Hilfe für Senioren geht weiter

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Übernahm den Schlüssel für das Dienstfahrzeug der Wasserburger Seniorenhilfe aus den Händen von Bürgermeister Michael Kölbl (rechts): David Diemon, der letzte Zivi der Stadt.

Wasserburg - Bei der Stadt Wasserburg hat mit dem 20-jährigen David Diemon am Mittwoch der letzte Zivildienstleistende seinen Dienst angetreten.

Doch die beliebte Seniorenhilfe, ein in Bayern beispielhaftes kommunales Engagement für ältere Mitbürger, wird weiter fortgeführt - im Rahmen des "freiwilligen sozialen Jahres".

Er ist nach wie vor Deutschlands beliebtester Politiker: Doch bei vielen Senioren in Wasserburg hat Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg deutlich an Glanz eingebüßt. Schließlich geht mit der Bundeswehrreform nicht nur die Abschaffung der Wehrpflicht, sondern auch des Zivildienstes einher. Seit 2002 beschäftigt auch die Stadt Wasserburg Zivis - im Rahmen der Heilig-Geist-Spitalstiftung, die sich auch der Betreuung von Senioren widmet. Die Zivis gelten als die bei den älteren Bürgern wohl beliebtesten Mitarbeiter der Verwaltung. Denn sie helfen Senioren im Haushalt und Garten, erledigen für sie Besorgungen und Einkäufe, fahren sie zum Arzt oder zu Veranstaltungen, begleiten sie zu Ausflügen, übernehmen Botengänge.

"Die Beunruhigung war groß, nachdem bekannt geworden war, dass es in Zukunft keinen Zivildienst mehr geben wird", berichtet Hauptamtsleiter Anton Hundmaier. Die Telefone im Rathaus standen nicht mehr still, schließlich hängt bei vielen der 80 Stammkunden des Seniorenhilfsservices die Mobilität im Alter von den Diensten der Zivis ab.

Doch Bürgermeister Michael Kölbl kann Entwarnung geben: Die Stadt Wasserburg kann den Seniorenhilfsdienst im Rahmen des "freiwilligen sozialen Jahres" (FSJ) weiterführen. Nach aufwendigen Recherchen ist es Hundmaier gelungen, einen Träger zu finden: die beruflichen Fortbildungszentren der bayerischen Wirtschaft (bfz) mit Sitz in München. Versuche, einen der großen Sozialverbände für eine Trägerschaft zu gewinnen, waren nach Angaben der Stadt gescheitert. Es fehlt an Erfahrungen mit dem "freiwilligen sozialen Jahr" - ein Grund, warum viele Verbände eher "abwartend" reagieren, so die Begründung. Mit den Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft hat die Kommune zur Freude von Kölbl jedoch doch noch einen "idealen Träger" gefunden, "eine überschaubare gemeinnützige GmbH, die eine individuelle, flexible Betreuung garantiert". Ein vom zuständigen Ministerium anerkannter Träger ist auch notwendig, um die pädagogische Begleitung der "FSJ-ler" zu gewährleisten. Denn sie haben während des "freiwilligen sozialen Jahres" auch Anspruch auf Bildung. Fünf Wochen lang nehmen sie an Weiterbildungsmaßnahmen teil, die der Träger organisiert und anbietet.

Zum 1. August, bei Bedarf jedoch auch schon früher, kann der erste "FSJ-ler" in Wasserburg anfangen. Damit endet auch die männliche Dominanz bei den jungen Betreuern: Schließlich können jetzt auch Frauen die Fahr- und Hilfsdienste übernehmen. Bei den Senioren besitzen diese schon die Oberhand: 60 der 80 Stammkunden des Services sind weiblich.

An den Aufgaben des Dienstes, der allen Senioren und Behinderten der Stadt zur Verfügung steht, wird sich jedoch nichts ändern. Der Bürgermeister hofft ebenso wie Hundmaier auf weiterhin großes Interesse bei jungen Leuten an der nach Überzeugung von Kölbl "schönsten Zivildienststelle Deutschlands", die nun zur FSJ-Stelle wird. "Bei uns gibt es geregelte Arbeitszeiten, freie Wochenenden, ein Fahrzeug und einen angenehmen Dienstalltag mit Kontakten zu älteren Menschen, die sehr dankbar für die geleistete Hilfe sind", betont der Bürgermeister. Das "freiwillige soziale Jahr" muss nach Angaben von Hundmaier übrigens kein ganzes sein, anerkannt werde es bereits ab einer Dienstzeit von sechs Monaten. Ein Einstieg sei jederzeit zum Ersten eines Monates möglich, zur Entlohnung zahle die Stadt monatlich etwa 250 Euro, so Hundmaier. "Der Dienst bei der Stadt bietet sich für viele junge Leute an, die Ausbildungslücken überbrücken müsse." So wie bei David Diemon, der gerade seine Lehre zum Bürokaufmann abgeschlossen hat und im Herbst auf die Berufsoberschule gehen möchte. Er leistet bereits einen freiwilligen Dienst. Der 20-jährige könnte die letzte Zivildienstzeit in der Einsatzstelle Wasserburg verkürzen, absolviert jedoch die vollen sechs Monate, "weil ich die Arbeit für die Senioren für einen sehr sinnvollen Dienst halte".

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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