Trinkwasser bleibt in Hand der Stadt

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Ob zum Trinken oder zum Abwaschen: Sauberes Wasser ist das wichtigste Lebensmittel. Die Versorgung damit gehört nach Ansicht der meisten Deutschen und Österreicher nicht in private Hände, sondern sollte in kommunaler Verantwortung bleiben. Da sei Qualität zu bezahlbaren Preisen sicher.

Wasserburg - Knappe 1,2 Millionen Unterschriften gegen die europaweite Ausschreiben der Trinkwasserversorgung. Dieser Erfolg scheint auch die EU zu beeindrucken:

Die Vergaberichtlinie soll verändert werden, die Wasserburger Stadtwerke sind dann sicher nicht betroffen.

Die Trinkwasserversorgung europaweit ausschreiben müssen und damit der Privatisierung Tür und Tor öffnen, - diese Vorstellung fanden vor allem die Deutschen und die Österreicher überhaupt nicht komisch. Sie protestierten besonders heftig. Nicht nur Bürger, auch die Kommunen und ihre Verbände, die Städte- und Gemeindetage.

Der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier war offensichtlich beeindruckt, erklärte Ende vergangener Woche, dass die EU-Kommission keine Zwangsprivatisierung der Trinkwasserversorgung wolle. Nach seiner Vorstellung solle die neue Richtlinie nun besagen, dass nur Wasserwerke, die mehr als 20 Prozent ihres Geschäftes außerhalb des Stadtgebietes betreiben, ihre Konzessionen europaweit ausschreiben müssen.

"Das erreicht das Wasserwerk nicht", so Werkleiter Kurt Fritsch, etwa zehn Prozent sind es aktuell. Selbst bei der ursprünglichen Regelung, bei der die 20 Prozent des Geschäftes Strom und Wasser bei Mehrspartenwerken betroffen hätten, wäre Wasserburg nach Ansicht von Fritsch nicht betroffen gewesen. Auch wenn die Stadtwerke Öko-Strom in Nachbargemeinden liefern, damit Geld verdienen.

So ganz glücklich ist Bürgermeister Michael Kölbl, ein Befürworter der kommunalen Wasserversorgung, mit dem neuen Vorschlag immer noch nicht. Ihm sind einerseits die 20 Prozent noch zu schwammig definiert: Geht es um die gelieferte Wassermenge oder den daraus erzielten Umsatz? Das kann bei unterschiedlichen Wasserpreisen in den kommunen durchaus einen Unterschied machen. Andererseits sei die Trinkwasserversorgung in Deutschland bisher kommunale Aufgabe, die Stadt helfe damit Nachbargemeinden wie zum Beispiel Edling oder Pfaffing bei der Erfüllung ihrer Pflicht und dürfe dafür nicht bestraft werden. Zumal die Wassermenge der städtischen Brunnen so groß ist, dass noch mehr Menschen mit Trinkwasser versorgt werden könnten.

Warum Kölbl ein Verfechter der kommunalen Wasserversorung ist? "Das Wasserwerk darf und muss keinen Gewinn machen, kann entsprechendes Augenmerk auf die Qualität der Wasserversorgung legen". Gewinnmaximierung mit ihren negativen Folgen ist überflüssig.

Ein Beispiel: Das Wasserburger Leitungsnetz mit seinen 2000 Hausanschlüssen und etwa 5000 angehängten Haushalten ist so intakt, dass maximal drei Prozent des eingespeisten Wassers verloren gehen. In Großbritannien wurde die Wasserversorgung 1989 privatisiert, Gewinn machen wurde wichtig. Das Leitungsnetz ist in der Zwischenzeit so marode, hat so viele Lecks, dass im eigentlich wasserreichen London im vergangenen Sommer plötzlich Wassermangel herrschte.

Die bisher knapp 1,2 Millionen Unterzeichner auf der Internetseite www.right2water.eu, die Gegner der Privatisierung einrichteten, kommentiert Kölbl höchst erfreut: "Ich bin froh, dass die Bevölkerung bei dem Thema so sensibel ist."

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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