Es hat pressiert, deshalb war's dreckig

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Traunstein (WZ) - Es waren nicht die ersten Probleme mit der Lebensmittelüberwachung. Nun wurde der Betreiber eines Gasthofes zu einer geringen Geldstrafe verurteilt. Gering wegen des geringen Umsatzes.

Der Inhaber eines Gasthofs auf dem Lande, einige Kilometer außerhalb Wasserburgs, hatte mehrmals seit 2005 Probleme mit der Lebensmittelüberwachung. Praktisch jedes Jahr wurde der behördliche Kontrolleur bei nicht angekündigten Besuchen fündig, so auch beim letzten Mal. Er entdeckte am 9.September 2009 vielerorts Dreck und Unordnung, Schmutz in Küche wie Lager, Schimmel an Decken und Wänden, verdorbene oder vom Haltbarkeitsdatum her abgelaufene Lebensmittel. Nach dem Einspruch des Wirts gegen einen Strafbefehl vom November kam der Fall vor das Amtsgericht Traunstein.

Richter Dr. Rainer Vietze verurteilte den 58-Jährigen zu 50 Tagessätzen Geldstrafe, ermäßigte aber den Tagessatz ob des geringen Einkommens des Wirts von 20 auf zehn Euro. Der ohne Verteidiger erschienene Angeklagte muss somit eine Geldstrafe von 500 Euro zahlen - wegen "Inverkehrbringens nicht sicherer und für den Verzehr durch Menschen ungeeigneter Lebensmittel", wie es juristisch genau unter Bezug auf verschiedene Verordnungen heißt.

Der Lokalinhaber hatte das Wirtshaus Ende 2004 gekauft. Erst hinterher zeigten sich nach seinen Worten "erhebliche bauliche Probleme" wie ausgedehnte Frost- und Wasserschäden, die beim Kauf verheimlicht worden seien. Der gelernte Koch sprach von Sanierungskosten in Millionenhöhe. Er bemühe sich unentwegt um die Finanzierung, sei deshalb laufend mehrere Tage pro Woche in München.

An dem Tag der Kontrolle sei nicht offen gewesen, er selbst habe unmittelbar vor der Abfahrt in die Landeshauptstadt gestanden. Vor lauter Stress habe er die beanstandeten Dinge nicht behoben, begründete der 58-Jährige die unhygienischen Zustände. Wörtlich sagte er: "Es hat pressiert. Ich hab' nicht gleich sauber gemacht." Außerdem werfe er alte Lebensmittel selbstverständlich weg. Das habe er nur aus Zeitgründen nicht geschafft: "Wenn jemand behauptet, ich bringe kaputte Lebensmittel in den Verkehr, mache ich eine Anzeige."

Richter Dr.Vietze verwies auf eine Stellungnahme des Landratsamts, die der 44-jährige Behördenmitarbeiter im Zeugenstand bestätigte. Die Kontrolle habe an einem Mittwoch unter Begleitung durch den Wirt stattgefunden. Die Eingangstüre sei offen gewesen. Von einer Schließung an jenem Tag hätten der 58-Jährige und dessen Ehefrau nichts zu dem Kontrolleur gesagt. Außerdem habe ein Gast etwas in einem der Gasträume getrunken. Der Angeklagte widersprach: "Das war der Postbote. Der trinkt immer einen Kaffee. Einen Gast hätte ich weggeschickt."

Er fuhr fort, er sei alleiniger Koch, habe kein Personal. Nachdem er halb auf dem Weg nach München gewesen sei, hätte niemand für einen Gast kochen können. Aktuell sei er mit dem Verkäufer der Gaststätte "am Raufen": "Entweder wir geben das Objekt zurück, oder wir müssen umfassend renovieren. Wenn wir nicht gewinnen, ist es aus, finis."

Staatsanwältin Kathleen Hohmann beantragte im Plädoyer, den Wirt in vollem Umfang zu verurteilen, aber die Tagessatzhöhe aus dem Strafbefehl herabzusetzen. Dem entsprach das Gericht angesichts des geringen Umsatzes in der Gaststätte. Dass das Wirtshaus an jenem Mittwoch geschlossen war, dem folgte der Richter nicht. Die Öffnungszeiten seien aufgrund der Angaben des Angeklagten nicht klar abzugrenzen gewesen.

kd/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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