Wasserburger Ärzte: "Wir bleiben im System"

Wasserburg - Die Wasserburger Hausärzte bleiben im Kassensystem. Die Kassenpatienten können weiterhin ganz normal mit ihrer Karte zur Behandlung kommen.

Das war das Ergebnis einer Besprechung am Dienstagabend. Nur ein Mediziner wäre zum Ausstieg bereit gewesen. Bei Redaktionsschluss der Lokalausgabe war die Entscheidung des bayerischen Hausärzteverbandes noch nicht bekannt. Aber für die Wasserburger Praxen war schon vorher klar: "Wir bleiben im gesetzlichen System." So fasste gestern Thomas Wilsmann das Treffen zusammen, bei dem praktisch alle hausärztlichen Praxen in und um Wasserburg vertreten waren.

Ausschlaggebend war für die meisten Ärzte dabei wohl der finanzielle Aspekt: "Viele können es sich einfach nicht leisten, ein einigermaßen gesichertes Einkommen aufs Spiel zu setzen", so Wilsmann. Die meisten Praxen seien auch bankfinanziert, "und die Banken würden da nicht mitspielen."

Allerdings habe es bei den Wasserburger Medizinern eine große Sorge um die Zukunft der Praxen gegeben. Denn von den reinen Kassensätzen seien die kaum zukunftsfähig, so die einhellige Meinung.

Daher hätte man vom bayerischen Hausärzteverband auch eine andere Strategie erwartet. "Wir waren mit dem Pokerspiel der letzten Wochen nicht mehr einverstanden", so Wilsmann. Während der Verband bisher dafür gesorgt habe, dass es den Praxen 2010 "verhältnismäßig gut ging", habe sich die Verbandsspitze nun zu einem Machtkampf hinreißen lassen, der "von der Basis nicht mehr mitgetragen wurde."

Allerdings wollen die Wasserburger Hausärzte auch nicht klein beigeben. Im neuen Jahr soll selbstbewusst mit den Kassen verhandelt werden. "Wir haben eine hohe Solidarisierung im Raum Wasserburg" - bis dahin, dass Kollegen, sollten sie doch aussteigen wollen, mit der Unterstützung der anderen Praxen rechnen könnten.

Denn grundsätzlich sehen die örtlichen Ärzte massive Probleme. Zum einen sei die "überbordende Bürokratie" kaum mehr leistbar, so Wilsmann. Zum anderen könnten die jungen Ärzte mit den derzeitigen Regelsätzen neue Praxen praktisch nicht mehr finanzieren. Älteren würde gleichzeitig ein Teil ihrer Altersvorsorge wegbrechen, wenn sie ihre Praxen nicht mehr verkaufen könnten. "Derzeit kann sich ein Hausarzt weder im noch außerhalb des Systems wirklich finanzieren", fasst Thomas Wilsmann den Konflikt zusammen.

"Wir erwarten, dass uns jetzt neue Hausarztverträge angeboten werden." Der verdeutlicht an Durchschnittszahlen die finanzielle Dimension: Ein "normaler" Kassenpatient bedeute im Schnitt 45 Euro pro Fall, im Hausarztvertrag der AOK waren es 76 Euro. Die Praxen aber hätten pro Fall schon durchschnittliche Unkosten von 37 Euro.

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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