"Jetzt erst mal drei Wochen Abstand"

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Wasserburg, das Rathaus, die Poller, ein Fahrrad - ein Traum aus Schokolade (rechts) für den Stadtbaumeister, dem es kurz die Sprache verschlug.

Wasserburg - Abschied nehmen hieß es in der jüngsten Stadtratssitzung für Manfred Förtsch-Menzel. Drei Wünsche hatte der Stadtbaumeister aber noch:

Neugestaltung "der schönsten Straße", der Herrengasse, dass die Überplanung des Fletzingerareals mit Hotel gelinge und - nicht ganz ernst gemeint: "Einführung der Krawatte, dass Herr Stenger die Mütze abnimmt, alle, auch Herr Baumann, pünktlich kommen, man sich netter begrüßt, abbusserlt und zusammen Tanzen geht".

Manfred Förtsch-Menzel vom Rathaussaal in die neue Zeit.

Die jüngste Stadtatssitzung war für Manfred Förtsch-Menzel die letzte als Wasserburger Stadtbaumeister. Als er am 1. April 1987 seinen ersten Arbeitstag im Rathaus hatte, erlebte er auch gleich die erste Bauausschusssitzung. Es folgten um die 200 weitere und nochmal so viele Stadtratssitzungen, was, so Bürgermeister Michael Kölbl in seiner Laudatio auf den scheidenden Stadtbaumeister, nur ein kleiner Teil seiner Arbeit gewesen sei, denn diese müssten auch vor- und nachbereitet werden, dazu komme das tägliche Verwaltungsgeschäft, "er war unheimlich engagiert, er hat sich extrem mit seiner Aufgabe und der Stadt identifiziert. Es war eine sehr angenehme Zusammenarbeit", dankte Kölbl Manfred Förtsch-Menzel, für dessen Abschied er sich etwas Besonderes ausgedacht hatte: Weil dieser über alles Süßigkeiten liebt, gerne Fahrrad fährt, vorzugsweise Poller in der Altstadt aufstellen lässt, bekam er das Wasserburger Rathaus in Schokolade samt Marienplatz mit einem Radler mit dunklem Bärtchen und unter anderem mit vielen Pollern aus süßen, kleinen Mohrenköpfen. Die Überraschung kam an, der Beschenkte war sehr gerührt und der ganze Stadtrat setzte noch standing ovations obendrauf.

Wasserburg sei ihm die Stadt seines Herzens geworden und Heimat, bedankte sich Förtsch-Menzel. Und dann listete er die vielen Baumaßnahmen der letzten 25 Jahre in Wasserburg auf, das sich herausputzte für das Stadtjubiläum, als der neue Stadtbaumeister damals neu am Inn war. Damals sei man mit Sanierungen nicht so sensibel umgegangen wie heute, aber die Eigentümer hätten damals begonnen, ihre Häuser herzurichten, "es kam Bewegung in die Sache". Dann ging es darum, den Parksuchverkehr aus der Stadt zu halten, die Parkhäuser an der Überfuhrstraße, danach an der Kellerstraße sowie die Parkplätze am Bahnhofsgelände entstanden, das Bildungszentrum der Sozialverwaltung, Projekte waren Umbau- und Erweiterung der Grundschule am Gries, der Realschule, des Altstadtkindergartens, der aufwändige Umbau des Reitmehringer Bahnhofs, das Brucktorensemble oder nach Abriss des alten Schlachthauses der Neubau dort.

Bei der Infrastruktur galt es viele Kanäle zu sanieren oder umzuverlegen, die Straßen der Altstadt wurden neu gestaltet, der Bahnhof erhielt seinen Busbahnhof und natürlich die Hochwasserfreilegung nach dem Hochwasser 2005. Vieles passierte auch im Badria, in der nördlichen Burgau entstand ein Wohngebiet und in Staudham entwickelte sich das Gewerbegebiet.

Es gab viel zu tun in den 25 Jahren für den Stadtbaumeister, der deshalb oft schon sehr früh an seinem Schreibtisch saß, "und sich wunderte, wenn niemand seine Anrufe abnahm", erinnerte Michael Kölbl.

Vieles zu tun haben wird auch die Nachfolgerin im Stadtbauamt, Mechtild Herrmann, die am 1. Juli ihren ersten Tag im Wasserburger Rathaus haben wird. Ihre Baustellen werden unter die Mittelschulsanierung, Heimathaussanierung oder die Verbesserung der Ortsdurchfahrt in Reitmehring sein.

"Jetzt erst einmal drei Wochen Abstand", freute sich Manfred Förtsch-Menzel, für den nun die Freizeitphase der Altersteilzeit begonnen hat.

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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