Die Hochzeit war das Sahnehäubchen für uns!

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Christine und Brigitte haben sich beim Standesamt in Wasserburg ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Seit 2009 können gleichgeschlechtliche Pärchen anstelle zum Notar auch zum Standesamt, um die Lebenspartnerschaft eintragen zu lassen.
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Altlandkreis - Viele Paare lassen sich im historischen Rathaus Wasserburg trauen. Die Standesbeamten haben gut zu tun. Seit 2009 treten auch gleichgeschlechtliche Lebenspartner vor die Standesbeamten. Eine Herausforderung?

Das neue Standesamtsrecht, das im Januar 2009 zustande kam, sieht vor, dass auch gleichgeschlechtliche Paare in Bayern im Standesamt ihre Partnerschaft eintragen können. Offiziell wird es nicht als Hochzeit bezeichnet. Der Wortlaut ist während der Zeremonie etwas anders, und auch bei der Anmeldung wird nicht von Aufgebot gesprochen. „Wenn das Paar vorhat, dass es eine Lebenspartnerschaft eingeht, kommen sie zum Standesamt und melden hier ihr Vorhaben an“, heißt es aus dem Wasserburger Rathaus.

Eine Lebenspartnerschaft muss nicht vor dem Standesamt im Ort eingetragen werden, in dem das Paar lebt, auch besondere Orte können gewählt werden. „Wenn es dem Pärchen besser gefällt, die Zeremonie zum Beispiel auf der Fraueninsel oder einem anderen romantischen Ort abzuhalten, dann schicken wir die Unterlagen der Anmeldung zur dortigen Kommune“.

Auch weiterhin wäre es möglich, vor einem Notar die Lebenspartnerschaft einzutragen. Dennoch bleibe die Anmeldung dafür beim zuständigen Standesamt des Wohnortes nötig, so der Standesbeamte aus Wasserburg.

Die Eintragung in das Lebenspartnerregister erfolgt an dem Standesamt, an dem sich das Paar zum Heiraten zusammenfindet. Zwischen zwei und fünf gleichgeschlechtliche Paare im Jahr lassen sich im Rathaus in Wasserburg eine Lebenspartnerschaft eintragen.

Der Ablauf ähnelt einer Eheschließend, der Wortlaut unterscheidet sich. Auch Harald Pfrogner vom Standesamt Wasserburg hat schon Zeremonien für die Eintragung von Lebenspartnerschaften im Rathaus abgehalten. Es sei nach wie vor spannend, vor allem, weil manche Aussagen und Sätze anders ablaufen als bei Eheschließungen, so der Standesbeamte. Jede Zeremonie zur Eintragung von Lebenspartnerschaften sei bislang sehr herzlich abgelaufen, erinnert sich Pfrogner.

Bislang hätten sich mehr Frauen im Altlandkreis entschieden, sich für eine eingetragene Lebenspartnerschaft beim Standesamt zu melden. Zwei aus Wasserburg, die diesen Schritt gingen, sind Brigitte Pfohl und Christine Pfohl-Hastreiter.

Brigitte und Christine kennen sich bereits seit vierzehn Jahren, im August 2014 haben sie sich dann entschlossen, zu heiraten. Zunächst hatten es die Inhaberinnen des Café Queens nicht besonders eilig mit der Hochzeit.

Nachdem sich die Gesetzeslage geändert und die Rechte für gleichgeschlechtliche Paare verbessert habe, sei eine Hochzeit durchaus wichtiger geworden. „Jetzt gilt Christine endlich auch offiziell als meine Angehörige und darf gegebenenfalls entscheiden, wenn mir etwas passieren sollte“ erklärt Brigitte Pfohl. Neben der rechtlichen Position sei es zudem ein Zeichen nach außen, dass diese Beziehung Zukunft habe, zeigen sich beide überzeugt. „Ich wollte jedem zeigen, dass wir zusammengehören und Christine meine Frau ist und nicht meine Schwester“, so Pfohl weiter.

Die Hochzeit im August vergangenen Jahres sei ein sehr schönes Ereignis gewesen, schwärmen beide gleichermaßen. Weil der Begriff Hochzeit für gleichgeschlechtliche Paare nicht gelte, werde man bei der Zeremonie vor dem Standesamt darauf auch immer wieder hingewiesen, erzählen Brigitte und Christine.

Vor dem Notar die Lebenspartnerschaft einzutragen, wäre den beiden etwas zu formell gewesen, vor dem Standesamt sei dieses Ereignis einfach viel persönlicher, meint Christine.

Der Ablauf im Rathaus wirkte etwas verwirrend, erinnern sich Brigitte und Christine. So werde vor dem Standesamt von Lebenspartnerin 1 und Lebenspartnerin 2 gesprochen. „Ich wußte bis zum Schluss gar nicht, ob ich jetzt als eins oder zwei bezeichnet werde“ lächelt Brigitte Pfohl. Der Standesbeamte habe sich aber sehr bemüht, alles richtig zu machen und wirkte ebenso aufgeregt wie die beiden Frauen selbst.

„Fast schon amüsiert haben wir uns darüber, dass wir vom Standesbeamten als Geschenk neben einem Aquarell von Wasserburg ein Schoko-Brautpaar überreicht bekamen“ erzählt Christine. Eigentlich sei es ja fast schon eine Beleidigung, ein „normales Brautpaar“ als gleichgeschlechtliches Pärchen zu bekommen, blicken Brigitte und Christine zurück. Es sei etwas gedankenlos gewesen. Beide wirken trotz dieses Fauxpas der Stadt Wasserburg glücklich miteinander und erinnern sich gerne an diesen besonderen gemeinsamen Tag.

Die Eintragung der Lebenspartnerschaft sei „das Sahnehäubchen“ im gemeinsamen Alltag, heißt es von Christine und Brigitte aus dem Queens in Wasserburg.

Quelle: rosenheim24.de

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