Meggle-Familie im "Reich der Mitte"

Wasserburg - Seinen Mitarbeitern und Ruheständlern hat Toni Meggle zum Abschluss der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Unternehmens einen roten Teppich ausgerollt:

Gleich zu Beginn des Festabends zeigte sich, wie intensiv bis heute das Herz der Meggle-Familie für die dritte Unternehmerpersönlichkeit in der 125-jährigen Firmengeschichte schlägt: Als Moderatorin Uschi Dämmrich von Luttitz den Gastgeber des Abends begrüßte, erhoben sich die Mitarbeiter und Ruheständler von den Stühlen und spendeten minutenlang stehende Ovationen, ein emotionaler Moment für den 81-jährigen Toni Meggle und Ehefrau Marina.

Seit fast 55 Jahren präge Meggle die Privatmolkerei, er habe den Namen Meggle als Marke für Butter und Backwaren etabliert und die Firmengruppe, die heute fast eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschafte, erfolgreich in die Internationalisierung geführt, würdigte Vorstandsvorsitzender Drs. Sil H. van der Ploeg das Lebenswerk des Unternehmers.

Diese internationale Ausrichtung versprühte auch das Mitarbeiterfest: Gäste aus den Vertriebszentren der Meggle AG in aller Welt feierten mit den Reitmehringern. Und da bekanntlich Toni Meggles Herz an der ersten Auslandsvertretung in Tokio hängt, der er auch einen japanischen Garten am Weberhof gewidmet hat, gab es neben einem bayerischen und italienischen auch ein asiatisches Buffet. 24 Köche bereiteten vor den Augen der Gäste riesige Wok-Pfannen Reis und Berge italienischer Pasta vor, drehten 400 Wiesnhendl und 200 Kilogramm Spanferkel über dem Feuer. 82 Mitarbeiter im Service des Caterings reichten dazu über 600 Meggle-Baguettes.

Im Festzelt, ausgeleuchtet in den Farben des blauen Firmen-Kleeblattes, fühlte sich die große Meggle-Familie auch angesichts dieser Gaumengenüsse sichtlich wohl.

Festredner Dr. Dieter Soltmann, früherer Aufsichtsratsvorsitzender, sprach von einem "Jahrhundertabend", an dem nicht nur die 125-jährige Geschichte der Unternehmerdynastie Meggle gefeiert werde, sondern auch das hohe Gut der unternehmerischen Freiheit.

Eng mit ihr verbunden sei auch die soziale Verantwortung. Sie könne nur dann mit Leben erfüllt werden, wenn ein Unternehmer so wie der Teamarbeiter Toni Meggle noch die Nähe zu seinen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten pflege. Meggle stehe nach wie vor in der Mitte seines Unternehmens, das er nicht als Konzern, sondern als Firmengruppe charakterisiere, eine Bezeichnung, die auch nach Ansicht von van der Ploeg den Familiengedanken symbolisiert.

Ein mittelständischer Privatunternehmer wie Meggle hafte noch persönlich für jede Entscheidung, übernehme Verantwortung und trage die Folgen "im Positiven wie im Negativen", so Festredner Soltmann.

In den Augen des Ehrenpräsidenten der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern liefert der bayerische Mittelstand, der von Persönlichkeiten wie Meggle verkörpert werde, als "Reich der Mitte" die Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit. Denn der Mittelstand könne nicht wie international spekulierende Banken nach Staatshilfen rufen, wenn er falsche Entscheidungen getroffen habe. Er müsse das Problem des Fachkräftemangels selber lösen durch intensives Engagement in die eigene Ausbildung. Er agiere nach den Prinzipien der souveränen Eigenverantwortung, auch für die Region, in der er verwurzelt sei. Der bayerische Mittelstand stelle außerdem einen Beweis dafür dar, dass in einer zunehmenden Zentralisierung, die derzeit in Europa als Patentlösung gegen die Verschuldung gehandelt werde, nicht die Antwort für die Lösung der Zukunftsaufgaben stecke, so Dr.Dieter Soltmann, der auch als Freund der Familie Meggle sprach.

Weichen mit Familienstiftung gestellt

Toni Meggle bekräftigte im Interview auf der Bühne mit Fernsehmoderatorin Uschi Dämmrich von Luttitz, ebenfalls eine Freundin der Familie, den Willen, die Firmengruppe in eine "eigenständige Zukunft" zu überführen. Die Weichen seien gestellt, unter anderem über die Familienstiftung. "Die unternehmerische Unabhängigkeit stellt die übergeordnete Motivation meines Lebens dar", betonte Meggle, der in Richtung seiner Mitarbeiter außerdem den Wunsch äußerte, dass diese auch in Zukunft "mit Freude bei uns arbeiten können".

Diese Freude strahlte unter anderem eine Gruppe aus Südtirol aus, die in den 60er-Jahren aus dem Ahrntal angeworben worden war. Die Mitarbeiter, zahlreiche bereits in Rente und in Reitmehring ansässig geworden, überreichten Toni und Marina Meggle eine Südtiroler Knödelspezialität, zu 85 Prozent aus Meggle-Produkten hergestellt, und eine Holzschnitzarbeit, welche die drei Meggle-Persönlichkeiten in der Firmengeschichte zeigt.

Die neue Generation der Meggle-Familie hatte zudem aus Anlass der Jubiläums eine alte Tanzformation, die "Butterflys", wiederbelebt: Junge Frauen aus der Mitarbeiterschaft traten auf - gleichzeitig perfekte Eintänzer für die Cuba Boarischen, die schon zur Begrüßung ins Festzelt gespielt hatten.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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