Wasserburg als "langsame Stadt"

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Regionale Produkte und Märkte, so wie hier auf dem Bauernmarkt, sind einer der Schwerpunkte von "Cittaslow".

Wasserburg - Der Fremdenverkehrsverein hat eine neue Idee: Wasserburg soll Touristen anziehen, die sich bewusst Zeit nehmen für die Stadt und das Umland. Der Beitritt zu "Cittaslow" könnte hierfür ein Sprungbrett sein.

Was ist eine "Cittaslow"? "Citta" ist italienisch und heißt übersetzt ganz einfach "Stadt". Das englische Wort "slow", zu Deutsch langsam, ist bereits geläufig. Wenn es nach dem Willen des Fremdenverkehrsvereins geht, ist Wasserburg bald eine "langsame Stadt": eine "Cittaslow" eben. Hinter dieser italienisch-englischen Wortkreation steht eine internationale Vereinigung "lebenswerter Städte".

In Italien nahm die Bewegung ihren Ausgang, in Deutschland gehören zum jetzigen Zeitpunkt neun Städte dem Verband an. Aufgenommen werden können Städte mit bis zu 30 000 Einwohnern. "Cittaslow" macht sich unter anderem für eine nachhaltige Energiepolitik, Kultur und Tradition, die Wahrung des typischen Lokalkolorits und regionale Märkte stark. "Auf Wasserburg trifft das wie die Faust aufs Auge zu", ist Jürgen Häuslmann, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins, überzeugt.

Häuslmann stellte das Konzept auf der Jahresversammlung des inzwischen auf 248 Mitglieder angewachsenen Vereins vor. Ihm liegt viel an dessen Umsetzung, würde es doch den Tourismus in Wasserburg weiterentwickeln, so seine Überzeugung. Die Stadt könnte damit Anziehungspunkt für bewusstere Touristen werden: "Gäste, die sich Zeit nehmen und nicht durch die Altstadt mit dem Reisebus fahren und dann in Prien zu Mittag essen". Besiegelt ist "Cittaslow" jedoch noch nicht, die Gespräche mit der Stadt stehen noch an.

"Nette Toilette" für Stadtbesucher

Etwas weiter sind die Pläne für die "Nette Toilette". Gaststätten in Wasserburg sollen sie demnächst als Ergänzung zu den wenigen öffentlichen Toiletten anbieten. Häuslmann zufolge sei dieses Konzept deutschlandweit erfolgreich. In 120 Städten habe sich inzwischen die "Nette Toilette" im Alltag bewährt, vor drei Jahren "waren es nur einige wenige", so der Vorstand.

Passanten und Touristen würden davon nur profitieren: Sie müssten kein "schlechtes Gewissen" mehr haben, wenn sie eine Gaststätten-Toilette benutzen, aber nichts konsumieren. Und in den Wirtschaften bleibt doch "vielleicht der ein oder andere hängen", meinte Häuslmann.

Für Aufregung sorgte bei der Versammlung das große Gastgeberverzeichnis des erst vor einem Jahr gegründeten Tourismusverbandes Chiemsee-Alpenland: Andreas Hiebl von der Stadtverwaltung, berichtete aus dem Tourismusverband, dass das Verzeichnis eine Auflage von 110 000 Exemplaren hat. In ihm finden sich Gastgeber aus 48 Gemeinden des Landkreises Rosenheim, und gerade auch die Gemeinden des nördlichen Landkreises sollten besser in den Tourismus integriert werden.

Für das Gästezimmer-Verzeichnis der Stadt Wasserburg übernimmt die Stadt die Druckkosten. Das neue umfassende Verzeichnis des Chiemsee-Alpenlandverbandes dagegen deckt seine Druckkosten durch die Anzeigenpreise. Und die sind in dem Verzeichnis des Verbandes wesentlich teurer: An die 140 Euro kostet ein Eintrag pro Jahr.

Vielen Gastgebern aus dem Landkreis war das zu teuer, sie inserierten nicht. Mit dem Ergebnis: "Das aktuelle Gastgeber-Verzeichnis des Chiemsee-Alpenlandverbandes ist lückenhaft", so Andreas Hiebl. "Um nicht unterwandert zu werden" habe sich der Verband daher zum Handeln gezwungen gesehen: Die neue Auflage des städtischen Gästezimmerverzeichnisses werde die Gastgeber, die nicht bereit sind, die Kosten für einen Eintrag ins große Verzeichnis zu tragen, nur mehr mit einem knappen Zeileneintrag erwähnen.

Das heißt, es erscheinen lediglich deren Namen und Kontaktdaten, Informationen zum Preis und zur Ausstattung dagegen nicht. Zwei Mitglieder des Fremdenverkehrsvereins hatten absolut kein Verständnis für diese Maßnahme.

Martin Przybyllok heißt der neue Schatzmeister des Fremdenverkehrsvereins. Er ist 22 Jahre alt, kommt aus Griesstätt und ist Mitarbeiter der Sparkasse Wasserburg. Er folgt auf Michael Müller, der das Amt ein Jahr ausübte, es aber aus beruflichen Gründen abgeben musste.

Im allgemeinen Bericht stellte Häuslmann fest, dass der Fremdenverkehrsverein im vergangenen Jahr durch eine bewegte Zeit gegangen sei: "Wir mussten die letzten 40 Jahre aufarbeiten". Viele Abmachungen seien in der Vergangenheit nur schriftlich getroffen worden. Das alles sei zu verschriften gewesen. Mit dem Verlauf des letztjährigen Weinfestes zeigte sich die Vorstandschaft zufrieden. Kassenprüfer Josef Wimmer kritisierte jedoch die Zahlungsmoral mancher Wirte, einer habe immer noch nicht gezahlt. Da es im vergangenen Jahr so manchem zu laut auf dem Weinfest war, wird es dieses Jahr nur noch drei Live-Bands geben: "Wir wollen auch ein paar ruhige Ecken."

Fahrräder leiht in Zukunft nicht mehr das Verkehrsbüro im Rathaus aus, sondern das Wasserburger "Radhaus". Die Vorstandschaft begründete dies damit, dass immer wieder Fahrräder defekt gewesen seien. "Die Reparaturkosten waren höher als die Einnahmen", bemerkte Häuslmann. Mit dem Radhaus sei man auf der sichereren Seite: Die Räder des Fremdenverkehrsvereins würden dort fachmännisch gewartet.

fhl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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