgezahlt“, bemängelt Tabacchi.

Sandro Tabacchi in seinem Café "Venezia".

In den Sommermonaten hätten die Leute dann auch nicht doppelt so viel Eis gegessen als sonst. Somit sei es nicht möglich gewesen, die kälteren Monate finanziell auszugleichen. Dennoch möchte er nicht aufgeben und bleibt der Eisdiele treu: „Bis Ende November haben wir noch geöffnet, freuen uns, dass wir so viele Stammkunden bedienen dürfen. Danach sind wir erst wieder Anfang Februar da“. Die an guten Tagen 26 gemachten Eissorten, darunter die Favoriten Joghurt-Kirsch und Cookies, würden jetzt aber bereits Sorte für Sorte reduziert, im Herbst bräuchte er meist nur noch die Klassiker und den besonderen Kaffee für die Stammgäste.

Besitzer des "Il Gelato" schwärmt von Wasserburg

Auch bei Adriano Scariato war es ein durchwachsenes Jahr. Das „Il Gelato“ in der Ledererzeile hielt sowohl im Frühling als auch jetzt in den letzten beiden regnerischen Wochen vergeblich Ausschau nach Gästen. Aufatmen war einzig im Juli und August möglich: Dann schöpften die Kunden aus dem Vollen: 23 Eissorten waren im Angebot. Auch in diesem Jahr waren es vor allem die klassischen Geschmackssorten wie Schokolade, Stracciatella, Nuss oder Vanille, die die Top Ten anführten. Limoncello und Zimt erfreuten sich jedoch auch großer Beliebtheit. Seit 1998 ist das Il Gelato schon fester Bestandteil in der Altstadt, meist bleibt die Eisdiele von Oktober bis Februar zu. Dann herrsche Winterschlaf, lächelt Adriano Scariato.

Ihm und seiner Familie gefalle die Stadt wegen der zentralen Lage so gut. Alles sei prima zu erreichen in Wasserburg. Die aufgeschlossene Art seiner Gäste möge er besonders und schwärmt davon, dass er schon viele Berichte von den Urlaubsreisen der Wasserburger gehört habe, die gerne nach Italien fahren. Und weil er nicht aufgibt, auch wenn die Frühjahrsmonate heuer sehr schlechtes Geschäft brachten, wird er wieder seine Tür im nächsten Jahr öffnen.

Wenig Besucher in Wasserburger Eisdielen

"Wasserburger sind fast wie Italiener"

Massimo von der Eisdiele „Gondola“ ist ebenfalls enttäuscht von dem aktuellen Regenwetter. Doch der Sommer war nicht schlecht, kontert er sofort. Seine 32 Eissorten wurden durchwegs gerne gegessen. Am beliebtesten sei Joghurt Mandarine gewesen. Schon in der 19. Saison befindet sich das Gondola, stets am selben Fleck. Mal mit mehr, mal mit weniger Besuchern. Doch er und sein Team werden auch weiterhin immer wieder gerne die Pforten öffnen. Von Mitte Oktober bis Anfang Februar verbringt er seine Zeit außerhalb des Cafés. „Dann geht’s nach Italien, in die Nähe von Venedig. Dort werde ich zusammen mit meinem Sohn Bäume sägen“, berichtet er und grinst. Genauer nachgefragt, kommen Details: „Mein Schwiegervater hat einen großen Wald, da helfen wir natürlich über den Winter alle mit“.

Auf die Frage, was Wasserburg so toll mache, kommt irre schnell die Antwort: „Ich war vorher in Schweinfurth, aber Wasserburg hat viel mehr Flair. Die Leute sind Klasse. Ohne die Einwohner wäre die ganze Stadt nicht so sympathisch. Die Wasserburger sind fast wie Italiener.“ Kaum fertiggesprochen, saust Massimo schon zu einem Tisch, in dem ein Kunde sitzt. Doch auf seinem Eis bleibt er auch heute sitzen. Es wird Kaffee bestellt.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Picture Alliance

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