"Lebensentwürfe einfach akzeptieren"

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Das Podium mit Peri Baumgartner, Mutter von sechs Kindern, Peter Rink, Leiter des Wasserburger Gymnasiums, Landtagsabgeordneter Annemarie Biechl, Elisabeth Fischer, als Stadträtin und langjährige Kindergartenleiterin aktiv für Kinder und Jugend, Familienministerin a.D. Christa Stewens und Manuela Rieger-Bürgel, seit vielen Jahren Tagesmutter in Babensham.

Wasserburg - Bei einer Posiumsdiskussion der Wasserburger CSU und der Frauen-Union war das große Thema die Familienpolitik mit all ihrer aktuellen Brisanz.

Am Ende der Diskussion über Familienpolitik mit all den Themen wie Betreuungsgeld, Bildung, Kind in Krippe oder nicht, fasste Annemarie Biechl zusammen: "Wir haben gesehen, wie weit entfernt wir noch sind, um die verschiedenen Lebensentwürfe junger Eltern zu akzeptieren."

Die Wasserburger CSU und die Frauen-Union hatten zu diesem Abend im Sparkassensaal eingeladen. FU-Vorsitzende Heidrun Engelhardt begrüßte die Podiumsteilnehmer, neben der Landtagsabgeordneten die Ministerin a.D. Christa Stewens, Manuela Rieger-Bürgel, seit vielen Jahren Tagesmutter in Babensham, Peter Rink, Leiter des Wasserburger Gymnasiums, Elisabeth Fischer, Stadträtin und langjährige Kindergartenleiterin, und Peri Baumgartner, Mutter von sechs Kindern in Wasserburg.

Christa Stewens, ebenfalls Mutter von sechs Kindern und mittlerweile 22 Enkeln, kennt nicht nur die Diskussionen in den letzten Jahren auf allen Ebenen und die politischen Entscheidung, sie weiß auch wie das ist mit vielen Kindern. "22 Enkel, um Gottes Willen", höre sie immer wieder und das zeige, dass Deutschland ein Kinder entwöhntes Land geworden sei. Das gelte es zu ändern, was allerdings die Gesellschaft wollen müsse, waren sich alle Podiumsteilnehmer einig. Es müsse unterschiedliche Möglichkeiten für die Kinderbetreuung, Wahlfreiheit geben. Dazu müsse unter anderem auch die Wirtschaft ein familienfreundliches Arbeiten ermöglichen. Einig waren sie auch, dass die Erzieherinnen nicht entsprechend ihrer Leistungen bezahlt werden.

Ehe das Publikum mitdiskutierte, berichteten die Podiumsteilnehmer von ihren Erfahrungen. Peri Baumgartner hat sich ganz bewusst entschieden, bei ihren Kindern in den ersten Jahren zuhause zu bleiben. Sie findet, dass die emotionale Bindung groß ist und wollte sie aufwachsen sehen. Jetzt, beim letzten Kind ist ihr Mann zu Hause, ihr Verdienst als Krankenschwester muss reichen, auch das Modell, Vater und Mutter halb beschäftigt hatten sie schon. "Wir können uns sehr reduzieren, aber ein Betreuungsgeld hätte uns schon sehr geholfen. Sie findet es toll, dass es beide Möglichkeiten für Eltern mit Kindern unter drei Jahren gibt, "und dann ist es gut, dass es den Kindergarten gibt".

Elisabeth Fischer meint, dass Wasserburg schon recht familienfreundlich sei. Dass nur noch von seniorengerechtem Wohnen geredet wird ärgert sie, "es muss Grundstücke geben, wo Familien kleine Häuser bauen können.

"Wenn Mütter zuhause unzufrieden sind, sollen sie nicht zu Hause bleiben", so Peter Rink. "Ist doch gut, wenn es beide Möglichkeiten gibt". Der "verkrampfte" Umgang mit Kindern, das fällt ihm als Schulleiter auf, "entweder Überbehütung oder Unterbehütung". Und, dass Kinder aus Patchworkfamilien verhaltensauffälliger sind, "Familie ist Grundlage für eine gesunde seelische Entwicklung der Kinder". Dass Lehrer die meisten Kinder hätten, darauf verwies schon Christa Stewens. Kommt nicht von ungefähr: "Kind und Beruf, bei uns funktioniert's, unsere jungen Kolleginnen haben 50 Prozent frei verfügbare Arbeitszeit", so Rink.

Tagesmutter Manuela Rieger-Bürgel macht es möglich, dass das auch Mütter sogar im Schichtbetrieb unter einen Hut bekommen. "Ich habe zwei Mütter, die können die Kinder auch nachts bringen", die Nachfrage für ihr Angebot sei groß.

Schon der erste Beitrag aus dem Publikum zeigte, wo die Meinungen sehr auseinander gehen. Sozialschwächere neigten doch eher das Betreuungsgeld zu nehmen, Kinder mit Migrationshintergrund sollen in die Kita gehen, auch um Deutsch zu lernen. Das konnte Peri Baumgartner gar nicht stehen lassen, richtig unverschämt findet sie diese Vorurteile, "Deutsch lernen die Kinder auch auf dem Spielplatz".

Auch Christa Stewens meinte, eine türkische Mutter wolle das Beste für ihre Kinder. Und um die gehe es, jedes sei anders. Bildung für Kinder finde sowohl in der Kinderkrippe wie zuhause statt, wenn Eltern mit ihren Kindern spielen, ihnen vorlesen oder sporteln. Es gehe doch darum, wo was dem Kind geboten werde, "entscheidend ist eine kompetente, vertraute Person, und die gebe es hier wie dort".

Einen besseren Schlüssel für das Krippen- und Kindergartenpersonal würden sich auch die beiden Politikerinnen des Podiums wünschen, "immerhin ein Drittel des Staatshaushalts fließt in Bayern in das Kultusministerium", sagte Christa Stewens. Anderen kosteten Bau und Unterhalt der Krippen zu viel, "wenn wir familienfreundlich sein wollen, müssen wir das Geld ausgeben", der klare Stadtpunkt von Christa Stewens.

Wie schändlich man mit Kindern umgehe, meinte ein Mitdiskutierender, es könne nicht angehen, wenn fünf Kinder in einem kleinen Zimmer lebten, "Kinder brauchen eine ordentliche Wohnung, sie müssen sich wohlfühlen".

Als das Wort Abschieben für Kinder in der Krippe fiel, wurde es auch im Sparkassensaal kurz emotional. Am Ende baten die Podiumsdiskutanten: Die verschiedenen Lebensentwürfe einfach akzeptieren, sie nicht bewerten und beurteilen und froh sein, dass es diese Angebote gibt.

Und eine Zuhörerin wollte den Abend "positiv" beenden und erzählte eine passende Geschichte. Nur boarisch habe sie können und als sie in die Schule kam nix verstanden. Als Sekretärin später sei sie berühmt für ihr astreines Hochdeutsch geworden.

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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