Jede Pfeife erhält ihren Platz

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Wasserburg - Zum Jubiläum der Kirche Attel steht auch die Einweihung der Orgel an. Aber es gibt noch viel zu tun: Zwei Orgelbauer setzen alles daran, den Klang perfekt zu gestalten.

Inge Diedering vom Förderverein ist glücklich: „Derzeit läuft alles nach Plan. Wir sind sehr froh, dass wir das Projekt Kirchenorgel bald geschafft haben“. Mit leuchtenden Augen berichtet sie über die zaghaften Anfänge vor zehn Jahren, mit einem Förderverein etwas zu bewegen. Jetzt steht der Realisierung nichts mehr im Wege. In wenigen Wochen ist es geschafft.

Originalbau schon hunderte Jahre alt

Zwischen den Jahren 1767 und 1769 wurde die Orgel in der Kirche in Attel errichtet. Das Gehäuse mit den Engeln ist immer noch in Original-Zustand. Das Innenleben des Instruments wird gerade auf Vordermann gebracht. Acht von insgesamt 24 Registern sind bereits im Orgelelement integriert. Eine Orgelbaufirma aus Nussdorf, besser gesagt, zwei Orgelbauspezialisten aus Rosenheim stammend, kümmern sich um das Anliegen der Pfarrei und des Fördervereins, und fertigen die Orgel bis zur feierlichen Einweihung am 24. November. Besonders wichtig für die Orgelbauer sei vor allem der Klang des Instruments, ja eigentlich sogar jeder einzelnen Pfeife. Nicht die Tonhöhe sei entscheidend, sondern die Harmonie mit dem Raum, erklärt Michael Gartner. Wenn am 24. November Kardinal Marx zur Messe nach Attel kommt, soll alles besonders gut klingen. Das Datum, wann die Orgel ihren feierlichen Auftritt vor großem Publikum haben wird, ist also gesetzt. Die Finanzierung zum größten Teil überstanden. Zahlreiche Spenden und Projekte, die Geld in die Kasse des Fördervereins spülten, haben das meiste schon realisieren lassen. Nun werde sogar eine Haussammlung durchgeführt, damit die letzten Beträge auch noch zusammenkommen, heißt es von Inge Diedering. Beim Besichtigen mit ihr und den beiden verantwortlichen Orgelbauern merkt man, wie zufrieden sie wirkt. Es sei großartig, was hier entsteht, erzählt sie hocherfreut. Der Endspurt für die Fertigstellung stellt etwas ganz besonderes dar. Vor einem Jahrzehnt begann der Förderverein diesen Wunsch für die Pfarrei wahr werden zu lassen. Jetzt sei der Endspurt für die Fertigstellung gekommen.

Präzision ist oberstes Gebot

Mit gezielten Einschnitten in den Pfeifen kann der Klang verändert werden. Die prächtige Bayr-Orgel wurde nicht komplett ausgetauscht. Vielmehr wurde sie wiederhergestellt und erweitert. In Anlehnung an die Bauweise des anerkannten Orgelbauers. Fichtenholz umschmeichelt das Innenleben. Präzise Schliffe lassen sich erkennen. Genauigkeit ist oberstes Gebot. Und macht erst den Erfolg aus. „Dem ursprünglichen Orgelbauer macht man immer gerne seine Aufwartung“, heißt es von Michael Gartner. Er ist dafür zuständig, den richtigen Klang in den Raum zu bringen und hat auch das Gehör dazu. Und die musikalische Ader. Er berichtet, dass es wichtig sei, ursprüngliche Pfeifen und Register zu verwenden, um den Wert der damaligen Zeit nicht zu schmälern. Kleine Schnitte durch seinen Kollegen Uli Skriwan verdeutlichen, welch exakte Arbeit hier vorhanden sein muss.

Vergleich der Rohstoffe

Eine Mischung aus Zinn und Blei wird für die Pfeifen verwendet. Je nachdem, welcher Klang erzeugt werden soll, variiert der Anteil des Materials. Dazu noch das richtige Verhältnis der Dicke und Länge jeder einzelnen Pfeife. Schon bei der Herstellung wird darauf geachtet. Den exakten Klang erreicht man nur durch die Arbeit vor Ort. Hier kommt die Harmonie zum Einsatz. Jeder Raum ist anders, und so ist die Feinjustierung der Pfeifen besonders aufwändig aber unumgänglich.

Stolze Pfeifenzahl

 1309 Pfeifen umfasst die Orgel in der Kirche St. Michael. Nicht alle sind gelötet, einige wurden auch aus Holz gefertigt. Ein Drittel der Pfeifen sind hölzern. Der Unterschied beim Hören ist beachtlich: Während die Hölzernen frisch und luftig klingen, erzeugen die aus dem Zinn-Blei-Gemisch einen teils dumpferen, getragenen Ton. Erst beim Vorspielen einzelner Register wird deutlich, welch enorme Eleganz dieses Instrument mit sich bringt. Einmalig hallt es in den Raum hinein. Orgelbauer Michael Gartner lebt dieses Feingefühl mit jeder Sekunde. Er entlockt der Orgel die wunderbarsten Töne. Mechanisch bekommt die Orgel ihre Luft zugebracht. Keine elektrischen Hilfen werden eingesetzt. Dies entspräche nicht dem Geiste Anton Bayrs, sind Gartner und Skriwan überzeugt. Die Bewegung an der Windlade ist bei dieser Orgel ganz entscheidend. Es entsteht eine Art Schwingung, die so den Kontakt zur Pfeife herstellt. Sogenannte Schleifladen-Technik wurde über die gesamte Barockzeit eingesetzt. Die spannende Aufgabe der Renovierung des Innenlebens der Kirche umfasst nicht nur die Orgel. Die Pfarrei hat sich vorgenommen, auch die Altäre noch bis zur Messe mit Kardinal Marx am 24. November zu renovieren. Ein Altar aus Glas und Messing soll der Kirche besondere Atmosphäre geben. Damit auch der Raum für die wohlklingende Orgelmusik Maßstäbe setzt. Nicht nur die Einweihung der Orgel wird geplant. Auch die 300 Jahr- Feier der Barock-Kirche steht an. Somit hat die Pfarrei in Attel gleich doppelt Grund zur Freude. Das lange Planen des Projekts bringt nun eine zeitlich Perfekte Fertigstellung.

Kirchenorgel in Attel kurz vor der Fertigstellung

Quelle: rosenheim24.de

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