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Seit Jahrzehnten mit ihren Schmankerlständen auf dem Frühlingsfest

Zwischen Mandeln und Schokofrüchten: Rudi und Manfred sind beste Freunde

Rudi Stey (links) von der Süßen Linie 8 und Manfred Perz von den gleichnamigen Schokofrüchten auf dem Wasserburger Frühlingsfest
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Rudi Stey (links) von der „Süßen Linie 8“ und Manfred Perz von den gleichnamigen Schokofrüchten kennen sich seit Jahrzehnten. Einmal im Jahr treffen sie sich auf dem Wasserburger Frühlingsfest, wo ihre Schmankerlstände nebeneinander platziert werden.

Rudi Stey und Manfred Perz sind seit Jahrzehnten befreundet - obwohl sie sich nur einmal im Jahr sehen. Konkurrenzdenken, das ist für die beiden Schmankerlstand-Betreiber ein Fremdwort. wasserburg24.de hat die zwei besucht und mehr über kleine süße Sünden auf dem Frühlingfest erfahren.

Wasserburg - „Den Manfred, den kenne ich seit Jahrzehnten. Wir sehen uns aber nur einmal im Jahr - wenn wir auf dem Frühlingfest in Wasserburg nebeneinander platziert werden. Dann ist neben dem Geschäft Zeit zum Austausch und Ratschen. Wir führen eine gemütliche Freundschaft und sehen uns nicht als Konkurrenten“, betont Rudi und erhält von Manfred ein zustimmendes Nicken.

„Süßigkeiten machen glücklich“

Wir treffen die beiden im Wagen von Rudi, der „Süßen Linie 8“, auf dem Festplatz. Manfreds Schokofrucht-Stand hat derweil seine Tochter Rebecca im Griff. Was macht eigentlich den Reiz der Schmankerlstände aus? Klare Antwort von Manfred, der seit 1988 Schokofrüchte auf dem Frühlingsfest anbietet: „Süßigkeiten machen glücklich.“

„Der ausschlaggebende Punkt“, ergänzt Rudi, der seit 2003 auf dem Festplatz in der Alkorstraße vertreten ist, sei: „Unsere Süßigkeiten bekommt man nicht jeden Tag. Schokofrüchte, Zuckerwatte, frisch gebrannte Nüsse - das kann alles nicht im Supermarkt gekauft werden. Ich habe manchmal Kokoswürfel im Angebot, die Leute sind süchtig danach. Und türkischen Honig kennt wohl nur noch die Generation 60 plus.“ Der Name käme laut Rudi übrigens nicht aus der Türkei, sondern von „tückisch“, weil die Leckerei in der Herstellung eine unglaubliche Batzerei mit sich bringe.

Zuckerwatte besteht aus einem Esslöffel Zucker - und Luft

„Bei uns darf man ruhig einmal sündigen mit einem glasierten Apfel sowie mit Zartbitter oder weißer Schokolade überzogenen Erdbeeren und Bananen - seit jeher der Renner“, untermalt Manfred. Wobei sündigen relativ sei: Auf einem Spieß kommen etwa 30 Gramm Schokolade, der Rest sei Frucht. Eine Praline sei da kalorienreicher, weiß der 63-Jährige.

Zuckerwatte - natürlich erfunden in Amerika - ist vor allem bei Kindern beliebt, hat 120 Kalorien und besteht aus nur einem Esslöffel Zucker. „Der Rest ist Luft“, verrät Rudi. Wie sie am Ende aussieht, darauf hat der 58-Jährige mit seiner Drehtechnik - die Hand im Kessel im Uhrzeigersinn und den „Baum“ in der Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen - nur bedingt Einfluss. Denn die Form ändert sich mit dem Klima, da könne es schon mal passieren, dass der Zucker klebrig durch Gegend fliege.

wasserburg24.de-Reporterin Marina Birkhof beim Versuch, Zuckerwatte zu kreieren. Rudi Steys Fazit: „Für den Anfang nicht schlecht.“

Das Lebkuchenherz ist ein weiteres Phänomen der Volksfeste, das gehört wie das Hendl und die Mass dazu. „Gibt es einen besseren Weg für einen Teenager, seiner Angebeteten zu sagen, wie sehr er sie mag, als ihr ein Herzal mit einer Botschaft umzuhängen?“ fragt Rudi in die Runde erklärt im selben Atemzug, das Verhältnis zwischen Aufessen und Aufheben sei bei den Leuten 50:50. „Manche kommen nach 20 Jahren an meinen Stand und versichern, sie haben noch immer das Lebkuchenherz von damals.“

Gebrannte Mandeln sind seit jeher auf dem Volksfest beliebt. Die Mandel, erklärt Rudi, gehöre zum „Superfood“ und transportiere Abfallstoffe aus dem Körper. Ähnlich wie Rotwein verlängere der Konsum von Mandeln das Leben. Und fünf Macadamia pro Tag schützen vor Demenz. Ansonsten hat er noch Kürbiskerne, Erdnuss und Sonnenblumenkerne und natürlich den Nuss-Mix in der Auslage. Und welche Nuss ist am beliebtesten? „Reine Geschmackssache“, sagt Rudi mit einem breitem Grinsen.

„Schaustellerleben - einer der abwechslungsreichsten Jobs, die es gibt“

Rudi und Manfred sind mit Leib und Seele Zuckerbäcker. Beide wurden in das Schaustellerleben hinein geboren. Rudis Eltern betrieben schon einen Schmankerlstand, den der Münchner weiterführt. Manfreds Eltern besaßen einen Breakdancer, durch die Heirat seiner Ex-Frau kam er zu den Schokofrüchten, bei denen er hängen blieb - bis heute. Es gebe auch viele Branchenfremde, die reingeheiratet haben ins Schaustellerdasein und sich laut Rudi bestens integriert.

Der Betreiber der „Süßen Linie 8“, der regelmäßig auch als Schauspieler auf der Bühne steht, erklärt stundenmäßig arbeite man ein bisserl über dem Normalarbeiter und an den Festtagen freilich bis in die Nacht hinein. „Dafür lernst du jeden Tag neue Menschen kennen - Menschen, die gut drauf sind und Spaß haben wollen auf dem Volksfest.“

Für andere möge das eine fremde Welt sein, das Weiterziehen von Ort zu Ort und abschnittsweise Leben im Wohnwagen, ergänzt Manfred. „Das Schaustellerleben - einer der abwechslungsreichsten Jobs, die es gibt.“ Einen schöneren und besseren Beruf, das betonen sie abschließend einstimmig, können sich beide nicht vorstellen.

mb

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