Ja, ich will! Aber vorher.....

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Wasserburg - Vor der Hochzeit noch einen schnellen Seitensprung mit der besten Freundin der Braut? Das war wohl die Idee eines Mannes, der sich jetzt vor Gericht verantworten musste:

Ekel, Abscheu und Missachtung ihrer Person habe sie empfunden, so die als Hauptbelastungszeugin und Geschädigte vor dem Schöffengericht aussagende Frau, als sie im Juni vergangenen Jahres dem künftigen Ehemann ihrer Freundin gegenüberstand. Sie war auf Wusch der Freundin und baldigen Ehefrau des Angeklagten zu dessen Haus in der Nähe von Wasserburg gefahren, um ihn zum Standesamt nach Wasserburg zu chauffieren, da der Bräutigam schon seit längerem keinen Führerschein mehr besaß. Der Angeklagte habe sie splitternackt empfangen, sie aufgefordert, seinen exhibitionistischen Handlungen zuzuschauen und einem „schnellen Sex“ nicht abhold zu sein. Trotz mehrmaliger Aufforderung, sich fahrbereit zu machen, trieb dieser seine „Selbstbefriedungsspielchen“ weiter und forderte seine Chauffeurin auf, seinen „männlichen Stolz“ zu bewundern.

Vor Gericht sagte die Geschädigte aus, sie habe es nicht fertig gebracht, ihrer Freundin von den Vorgängen zu erzählen – weder vor dem Gang zum Standesamt noch nachher. Und sie habe auch geschwiegen, als der Angeklagte ihr nach der Hochzeit per SMS entsprechende Angebote unterbreitet habe. Die Geschädigte kündigte die Freundschaft auf, Anzeige erstattete sie nicht. Die Anzeige kam unerwartet ins Rollen. Im Wohnort des Angeklagten kursierte das Gerücht, dieser habe Kindern angeboten, gegen Geld seinen exhibionistischen Handlungen zuzusehen. Die Geschädigte, vom Vater eines möglicherweise betroffenen Mädchens auf dieses Gerücht hin angesprochen, redete mit der Polizei, um eventuell Schlimmes zu verhindern. Sie erstattete keine Anzeige, aber die Polizei informierte die Staatsanwaltschaft, die ihrerseits wegen des öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hielt.

Der Angeklagte gab zwar zu, dass die Freundin ihn splitternackt angetroffen habe, aber nur deshalb, weil die Haustür offen gestanden habe und er gerade dabei gewesen wäre, sich umzukleiden. Alles andere beruhe auf „spaßigen“ Bemerkungen, die die Freundin missverstanden habe. Die als Zeugin aussagende Ehefrau entwickelte einen auffälligen Belastungseifer gegen die ehemalige Freundin, konnte das Gericht aber nicht von der Unschuld ihres Mannes überzeugen. Der Vertreter der Anklage befand, der Angeklagte habe trotz vier offener Bewährungsstrafen und einer einschlägigen Vorstrafe offensichtlich nicht begriffen, welche Bedeutung eine Bewährung habe. Er forderte für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die aufgrund der Vorstrafen nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Gabriele Sachse, meinte, die Schuld des Angeklagten habe nicht bewiesen werden können, weil die Aussagen der ehemaligen Freundin und Geschädigten nicht glaubhaft seien. Mangels Beweisen plädierte sie auf Freispruch für den Angeklagten, denn es stehe Aussage gegen Aussage. Dem schloss sich das Gericht nicht an, es war von der Glaubwürdigkeit der Geschädigten überzeugt und sprach den Angeklagten der exhibistionistischen Handlung schuldig. Das Strafmaß: sieben Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Richterin Jacqueline Aßbichler empfahl dem Verurteilten, sich während der Haft einer Therapie zu unterziehen, denn sonst sei er vor Wiederholungen vermutlich nicht gefeit.

je/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser