Weinfest: Später Beginn, später Ansturm

+
Ein Prost aus dem Gerüst: Unkonventionelle Eröffnung des Weinfestes.

Wasserburg - Spät fing es an beim Weinfest 2011: Sowohl die meisten Besucher, als auch die gewohnten Tropfen von oben kamen am Samstag erst nach 21 Uhr. Vergnüglich war es aber allemal.

Einzigartig in den zurückliegenden 44 Jahren des Weinfests dürfte das Eröffnungszeremoniell gewesen sein. Nicht wie üblich vom Verkünd-Erker des Rathauses herunter, stattdessen vom Baugerüst aus prostete Bürgermeister Michael Kölbl den ersten Schluck Festwein den Zuschauern am Marienplatz zu.

Wasserburger Weinfest - Teil 1

Dass er improvisieren kann, dafür ist der Bürgermeister bekannt. Aber dass er trotz großflächiger Reparaturmaßnahme an der Rathausfassade samt verhülltem Verkünderker dennoch nicht auf seinen angestammten Platz verzichten wollte, damit hatten wohl nur die Wenigsten gerechnet. Kurzerhand wurde das Baugerüst zur Ersatzplattform umfunktioniert, ein Ausschnitt der Verhüllung geöffnet.

Wasserburger Weinfest - Teil 2

Sicherlich nicht zuletzt wegen dieser Kuriosität bezeichnete Kölbl das diesjährige Weinfest "als ein bisserl anders, als in den Vorjahren". Auch dass es heuer auf Initiative des Fremdenverkehrsvereins wieder einen offiziellen Festwein gab, wertete er als positive Neuerung. Letzteren stellten dann Johann Gruber, Winzer des burgenländischen Weißweins, und Jürgen Teurer, Organisator des niederösterreichischen Rotweins, vor. Beide waren ebenfalls mit aufs Gerüst geklettert. Leicht fiel Kölbl in der Folge die Entscheidung, welche Sorte er wählen sollte: Er griff standesgemäß zum "Roten".

Nicht entscheiden konnten sich aber offensichtlich viele Besucher. Nach der Eröffnung "tröpfelte" es noch ordentlich - nicht der Regen, stattdessen die Besucherzahl. Entgegen der Vorjahre waren um 20 Uhr die Tische noch reihenweise leer. Eine gegenteilige Entwicklung setzte erst nach 21 Uhr ein. Jetzt kam Bewegung in die Gassen. Und: Jetzt kamen auch - obligatorisch - die ersten Tropfen, von oben. Die waren aber zu vernachlässigen, und so füllten sich Bänke und Tische rasch. Zog es die Weinbeseelten in der Herrengasse und Salzsenderzeile eher unter die witterungsgeschützten Arkaden und Zelte, oder wie in der Hofstatt unter das Markthallendach, so hielten die Standhaften am oberen Marienplatz unter freiem Himmel aus. Wer einen Schirm und warme Kleidung bei 17 Grad plus dabei hatte, war klar im Vorteil.

Köstlichkeiten gab es an allen Ecken und Enden: Grillgut, Pizza und vielerlei andere Gaumenfreuden. Wer hungrig blieb, war selber schuld.

Nicht fehlen vor den Altstadthäusern durften freilich auch wieder die vielen privaten "Weinlauben", die für so manchen Städter den ganz individuellen Reiz des Weinfests ausmachen. Kein Wunder also, dass man beim Flanieren dann häufig von einem Bekannten zum nächsten kam - und beim Ratschen wurde der Wein ein ums andere mal besser.

Ein Magnet für die Besucher waren erneut die fünf Kapellen, die für beste Stimmung sorgten. Ging es bei der Eröffnung zu Klängen der Stadtkapelle noch beschaulicher zu, so heizten Duty Free, Rockagilly, Shortcut und Twist & Shout den Feierfreudigen in der Folge ordentlich ein - Abtanzen inklusive. Überhaupt ist beim Weinfest in den letzten Jahren zunehmend die Tendenz feststellbar: Nicht sitzen, sondern mitrocken, mit dem Weinglas in der Hand vor den Bühnen.

Freilich hatten dabei auch die Kinder ihre Freude. Sie durften rumtollen, sei's tanzend vor den vier Bands, oder einfach nur so in den Altstadtgassen - wortwörtlich bis zum "umfallen", bis man in den Armen der Mama einschlief.

Für die Sicherheit während des Fest sorgten in bewährter Weise eine Abstellung der Johanniter Unfallhilfe sowie Jahn-Security.

Dennoch bleibt offenbar ein Wermutstropfen: Lediglich an vier Häusern in der ganzen Altstadt waren noch die beleuchteten Lampions zu finden, ohne die früher ein Weinfest undenkbar gewesen wäre. Die "alten" Wasserburger bedauern's, wie zu hören war.

Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Gefeiert wurde noch lange bis Mitternacht, hatten die Veranstalter doch gut an die 2500 Flaschen Festwein geordert.

tro/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser