Singen, was die Menschen bewegt

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Ernst Schusser vom Volksmusikarchiv Oberbayern sang Moritaten und Balladen und das Publikum war begeistert und sang aus voller Kehle mit. 

Wasserburg - 40. Volksmusiktage: Geschichten vom Wildschütz oder einem treulosen Vater - beim Moritatensingen ließen Ernst Schusser und Eva Bruckner die klassische Volksmusik hochleben.

"Hochverehrtes Publikum, treten Sie heran, hier werden Sie genauso beschissen wie nebenan", begrüßte die Gruppe vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern die Besucher und stimmte sogleich eingängige Balladen und gesungene Geschichten an. Auf großen Schaubildern ließ sich etwa das 200 Jahre alte Drama aus den Berchtesgadener Bergen verfolgen, bei welchem es am Ende zwischen einem Löffelschlager und einem Schandi äußerst tragisch zugeht. Das Publikum zeigte sich amüsiert und Ernst Schusser animierte es zum aktiven Mitsingen, Klatschen und Tanzen. Dem konnten sich zahlreiche Passanten nicht entziehen und selbst Touristen aus Baden-Württemberg oder dem Ruhrpott vertieften sich in die verteilten Liederhefte und wagten sich mutig und voller Inbrunst an die altbayerischen Texte.

Die "Waginger Wirtshausmusi" (von links): Willi Huber, Hias Winkler, Schorsch Schneider und Alois Babinger.

Und selbstverständlich durften beim Spektakel hinter der Frauenkirche auch Lieder des weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Wasserburger Volksmusiksängers Christl Arzberger nicht fehlen. "Wir bringen die Musik wieder dorthin zurück, wo sie ursprünglich herkommt", so Eva Bruckner und Ernst Schusser. Mit Ziach und Gitarre sorgten die beiden für die richtige instrumentale Untermalung für den "Sepp am Birnbam", einer Geschichte über den ehelichen Machtkampf von Mann und Frau. Und auch lustige vierzeilige Gstanzln wurden angestimmt, die Christl Arzberger in den 1960er Jahren vom Lehrer Geyer aus Edling auf Tonband aufgenommen hatte. Ernst Schusser reicherte das kurzweilige Programm mit zahlreichen Anekdoten an und berichtete über die Eigenheiten der damaligen Volksmusikanten. "Bei den Wirtshausliedern kamen die Menschen zusammen, doch viele Musikanten spielten nur, wenn auch wirklich die richtigen Leit beinander waren."

Zum Repertoire des Programms am Samstag gehörten zudem auch "menschliche Tiergeschichten" und die Geschichte vom "Wirtssepperl z'Garching", der doch die Frauen so gern mochte und schon in jungen Jahren von der Reiselust gepackt wurde. Für Schmunzeln und herzhaftes Lachen sorgte schließlich die völlig aus der Zeitspanne ausscherende und hochaktuelle musikalische Kritik an der geplanten dritten Startbahn für den Münchner Flughafen. "Ihr liabn Leit, stehst zamm im Kroas, mir singan, wos a jeda woaß, vom Irrsinn draußt im Erdinger Moos, was beim Airport dort ist los." Die Volksmusik sei nicht dafür da, immer nur eine heile Welt zu erzeugen, sondern bewege seit jeher die Menschen mit ihren Inhalten und Themen, betonte Ernst Schusser. Und wer die strahlenden Gesichter von Jung und Alt beim ausgelassenen Gesang und Tanz beobachtete, stellte fest, dass dies auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch immer Gültigkeit hat.

Etwas ruhiger, aber mindestens genauso ursprünglich und traditionell, ging es bei der "Waginger Wirtshausmusi" in der Hofstatt zu. Mit klassischen Volksmusikklängen sorgten die vier Mitglieder für eine urige Stimmung, nicht nur beim Frühschoppen im benachbarten Café. Seit zwölf Jahren treten Willi Huber, Hias Winkler, Schorsch Schneider und Alois Babinger zusammen auf und bringen "den Preißn de richtige boarische Volksmusi" näher. Im Fernsehen werde oft ein völlig falscher Eindruck vermittelt und bei den Nicht-Bayern kämen ihre Programme, wie beispielsweise typische Hüttenabende, sehr gut an.

So bot der musikalische Samstag neben vergnügten und beschwingten Mittagsstunden auch einen nicht ganz alltäglichen Ausflug in die Welt der Volksmusik.

reg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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