Wasserburger "Sozialkaufhaus" wieder geöffnet

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Spielzeug und Spiele könnte Christian Weidlich-Reuber, der neue Ladenleiter, gerade in der Vorweihnachtszeit noch mehr brauchen.

Wasserburg - Noch ist es ein wenig Baustelle, aber das Wasserburger "Sozialkaufhaus" der Diakonie hat wieder eröffnet. Wer will, kann hier einen etwas anderen Weihnachtseinkauf erleben.

Die alleinerziehende Mutter ist erst einmal glücklich: Für 4,50 Euro hat sie gerade ein originalverpacktes Holzspielzeug für ihr Kind kaufen können - und damit das Weihnachtsgeschenk gesichert. So ist es geplant im "Sozialkaufhaus" des Diakonischen Werkes an der Rosenheimer Straße, und so läuft es seit nunmehr fast zwei Jahren.

Und es läuft so gut, dass sich der Träger nach kurzer Zeit schon entschieden hatte, das Gebäude zu kaufen und umzubauen und den Laden damit fest zu etablieren. Das alles sollte eigentlich im Herbst noch fertig werden, aber nun ist doch eine Winter-Baustelle daraus geworden.

Immerhin hat das Sozialkaufhaus rechtzeitig zum "Weihnachtsgeschäft" wieder aufgemacht, und der neue Ladenleiter Christian Weidlich-Reuber staunt noch täglich, "wie viele Leute ohne Geld da hereinkommen." Weihnachteinkauf ein wenig anders, ganz ohne Glöckchenmusik und Sternchen-Deko: Der gelernte Schreiner, der zuletzt in einem Möbel-Großmarkt gearbeitet hat, freut sich auf die neue Aufgabe, "weil es etwas wirklich Sinnvolles ist."

Das war und ist der Ansatz im Sozialkaufhaus: Noch verwertbare Möbel, funktionierende Elektrogeräte, Kleidung, Haushaltswaren, Bücher oder Spielzeuge sollen hierher gebracht werden statt zum Sperrmüll. Wer Bedarf hat, kann sich dann günstig eindecken. Und die insgesamt 15 Mitarbeiter, in der Mehrheit sogenannte "Ein-Euro-Jobber", erhalten hier eine Chance zum Zuverdienst und zur Wiedereingliederung ins Berufsleben.

Manfred Edlmann, der Abteilungsleiter beim Diakonischen Werk, will die Probleme des Modells nicht verschweigen. Nicht immer klappe auf Anhieb alles mit den Sozial-Mitarbeitern. Und nicht immer stoße man auf Verständnis, wenn man das, was gutmeinende Zeitgenossen "verschenken" wollen, nicht annehmen könne, sondern zum Sperrmüll verweisen müsse. Auch wenn bei den ebenfalls vom Sozialkaufhaus angebotenen Wohnungs-Räumungen die schwere Eichen-Anrichte nicht aus dem vierten Stock getragen werden kann, "weil wir das gar nicht packen mit unseren Leuten und weil wir die auch nicht verkaufen können", gebe es manchmal enttäuschte Mienen. Aber grundsätzlich sei der Wasserburger Laden ein großer Erfolg. "Wir hatten noch nicht einmal ernsthafte Probleme."

Am ehesten machte der Umbau Sorgen, denn der Laden war deshalb einige Wochen zu. Mittlerweile steht zwar immer noch der Kran vorm Haus. Aber die neue Heizung funktioniert, Fenster und Elektroleitungen sind erneuert, und das Tröpfeln durch die Decke soll auch bald der Vergangenheit angehören.

Und auch wenn es nicht in erster Linie auf den Umsatz ankommt: Der kann sich durchaus sehen lassen. Man könnte sich sogar Gedanken über eine Erweiterung machen, so Manfred Edlmann. Erst einmal aber muss die Baustelle abgeschlossen sein. Im Frühjahr will man die Fassade herrichten, dann wird das Gebäude endlich auch von außen etwas freundlicher ausschauen.

Die Wasserburger Erfahrungen sollen in das nächste Sozialkaufhaus-Projekt einfließen: Im Frühjahr will das Diakonische Werk in Bruckmühl ein weiteres eröffnen. Der Bedarf sei einfach so groß, so Edlmann, "nicht nur in Wasserburg".

von Karl Königbauer/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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