Wasserburg ein Teil des Welterbes?

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Vorschussmauern, geschlossene Häuserreihen, Grabendächer, Wasserspeiher mit in der Fassade und Laubengänge, das macht die Inn-Salzch-Architektur aus und ist nicht nur in der Herrengasse zu bewundern

Wasserburg - Welterbe – das ist der Kaiserdom in Aachen, die Bamberger Altstadt oder die Würzburger Residenz. Aber Wasserburg? Doch, als Teil einer Gemeinschaftsbewerbung der Inn-Salzach-Städte. Die Bewerbung läuft.

„Es ist doch für diese Stadt nur von Vorteil, wenn Wasserburg und die Inn-Salzach-Architektur überregional präsentiert werden“, findet Bürgermeister Michael Kölbl. Zumal der erste Schritt, die offizielle Interessensbekundung am UNESCO-Titel „Welterbe“, keine Kosten und kaum Aufwand verursacht. Welterbe, das verbinden die meisten mit einzelnen Bauwerken oder Städten. Mit Architekturstilen eher nicht. Dabei gibt es mit den Siedlungen der Berliner Moderne, der Mudejar-Architektur in Aragon und den Werken von Gaudí beispielsweise durchaus Vorbilder. Initiator ist Rattenberg in Tirol. Auf Anraten des Welterbebeauftragten im Wiener Bildungsministerium, der die Chancen für eine einzelne Stadt aufgrund der hohen Stättendichte in Österreich wie Deutschland eher gering einschätzte, suchte sich Rattenbergs Bürgermeister Franz Wurzenrainer Mitstreiter entlang des Inns und der Salzach. Wasserburg, Mühldorf, Neuötting, Burghausen und Schärding waren bereit. Rosenheim kam nicht in Frage, dort gibt es nicht genug Inn-Salzach-Architektur. Salzburg ist schon Welterbe, Innsbruck wollte nicht und Passau bewirbt sich allein.

Sechs Bürgermeister, ein Ziel: Weltkulturerbe Inn-Salzach-Architektur. Dafür setzeen sich Hans Steindl (Burghausen), Franz Wurzenrainer (Rattenberg), Peter Haugeneder (Neuötting), Günther Knoblauch (Mühldorf), Michael Kölbl (Wasserburg), Franz Angerer (Schärding/v.l.) ein

Die sechs Bürgermeister, die sich jetzt in Schärding trafen, sind der Überzeugung, dass es sich lohnen wird, den letztendlich langfristigen und aufwendigen Entwicklungsprozess zu starten. Denn die grenzübergreifende Bewerbung lässt die Chancen steigen. Wie groß sie sind, vermag derzeit niemand einzuschätzen, zu groß ist die Bewerberzahl, zu lang die schon bestehende Warteliste. „Da wir kein Risiko eingehen, probieren wir es“, so Kölbl. Bis 1. März müssen Rattenberg und Schärding in Wien, Wasserburg, Mühldorf, Neuötting und Burghausen in München ihr Interesse bekunden. „Die Burghausener sammeln unsere Unterlagen und reichen sie weiter, die haben schon Erfahrung, wollten sich mit ihrer Burg schon bewerben“, sagt Kölbl.

Im Laufe des Jahres erfolgt eine erste Bewertung durch den Freistaat. Kölbl, der im Landesdenkmalrat sitzt, ist „gespannt auf die fachliche Beurteilung.“ Das Fehlen von Innsbruck, Braunau und Passau sieht er aber schon als Manko. Und: „Auch andere Baustile haben Vorschussmauern und Grabendächer. Außerdem ist die Konkurrenz sehr stark.“ Dennoch waren sich die Bürgermeister einig, den Vorstoß zu starten und die erste Bewertung abzuwarten.

Sollte diese so positiv ausfallen, dass das grenzübergreifende Projekt weitergeht, dann wird es erstens kostenintensiver – eine professionelle, fundierte Bewerbung wird auf eine halbe Million Euro Gesamtkosten geschätzt –, zweitens arbeitsaufwendiger und drittens sehr langwierig. Von der ersten Bewerbung bis zur Entscheidung vergehen viele Jahre. „Aber diese Entscheidung muss dann sowieso neu beraten werden“, so Kölbl.

„Welterbe“ ist ein lukrativer Titel. Die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe, mit den Domen in Aachen und Speyer die erste Welterbestätte in Deutschland, ist neben den Schlössern des Märchenkönigs das einzige Objekt der Bayrischen Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung, das schwarze Zahlen schreibt. Bamberg und Regensburg erfreuen sich das ganze Jahr über großer Beliebtheit bei Touristen. Nur Dresden zog den Verkehrsfluss dem werbewirksamen Titel vor.

Werbewirkung unbestritten

Genau diese Werbewirkung sehen die Bürgermeister der beteiligten Städte auch schon bei der Bewerbung gegeben. Zumal ein grenzübergreifendes Projekt auch die überregionalen Medien interessieren dürfte. Und Wasserburger Lokalpatrioten wissen schon lange, wie hervorragend sich der Inn-Salzach-Stil gerade mit Fotos der farbenfrohen Stadt in der malerischen Innschleife illustrieren lässt. . .

von Syilvia Hampel/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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