Dank Paten befreit vom Schimmel

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Archivar Matthias Haupt zeigt den Paten Irmgard Dietz, Dr. Karl Ludwig Wimmer und Christian Fuchsbüchler von der Sparkassen-Kulturstiftung das Wappenbuch von Rueprecht Surauer, das auch Bürgermeister Michael Kölbl sichtlich beeindruckte.

Wasserburg - Welche Archivalien in Wasserburg dank sieben Patenschaften in den vergangenen zwei Jahren auf Vordermann gebracht wurden, präsentierte Stadtarchivar Matthias Haupt.

Seit sechs Jahren können Interessierte Patenschaften für Schätze des Wasserburger Stadtarchivs übernehmen, die restauriert werden müssen. Es ist schon faszinierend, einige der restaurierten Archivalien in Händen zu halten und die Unikate der Vorfahren zu bestaunen. Die Zeitzeugen längst vergangener Tage erstrahlten, von Feuchtigkeitsschäden und Schimmel befreit, frisch aufgearbeitet und erschienen schon aufgrund ihrer Aufmachung kostbar und unwiederbringlich.

Beispielsweise das Wappenbuch des Rueprecht Surauer, das auch als Reisetagebuch ab 1631 geführt wurde. Es enthält Widmungen seiner Freunde, sowie Reisebeschreibungen und viele kunstvolle Zeichnungen. Interessant auch das Kopialbuch der Stadtrechte (1329 bis 1458), Landtagsprotolle ab 1556 und das Wasserburger Passionsspiel von 1737.

"Wenn schon alles den Bach runter geht, möchte ich dazu beitragen, dass Werte aus der Vergangenheit nicht verloren gehen, schilderte eine Buchpatin ihre Beweggründe, immer wieder Buch-Patenschaften zu übernehmen. Und damit steht sie nicht allein, denn bei den meisten Paten handelt es sich um "Wiederholungstäter", die aus Freude und Interesse an den historischen Überlieferungen, ihren Erhalt unterstützen.

In Wasserburg begann man schon frühzeitig mit Sicherungsmaßnahmen an Archivgut. Dazu gehören die Konservierung, die Restaurierung und die Sicherheitsverfilmung. Bereits 1978 wurde das alte Archiv der Stadt, das bis ins Jahr 1301 zurückreicht, teilweise verfilmt und dauerhaft gesichert. Seit 2002 investiert die Stadt Wasserburg jährlich rund 15.000 Euro für dringliche Restaurierungs- und Verfilmungsmaßnahmen, um Quellen aus längst vergangenen Tagen vor dem Zerfall zu retten und für die Nachwelt zu erhalten. Seither wurden, systematisch und durch fachlich ausgebildete Restauratoren, beispielsweise Stadtrechtssammlungen in gebundener, handschriftlicher Kopialüberlieferung oder die Chronik der Stadt Wasserburg restauriert oder durch neue Bindungen haltbar gemacht. Daneben wurde mit der Restaurierung umfangreicher serielle Quellen mit Ratsprotokollen, Bänden des Heilig-Geist-Stiftung und weiterer Stiftungen begonnen.

Doch der Bedarf an Restaurierungen ist weitaus höher, als dass er allein mit städtischen Mitteln finanziert werden könne, erläuterte Bürgermeister Michael Kölbl bei der Präsentation der Restaurierungsprojekte im Wasserburger Stadtarchiv. Deshalb sei vor sechs Jahren das Projekt "Buchpatenschaften" gestartet worden, um die umfangreichen Konservierungs,- Restaurierungs- und Verfilmungsmaßnahmen durchführen zu können. Seither sind 25 Patenschaften übernommen worden, seit 2008 waren es sieben Patenschaften für insgesamt 3801 Euro, mit denen beispielsweise Verträge, Nachlassverwaltungen und Rechnungen der Bruderhaus- und der Achatzstiftung restauriert werden konnten.

Zum Dank für ihre Unterstützung überreichte Bürgermeister Michael Kölbl den anwesenden Paten eine Urkunde, die sie berechtigt das restaurierte Werk jederzeit im Original im Stadtarchiv anzuschauen oder unentgeltliche Reproduktionen anzufertigen.

Matthias Haupt stellte die Archivalien und ihre Inhalte ausführlich vor. Zu den in den vergangenen zwei Jahren restaurierten Archivalien gehören die Baurechnung des neuen Bruderhauses ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, die Reinigung einer Urkunde, datiert vom 23. August 1715 über einen Verkauf an die Pfarrkirche St.Jakob, Rechungen der Stiftung St.Achatz sowie notarielle Urkunden aus den Jahren 1713 bis 1721, bei denen es um die Verwaltung des Nachlasses des Mautners Johann Franz Ohrt von Ohrt geht. Und all diese kostbaren Schätze durften die Besucher des Abends mit Handschuhen vorsichtig begutachten.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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