Ein starkes Netz für die Familien

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Stellvertretend für alle von Erika Pohl (links) bisher unterstützten Familien nahm Martina Paladini mit Sohn Joshua eine Spende der Sparda Bank entgegen, die Florian Trautinger überbachte.

Wasserburg - Seit eineinhalb Jahren nimmt die Wasserburger Familienberaterin Erika Pohl zu jungen Familien Kontakt auf, berät und unterstützt sie frühzeitig, wenn es nötig ist. Ein Ansatz, der sich offensichtlich bewährt hat.

Es sind eigentlich schöne Wochen für Erika Pohl: Die Familienberaterin kann doch einige Wünsche erfüllen dank zweckgebundener Spenden. Die gibt sie an die Familien weiter, die das Geld jetzt am dringendsten bauchen. Aber es sind auch bedrückende Wochen vor Weihnachten: "Da brennt es halt besonders häufig - finanziell wie emotional."

Seit eineinhalb Jahren ist die Erzieherin in Wasserburg im Einsatz. Angestoßen und unterstützt wurde ihre Stelle vom Wasserburger "Elternnetz", zu dem alle Einrichtungen gehören, die mit kleineren Kindern und ihren Eltern zu tun haben. 140 Klienten hat sie bisher betreut, durchschnittlich zehn sind es in der Regel gleichzeitig. "Es läuft genauso wie geplant", ist Erika Pohl prinzipiell zufrieden.

Es sind die kleineren und größeren Sorgen von jungen Familien, die da bei ihr landen. Die bräuchten eigentlich immer "ein starkes Netz für die vielen Veränderungen, die das neue Familienmitglied in das Familienleben hineinträgt", so Thomas Jung von der Frühförderstelle der Katholischen Jugendfürsorge, die offiziell Träger der Familienberaterin ist. Oft gelinge das ja mit der Unterstützung von Oma und Opa, Freunden oder Bekannten. "Wenn nicht, gibt es in Wasserburg das Projekt 'Inn-Familie' mit Erika Pohl."

So sehen es offensichtlich auch die Kinderärzte, Hebammen oder Kindergärten. Die Zusammenarbeit von der Geburtshilfe bis zu privaten Multiplikatoren sei schon sehr breit, freut sich die Familienberaterin, das Netz werde immer größer.

Sie glaubt, dass sie inzwischen ihre Rolle zwischen den Unterstützungs- und Hilfsangeboten gefunden hat, die es sonst noch gibt. "Bei mir ist entscheidend, dass ich absolut unabhängig und neutral bin, auch vom Jugendamt, aber gleichzeitig mit allen Stellen vernetzt. Das ist für manche meiner Klienten wichtig."

Oder besser Klientinnen: Gerade die Not von alleinerziehenden Müttern sieht Erika Pohl nach den eineinhalb Jahren anders. "Sicher, man kann schon mal auch mit sehr wenig Geld auskommen. Aber jahrelang in dem Gefühl, dass nichts dazwischen kommen darf..." Was passiere denn, wenn sich eine ARGE-Zahlung zwei Wochen verzögere, der Kühlschrank "aber einfach leer ist?" Oder wenn die Waschmaschine kaputt geht, oder eine Zahnspange für das Kind fällig ist? "Es ist unwahrscheinlich, wie hart manche kämpfen müssen."

Kurzfristig eine Kinderbetreuung organisieren, telefonisch erreichbar sein, auch mal abends oder am Wochenende, weil der gewaltbereite Ex-Partner sein Kommen angedroht hat: "Das gehört alles dazu." Ein Rat, eine Information, Gedanken entwirren oder einfach zuhören: "Manche Alleinerziehende sind wirklich sehr allein."

Die Familienberaterin dagegen freut sich über die breite Unterstützung in Wasserburg. Jetzt hat beispielsweise die Sparda Bank wieder mit einer Spende von 1500 Euro zur Finanzierung der Halbtagesstelle beigetragen. Die Grundlage der Arbeit bildet eine Finanzierung durch die Aktion Mensch. Doch die wird in eineinhalb Jahren auslaufen. Was dann sein wird, darüber mache man sich im "Elternnetz" gerade intensiv Gedanken, so Erika Pohl.

Auch für 2010 gibt es für ihre Stelle noch eine Finanzierungslücke von 4500 Euro. "Aber das wird schon noch klappen", ist die Familienberaterin zuversichtlich. Sie ist von Haus aus Optimistin - vielleicht auch das ein Grund dafür, warum ihre Klientinnen sie so schätzen.

von Karl Königbauer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser