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Ukraine-Krieg

Wasserburger wollen nicht tatenlos zusehen: Nur wohin mit Hilfsangeboten für Flüchtlinge?

Endlich in Sicherheit: Marina und Sohn aus der Ukraine. Flüchtlinge wie sie möchten viele Wasserburger unterstützen.
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Endlich in Sicherheit: Marina und Sohn aus der Ukraine. Flüchtlinge wie sie möchten viele Wasserburger unterstützen.

Viele wollen die ankommenden Flüchtlinge aus der Ukraine unterstützen – mit Spenden oder einer Bleibe. Doch so einfach ist es nicht, musste Pia Muckenthaler aus Wasserburg feststellen. Sie will helfen, weiß nur nicht wie. Aber es gibt Möglichkeiten.

Wasserburg – Pia Muckenthaler (37) aus Wasserburg, Mutter von drei Söhnen im Alter von vier, sechs und acht Jahren, ist erschüttert von den Bildern aus dem Ukraine-Krieg. „Ich frage mich dann immer, was kann ich tun, um den Menschen zu helfen? Was kann ich abgeben, das die anderen jetzt vielleicht nötig gebrauchen?“, beschreibt sie ihre Gedanken.

Der Krieg in der Ukraine geht ihr sehr nah. Auch ihr achtjähriger Sohn komme mittags aus der Grundschule und stelle plötzlich Fragen, die es früher nicht gegeben habe – , „ob wir in der Nato sind beispielsweise, berichtet sie. Das, was unmöglich erschien, sei geschehen: ein Krieg in unmittelbarer Nähe. „Ich kann ja nichts anderes tun, als meine Hilfe anzubieten“, findet Pia Muckenthaler.

Unbefriedigende Antworten

Bei einer Sammelaktion hat die Wasserburgerin bereits Lebensmittel und Kleidung gespendet und in die Ukraine geschickt. Doch jetzt möchte sie auch den Menschen helfen, die nach Wasserburg und Umgebung geflüchtet sind.

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Das ist derzeit allerdings gar nicht so einfach, musste die dreifache Mutter erfahren. Bei der Stadt Wasserburg rief sie als erstes an. Dort verwies man sie an den Bürgerbahnhof. Diese Beratungsstelle nannte ihr die Telefonnummer von Katharina Schmidt aus Rohrdorf. Die Vorsitzende vom Helferkreis für Ternopil organisiert gerade einen Transport in die Ukraine, gab sie Pia Muckenthaler zu verstehen. Wieder keine Hilfe vor Ort. Sie empfahl ihr aber eine E-Mail-Adresse beim Landratsamt in Rosenheim. Dort könne die Wasserburgerin ihr Hilfsangebot zentral melden. Und tatsächlich: Eine automatische Antwort kam zurück: Ihre Mail werde bearbeitet, „bitte haben Sie Geduld“. Für die 37-Jährige eine unbefriedigende Situation.

Das kann Ethel-D. Kafka, Leiterin des Wasserburger Bürgerbahnhofs, gut verstehen. Die Einrichtung koordiniert in Wasserburg soziale Beratungen, Selbsthilfegruppen und Hilfsangebote. Derzeit steht als häufigste Frage am Telefon im Fokus: Wie kann Flüchtlingen in oder aus der Ukraine geholfen werden? Was können Bürgerinnen und Bürger tun?

Kafka ist beeindruckt von der „überwältigenden Hilfsbereitschaft“. „Es tut so gut, dass so viele Menschen ihre Solidarität bekunden wollen“, sagt sie.

Rat: am besten Geld spenden

Trotzdem rät auch die Diplom-Sozialpädagogin: „Es bringt im Moment wenig, auf Verdacht zu reagieren.“ Noch seien viele Fragen ungeklärt: Wie viele Menschen kommen? Was benötigen sie? „Wir wissen alle noch nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.“ Es sei deshalb sinnvoll, erst einmal abzuwarten, bevor Spendenkartons für die Flüchtlinge in Wasserburg gepackt würden.

Doch es gibt trotzdem zwei Wege, schon jetzt den ankommenden Ukrainern zu helfen : Kafka rät Geld statt Gegenstände zu spenden – an die bekannten Organisationen, die derzeit in der Ukraine tätig seien. Oder Sachgüter dort abzugeben, wo sie auch schon vor dem Ukraine-Krieg gesammelt wurden. Ein Beispiel: der BRK-Kleiderladen, der die ankommenden Flüchtlinge sicherlich mit Bekleidung versorgen werde. Außerdem gebe es auch im Wasserburger Land Hilfsorganisationen, die sich engagieren würden – von der Caritas bis zum privaten Helferkreis. Es sei sinnvoll, sich dort zuerst zu erkundigen, was gebraucht werde.

Bürgerbahnhof sucht Dolmetscher

Was der Bürgerbahnhof auf jeden Fall bereits jetzt benötigt, sind Dolmetscherinnen und Dolmetscher. „Wir rechnen damit, dass in den nächsten Wochen ein großer Bedarf an Übersetzungen besteht.“ Außerdem werden die städtischen Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände nach Kafkas Meinung gefordert sein, den Menschen aus der Ukraine bei der Bewältigung der traumatischen Erlebnisse zu helfen. „Die psycho-soziale Versorgung“ werde einen wichtigen Baustein der Hilfe darstellen, ist sie überzeugt.

Die ersten Flüchtlinge, die angekommen sind, brauchen nach ihren Erfahrungen derzeit vor allem eins: Ruhe. „Sie sind froh, ein Dach über dem Kopf zu haben, und in einer Stadt zu sein, in der nicht geschossen wird“. Sobald es konkret wird mit Hilfebedarf in Wasserburg, also bekannt ist, wer was wo und wann benötigt, werden Bürgerbahnhof, Stadt und Wohlfahrtsverbände an die Öffentlichkeit gehen, verspricht Kafka.

Das sagt die Stadt Wasserburgt: Standorte für Container

Auch im Hauptausschuss kam das Thema Ukrainehilfe zur Sprache. Auf Anfrage von Steffi König (Grüne) erläuterte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD), dass alle Maßnahmen zentral über das Landratsamt Rosenheim gesteuert werden. Hier können sich Bürger, die helfen möchten, melden – unter der Mailadresse ukrainehilfe@lra-rosenheim.de. Noch seien keine Sporthallen in Wasserburg angefordert worden für die Unterbringung der Flüchtlinge. Der Landkreis konzentriere sich noch auf die barrierefreien Hallen in Prien und Bad Aibling. Doch die Stadt habe mögliche Standorte für Container – etwa am Krankenhaus – an das Landratsamt Rosenheim gemeldet.

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