Neue Fachambulanz für Sucht in Wasserburg

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Beraten im geschützten Rahmen der Fachambulanz Suchtgefährdete oder Suchtkranke und ihre Angehörigen: Monika Riedel (links) und Ursula Sponar (rechts).

Wasserburg - Mit eigenen Räumen in der Schmidzeile und fester personeller Präsenz hat die Diakonie Rosenheim auf die Tatsache reagiert, dass es auch im Raum Wasserburg Bedarf für eine Fachambulanz für Suchterkrankungen gibt.

Hier finden nicht nur Gefährdete und Suchtkranke, sondern auch ihre Angehörigen Beratung und Hilfe.

Wer die Türklingel der Fachambulanz für Suchterkrankungen in der Schmidzeile 14 zum ersten Mal drückt, hat den ersten Schritt bereits geschafft: das Eingeständnis "Es stimmt etwas nicht mit mir. Es muss etwas geschehen." Auslöser für den Besuch der Wasserburger Außenstelle der Suchthilfe beim Diakonischen Werk Rosenheim ist neben dem Gefühl, es aus eigener Kraft nicht mehr aus einer drohenden oder bereits akuten Suchterkrankung zu schaffen, oft auch "sozialer Druck": Partner und Familien drängen auf eine Lösung, der Arbeitgeber, der den verkaterten Mitarbeiter nicht länger dulden will, auf eine Verhaltensänderung, nennen Ursula Sponar und Monika Riedel als Beispiel. Häufig mache das Gericht die Teilnahme an Beratungsgesprächen zur Auflage. Oft sei auch die Rückgewinnung des Führerscheins an den Besuch der Ambulanz gekoppelt.

Im Mittelpunkt jeder ersten Kontaktaufnahme steht nach Angaben von Ursula Sponar und Monika Riedel ein Vier-Augen-Gespräch in der geschützten Atmosphäre der Fachambulanz, bei dem die eigene Lage und das Suchtverhalten reflektiert würden. Außerdem beraten die Fachkräfte über ambulante und stationäre Therapien, helfen bei der Antragstellung und vermitteln an Selbsthilfegruppen. Eng sind sie mit dem Inn-Salzach-Klinikum, der RoMed-Klinik Wasserburg, den Ärzten der Region und Organisationen wie dem Bündnis für Familie in Wasserburg vernetzt.

"Wir versuchen, unsere Klientel zu motivieren, sich Hilfe zu holen", bringt Diplompädagogin Ursula Sponar die Anfangsarbeit auf den Punkt. Als hilfreich erweist sich nach ihren Erfahrungen der Besuch der beiden Orientierungsgruppen, die sich in der Fachambulanz und in der RoMed-Klinik einmal wöchentlich treffen: Hier ist jeder willkommen, der sich als suchtgefährdet empfindet oder bereits suchtkrank ist - auch dann, wenn er noch nicht abstinent lebt, erläutern die Beraterinnen. "Nachdenken und den Wurzeln der Sucht auf die Spur kommen", geben die Beraterinnen als Ziel aus.

Auch der erste Besuch in der Orientierungsgruppe stellt für viele Betroffene eine hohe Hürde dar, weiß Diplom-Sozialpädagogin Monika Riedel. "Viele wünschen anfangs ausschließlich Einzelgespräche, doch wir wissen aus Erfahrung, dass es befreiend ist, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen." Themen der Gruppe unterliegen gegenüber Außenstehenden der Schweigepflicht, betonen die Betreuerinnen. "Alles, was besprochen wird, bleibt in der Gruppe." Viele Suchtgefährdete oder Kranke kommen nach der ersten Teilnahme an der Orientierungsgruppe deshalb gerne wieder. "Es macht Mut, zu sehen, dass man nicht allein ist und zu erfahren, wie es andere geschafft haben, die Spirale der Sucht zu durchbrechen."

Eine zunehmende Rolle spielen nach Angaben der Beraterinnen neben der Droge Nummer eins, dem Alkohol, die nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten, beispielsweise die Spielsucht im Internet. Die Betroffenen werden zur Fachstelle nach Rosenheim weiter vermittelt, die sich auf dieses Aufgabenfeld spezialisiert hat.

In Wasserburg wird derzeit außerdem die psychosoziale ambulante Betreuung von Abhängigen illegaler Drogen weiter ausgebaut.

Doch nicht nur Suchtgefährdete und bereits Süchtige finden in der Schmidzeile ein niederschwelliges Hilfsangebot, auch Angehörige sind hier willkommen. Sie lassen sich beraten, weil sie den Alltag mit den Exzessen eines Partners nicht mehr bewältigen können, weil sie sich Sorgen um ein Kind machen, das nach einer durchzechten Nacht im Krankenhaus gelandet ist oder beim Kiffen erwischt wurde. Auch Angehörige erhalten Vermittlungsangebote an Selbsthilfegruppen wie dem Elternkreis Rosenheim, der sich dem Problem drogenkonsumierender Kinder widmet. "Angehörige fühlen sich mit ihren Sorgen oft allein gelassen, schweigen aus Scham oder aus dem Versuch heraus, die Probleme zu vertuschen", wissen Ursula Sponar und Monika Riedel aus Erfahrung.

Großen Bedarf sehen sie auch in der Prävention, die ihrer Erfahrung nach bereits im Kindergarten ansetzen muss. Denn die Bereitschaft, sich in legale oder illegale, neue oder alte Suchtmittel zu flüchten, steige. "Das extreme Trinken harter Sachen schon bei ganz jungen Menschen beispielsweise hat deutlich zugenommen", bedauern die Mitarbeiterinnen der Fachambulanz. duc

Quelle: rosenheim24.de

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