Wenn die Leitung still bleibt

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Kein Internet, kein Telefon: Lange Zeit ging bei zwei OVB-Lesern gar nichts.

Rosenheim/Bruckmühl - Man will telefonieren, aber der Anschluss funktioniert nicht. Das ist eine Erfahrung, die viele Verbraucher machen, die ihren Telefonanbieter wechseln wollen.

Die Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte hat nicht nur die Angebote vielfältiger und günstiger gemacht, sondern auch undurchschaubarer - was so mancher Kunde am eigenen Leib zu spüren bekommt.

Friedhelm Kothe aus Bruckmühl waren seine Kosten für Telefon und Internet zu hoch. Er ließ sich deshalb von Kabel Deutschland ein Angebot machen. Telefonisch versicherte man ihm, dass an seiner Adresse ein Telefon- und Internet-Anschluss über Kabel möglich sei. So unterschrieb Kothe im Juli einen Vertrag zum 13. Oktober 2011. Für den gleichen Zeitpunkt kündigte er anschließend seinen bestehenden Vertrag bei einem anderen Anbieter.

Ende September tauchte schließlich bei ihm ein Service-Techniker auf. Doch der stellte fest, dass es in der Kabelleitung kein Signal gab. Er erklärte, darum würden sich Kollegen einer Fachfirma kümmern und zog unverrichteter Dinge wieder ab. Von den angekündigten Spezialisten ließ sich aber niemand blicken. "Ich habe täglich angerufen, aber es hat sich nichts getan", erzählt Kothe.

Erst am 13. Oktober, dem Tag, an dem die Kündigung des Anschlusses wirksam wurde, erreichte er eine Service-Mitarbeiterin von Kabel Deutschland, die ihm Auskunft gab: "Ihre Adresse können wir leider nicht bedienen." Zwei Stunden später war seine Leitung tot.

Kothe musste nun einen neuen Telefonanschluss beantragen - bei seinem alten Anbieter. Vier Wochen dauerte es, bis der Anschluss freigeschaltet war.

Der Bruckmühler hat nun seinen Rechtsanwalt eingeschaltet. "Wir haben einen Vertrag abgeschlossen und Kabel Deutschland hat ihn nicht eingehalten", sagt er. Er habe nur noch per Handy telefonieren können und will nun die Mehrkosten ersetzt haben. Der Kabelanbieter weist eventuelle Ansprüche zurück: Man weise die Kunden bei der Auftragsbestätigung darauf hin, dass die Gefahr bestehe, ohne Telefonanschluss dazustehen, wenn man seinen bisherigen Anschluss kündige, bevor die Installation vonseiten Kabel Deutschland erfolgt ist. Eine solche Information habe er nie erhalten, meint dagegen Kothe. Wie die Sache ausgeht, ist noch offen.

Ärger mit seinem Anschluss hatte auch Fatmir Ajvazi aus Rosenheim. Er zog im Oktober 2011 um - keine große Sache, wie er glaubte. Schließlich wechselte er nur die Wohnung im gleichen Haus, meldete dies der Telekom. Doch die ließ sich Zeit, den vorhandenen Anschluss im neuen Zuhause freizuschalten. Vier Wochen dauerte es, bis endlich das Festnetztelefon funktionierte. Der im Paket dazugebuchte Internet-Anschluss aber blieb tot.

"Für mich war das sehr ärgerlich, denn meine Eltern leben in den USA und wir haben vor allem über das Internet Kontakt gehalten", so Ajvazi. Auch nach fünf, sechs und sieben Wochen ging in Sachen Internet nichts voran, obwohl die Gebühr pünktlich vom Konto abgebucht wurde. Ajvazi entwickelte sich zum Stammgast im Telekom-Laden: "Ich war etliche Male dort, aber niemand konnte mir weiterhelfen." Auch tägliche Anrufe beim telefonischen Service brachten ihn nicht weiter - der Internet-Anschluss blieb abgeschaltet. Ansprechpartner wechselten ständig, Techniker kündigten sich an, kamen aber nicht, Servicemitarbeiter erklärten, ihnen liege kein Auftrag vor.

Ende November hatte der OP-Assistent schließlich die Nase voll und kündigte den Anschluss zum nächstmöglichen Zeitpunkt - per Einschreiben beim zuständigen Vorstandsmitglied; und erst zum 25. November 2013, weil er mit dem Umzug einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag abgeschlossen hatte.

Doch damit stellte er sich selbst ein Bein: Denn nach weiteren Besuchen und Anrufen bei der Telekom stellte sich heraus, dass die Kündigung offenbar alle weiteren Bemühungen des Unternehmens blockiert. "Mir wurde gesagt, solange die Kündigung vorliegt, könne im Computer-System kein Auftrag eingegeben werden, damit sich jemand um meinen Internet-Anschluss kümmert." Die Folge: Der Zugang ins weltweite Netz funktioniert weiterhin nicht.

Ajvazi fühlte sich unter Druck gesetzt: "Ich war fast gezwungen, meine Kündigung zurückzuziehen, damit etwas passiert." Schließlich stornierte er tatsächlich seine Kündigung in der Hoffnung auf eine Lösung. Doch vergeblich: Weitere drei Wochen lang tat sich nichts, Ajvazi fühlte sich weiter hingehalten. Niemand konnte ihm sagen, woran es haperte.

Erst ein Anruf der Heimatzeitung bei der Pressestelle der Telekom brachte nach drei Monaten des Wartens Bewegung in die Sache: Binnen drei Tagen war die Internet-Verbindung freigeschaltet. "Ein IT-Problem" war laut Pressestelle für die Hängepartie verantwortlich. Für die Zeit ohne Internet erhalte Ajvazi eine Gutschrift und als kleine Entschädigung entfielen die Bereitstellungskosten. "Eine Mitarbeiterin hat mittlerweile bei mir angerufen und sich entschuldigt, dass es so lange gedauert hat", berichtet Ajvazi. "Ehrlich gesagt hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben, dass es überhaupt noch klappt."

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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