Noch ist die Trasse nicht weg

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Wasserburg - Der Fahrgastverband Pro Bahn setzt sich weiter für eine Reaktivierung der Altstadtbahnstrecke ein - und fordert nun, dass der Stadtrat seinen Beschluss zurücknimmt.

Vor allem das Gutachten, worauf sich viele Stadträte bei ihrer Entscheidung bezogen, wird massiv in Frage gestellt. Die Reaktivierung der Strecke sei wirtschaftlich vertretbar und trage zur Stärkung des Standorts Wasserburg bei. "Wir brauchen die Schiene!", so Bernd Meerstein.

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Die Entscheidung der Stadt Wasserburg, die Altstadtbahnstrecke nach Reitmehring stillzulegen, hatte beim Verein Pro Bahn Betroffenheit, aber keine Lähmung zur Folge. Auch die stattliche Zahl von Besuchern der Informations-Veranstaltung des Vereins ermutige die Mitglieder, so Sprecher Bernd Meerstein, für den Erhalt der Strecke weiterzuarbeiten, denn "Was weg is, is weg".

Für das Engagement spreche die immer größer werdende Bedeutung funktionierender Schienenwege. Die Verkehrsbelastung der Bundesstraßen B 304 und B 15 wachse stetig, die Ölfördermöglichkeiten hätten den Höhepunkt überschritten, was steigende Benzinpreise zur Folge habe. Dazu sei die demografische Entwicklung zu berücksichtigen. Auch bei politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen sei ein Umdenken erkennbar. So ließen sich in Wasserburg entsprechende Verbesserungen erkennen: Der Stundentakt des Stadtbusses, die Beschleunigung der Bahnstrecke und der Ausbau der Bahnhöfe in der Altstadt und Reitmehring mit Parkplätzen.

Bedingung für eine noch größere Akzeptanz sei, so die Vertreter von Pro Bahn, ein Stundentakt als Minimum und eine Fahrzeitverkürzung vor allem in Richtung München, wozu eine geringere Umsteigezeit in Reitmehring beitragen könne.

Auf das große Fahrgastpotenzial im Umkreis von München mit einem Altstadtanschluss als "Sahnestückchen" wies auch Frank Ludwig, Geschäftsführer der Chiemgau-Bahn, hin. Dass die reaktivierte Trasse das Busnadelöhr Reitmehring vermeiden, die Attraktivität der Fahrroute steigern und die Freizeit- und Tourismusangebote in Wasserburg verbessern könnte, meinten verschiedene Besucher der Veranstaltung.

Rainer Kurzmeier von Pro Bahn erläuterte, wie das System "Zug" durch den Freistaat finanziert werde. Einnahmen aus Trassenentgelten in Höhe von 370000 Euro stünde bei angenommenen Kosten von 3,5 Millionen Euro für die Wiederherstellung der Strecke eine Belastung von 250000 Euro gegenüber. Für Bahnbetreiber sei dies ein lukratives Geschäft, was auch ein Grund sei, warum ringsum Bahnstrecken saniert würden. Auch für die Altstadtbahn gebe es Übernahmeinteressenten, so Kurzmeier.

Detailliert ging Norbert Moy, Vorsitzender von Pro Bahn Oberbayern, auf das Gevas-Gutachten ein, das die Stadt Wasserburg in Auftrag gegeben hatte. Die von Moy vorgelegten Zahlen hinsichtlich Betriebs-, Energie- und Investitionskosten, dazu Belastungen für den Streckenunterhalt unterscheiden sich erheblich von den von Gevas angeführten Zahlen. Der vom Gutachten genannte Kosten-Nutzungs-Quotient sei falsch berechnet; er belaufe sich nicht auf 0,21, sondern auf 0,34; unter Berücksichtigung des Kapitaldienstes, der Betriebskosten und der Verkehrsleistung kam Moy zu einem Ergebnis von 2,23. Vor allem die Korrektur der veranschlagten Fahrtlänge von 4,4 Kilometer der Altstadtstrecke auf die statistisch durchschnittliche Fahrtlänge von 18 Kilometer beeinflusste das revidierte Rechenergebnis maßgeblich. Nach Moy ist die Altstadtbahn sinnvoll und zukunftsfähig.

Sehr kritisch setzte sich auch Walter Neumayer von Inn-Rail mit der Gevas-Untersuchung auseinander. Er zweifelte an der Seriosität und Kompetenz des Gutachters, der viele spezifische örtliche Gegebenheiten nicht zur Kenntnis genommen, sondern sein Wissen auf Nachfrage aus der Fachliteratur bezogen habe, so der massive Vorwurf Neumayers, der forderte: "Die Stadt muss das Gutachten anfechten."

Die Haltung der Firma Meggle zur Reaktivierung der Bahn brachte Dr.Hermann Budenhofer zur Sprache. Er plädierte für ein konstruktives Miteinander mit Meggle als potentiellem Werbeträger. Meggle wolle vor allem Planungssicherheit und für die Stadt und die Firma müsse möglichst eine Win-Win-Situation geschaffen werden, so weitere Stimmen aus dem Publikum.

Und ein Besucher meinte auf dem abendlichen Nachhauseweg: "Fürs Badria gems so vui aus, für die Bahn hams fast nix."

mjo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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